Sternbrücke: Bahn stellt Entwürfe zur Online-Diskussion

Stand: 30.10.2021 06:05 Uhr

Die betagte Sternbrücke in Hamburg-Altona soll durch einen Neubau ersetzt werden. Doch das sorgt für viel Kritik. Im Verkehrsausschuss der Bürgerschaft kritisierten Hamburgerinnen und Hamburger, dass es keine echte Bürgerbeteiligung gegeben habe.

Die Deutsche Bahn will nun ihre Entwürfe im Dezember online zur Abstimmung stellen. Nach Auswertung der Beiträge von Bürgerinnen und Bürgern sollen die Entwürfe dann im Januar oder Februar 2022 endgültig präsentiert werden, sagte Bahn-Projektleiter Markus Warnken am Freitagabend bei der öffentlichen Anhörung. Dabei kann es aber höchstens um kosmetische Details gehen: Denn die Bauweise ist nach Angabe des Projektleiters alternativlos.

Anwohnende gegen "Monsterbrücke"

Bei der Anhörung beklagten Anwohnende wieder die ihrer Meinung nach überdimensionierten "Monsterbrücke", die mit 26 Metern Höhe das gewachsene Stadtbild und die Clubszene im Umfeld der Brücke zerstöre. Mehrere forderten: Alles nochmal zurück auf Null und neu planen. Dabei solle auch eine mögliche Sanierung der alten Brücke wieder auf den Tisch. Anwohnende beriefen sich darauf, dass eine Sanierung nicht nur möglich, sondern auch wesentlich klimafreundlicher wäre. Der Charakter des Viertels, mit seinen kleinen Kneipen, Clubs und Kunstateliers, bliebe erhalten. Die Bahn erteilte dem eine Absage. Eine Sanierung sei maximal eine Zwischenlösung.

Tjarks: "Brücke ist ziemlich kaputt"

Bahn-Projektleiter Warnken und Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) bekräftigten ihre Einschätzung, dass es zu dem Neubau keine Alternative gebe. "Diese Brücke ist aus Sicht des Senates ziemlich kaputt", und der Neubau sei für den Bahnverkehr deutschlandweit wichtig, sagte Tjarks. Außerdem verwies er auf den größeren Raum unter einem größeren Neubau, der nötig sei für Radwege, Busse und Fußgänger. Tjarks räumte allerdings ein: "Es wäre nicht falsch gewesen, früher mehr Beteiligung anzubieten."

Sudmann rechnet mit Klagen

Die Ausschussvorsitzende Heike Sudmann (Linke) kündigte für den 25. November eine Senatsanhörung zum Thema an. Dem Hamburg Journal im NDR Fernsehen sagte sie, dass sie mit Klagen gegen die Pläne der Bahn rechne.

Baustart für 2023 geplant

Die Bahn möchte die knapp 100 Jahre alte und seit Jahren sanierungsbedürftige Sternbrücke durch einen rund 125 Millionen Euro teuren Neubau ersetzen. Der Baustart ist für Anfang 2023 geplant, die Fertigstellung bis Ende 2026. Die Brücke über der Straßenkreuzung von Stresemannstraße und Max-Brauer-Allee zählt mit täglich mehr als 900 S-Bahnen, Regional- und Fernzügen zu den meistgenutzten innerstädtischen Gleisabschnitten in Deutschland. Unter ihr passieren täglich etwa 50.000 Fahrzeuge das Bauwerk.

Was wird aus den Clubs?

Das Bauprojekt ist auch umstritten, weil für den Neubau mehrere Häuser abgerissen und eine Reihe von Clubs und Kneipen weichen müssen. Als Lösung für dieses Problem gibt es den Vorschlag für einen Neubau, in dem Clubs und Kneipen unterkommen könnten. Während die Idee von der Bahn begrüßt wurde, stößt sie im Quartier rund um die Brücke auf Ablehnung: Ein ohne breite Bürgerbeteiligung geplantes "Club-Kaufhaus" sei kein Ersatz für die gewachsene Club- und Undergroundkultur, hieß es bei der Anhörung am Freitag.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Hamburg Journal | 30.10.2021 | 07:00 Uhr

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