Stand: 12.08.2020 17:40 Uhr

Staatsanwalt zu Tod von UKE-Patient: Keine Anklage

Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat knapp eineinhalb Jahre nach dem Tod eines Psychiatrie-Patienten am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) die Ermittlungen abgeschlossen. Eine Anklage wird es in dem Fall nicht geben. Gegen alle vier Beschuldigten wurde das Verfahren eingestellt.

Nach Zwangsfixierung gestorben

Drei Sicherheitsleute und eine Ärztin standen im Visier der Ermittler. Der Verdacht lautete Körperverletzung mit Todesfolge und unberechtigte Zwangsmedikation. Der 34-jährige Kameruner war im April 2019 nach einer Zwangsfixierung auf dem UKE-Gelände gestorben. Laut Staatsanwaltschaft seien die Maßnahmen aber durch Nothilfe beziehungsweise Notwehr gerechtfertigt gewesen. Die Obduktion habe keine Hinweise auf unverhältnismäßige Gewaltanwendung ergeben, hieß es. Die ergriffenen Maßnahmen "waren insgesamt durch Notwehr beziehungsweise Nothilfe gerechtfertigt", erklärte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Der Mann soll zudem unter einer Herzerkrankung gelitten haben.

Black Community Hamburg und Linksfraktion empört

Die Linksfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft reagierte empört auf die Einstellung des Verfahrens. Es sei nicht nachzuvollziehen, dass die Staatsanwaltschaft keinen hinreichenden Tatverdacht sehe, obwohl mehrere Zeugen geschildert hätte, dass der 34-Jährige friedlich auf der Bank gesessen habe und die Security brutal gegen ihn vorgegangen sei, erklärte der Linken-Gesundheitsexperte Deniz Celik. Die Entscheidung der Anklagebehörde "ist ein Schlag ins Gesicht aller Menschen, die Gerechtigkeit fordern". Aktivisten und Aktivistinnen der Black Community Hamburg zeigten sich entsetzt und sprachen von einem Justizskandal: "Die unfassbare Einstellung des Ermittlungsverfahrens im Angesicht der aktuellen weltweiten Massenproteste der #BlackLivesMatter-Bewegung auch hier in Deutschland und auch hier in Hamburg ist ein Schlag ins Gesicht der trauernden Familie, unserer Black Community hier in Hamburg und weltweit." Die Aktivisten und Aktivistinnen rufen für Sonnabend zu einer Protestkundgebung auf.

Bis Anfang September kann noch Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens eingelegt werden.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 12.08.2020 | 13:00 Uhr

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