Polizist bei Zusammenstoß getötet: Sechs Jahre Gefängnis

Stand: 21.04.2021 13:59 Uhr

Im Prozess um den Tod eines Polizisten bei einer Verhaftung in Lurup hat das Hamburger Landgericht am Mittwoch einen 30-Jährigen schuldig gesprochen. Er muss für sechs Jahre ins Gefängnis.

Am 25. Februar vergangenen Jahres hatten Polizeibeamte den damals mit drei Haftbefehlen gesuchten 30-Jährigen festnehmen wollen. Als ein Zielfahnder aus Itzehoe in den Wagen des Mannes sprang, gab der Gesuchte Gas und wendete. Dabei stieß er frontal mit einem zivilen Polizeiwagen zusammen, den ein Beamter des Hamburger Landeskriminalamts fuhr. Der 57-Jährige erlitt schwere Verletzungen und starb acht Tage später im Krankenhaus.

Richter: "Wollte sich Festnahme entziehen"

Bei der Urteilsverkündung sagte der Vorsitzende Richter, der Angeklagte habe den Tod durch seinen unbedingten Willen verursacht, sich um jeden Preis der längst überfälligen Festnahme zu entziehen. Der 30-Jährige hatte behauptet, dass er die Polizisten damals nicht erkannt hatte. Er habe nicht an eine Festnahme, sondern an einen Überfall von Rockern geglaubt. Deshalb sei er geflohen.

Fehler beim Polizeieinsatz

Der Richter erwähnte auch die Fehler bei dem Polizeieinsatz. Er sprach von einem planlosen und unabgestimmten Verhalten der Polizisten. Zugleich betonte er, dass trotzdem allein der Angeklagte am Tod des Polizisten schuld sei. Zum Angeklagten sagte er, dieser sei nicht der tolle Typ mit den Luxusautos, für den er sich halte, sondern ein ganz gewöhnlicher, egoistischer Krimineller.

Der 30-Jährige wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte sowie Sachbeschädigung und Fahrens ohne Führerschein verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte für den Angeklagten eine Haftstrafe von sechs Jahren und zehn Monaten gefordert. Die Verteidigung hatte beantragt, ihren Mandanten nur wegen Fahrens ohne Führerschein in zwei Fällen zu einer maßvollen Freiheitsstrafe zu verurteilen.

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In Hamburg stehen ein Angeklagter, seine Verteidigerin und weitere Teilnehmer im Gerichtssaal. Der Angeklagte ist wegen Körperverletzung mit Todesfolge, gefährlicher Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr angeklagt. © picture alliance / dpa Foto: Georg Wendt

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 21.04.2021 | 13:00 Uhr

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