Stand: 04.09.2020 12:40 Uhr

Otto Group schließt Retouren-Zentrum in Hamburg

Das Retouren Zentrum der Otto Group in Hamburg. © picture alliance/Otto Group/dpa Foto: Urs Küster
Das Retouren-Zentrum der Otto Group in Hamburg: 840 Menschen arbeiten dort.

Die Otto Group wird ihr Hamburger Retouren-Zentrum in etwa einem Jahr schließen. Mit der frühzeitigen Ankündigung solle den 840 überwiegend in Teilzeit beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ausreichend Zeit zur Neuorientierung gegeben werden, teilte Otto am Donnerstag mit. Die Retouren der verschiedenen Konzerngesellschaften der Otto Group werden künftig in den Zentren Lodz (Polen) und Pilsen (Tschechien) bearbeitet. Dort landen schon jetzt rund zwei Drittel der zurückgeschickten Waren aus der Otto Group.

Bearbeitung von Retouren verursacht hohe Kosten

Als Grund für den Schritt nannte Otto gestiegene Kosten. Retouren sind Bestandteil des Geschäftsmodells des Versandhandels, verursachen aber auch erheblichen Aufwand. Otto hatte zuletzt mitgeteilt, es sei gelungen, die Retourenquote zu drücken. Auch Konkurrenten wie Amazon oder Zalando bearbeiten ihre Retouren in Osteuropa.

Da die Versandmengen immer weiter steigen, gibt es auch mehr Retouren. Das Hamburger Retouren-Zentrum sei eines der letzten, das mit seiner Verkehrsbelastung inmitten einer Großstadt betrieben werde, heißt es in der Otto-Mitteilung.

Gespräche mit Betriebsrat

Die Otto Group halte grundsätzlich am Aufbau weiterer Arbeitsplätze in Hamburg und Deutschland fest, auch in der Logistik. In den vergangenen Jahren sei die Zahl der rechnerischen Vollzeit-Stellen in der Konzernlogistik um 15 Prozent auf 7.300 gestiegen. In den kommenden Monaten werde nun die Geschäftsführung der Konzerngesellschaft Hermes Fulfilment mit den Betriebsräten ausloten, wie die Folgen für die Beschäftigten so gut wie möglich abgemildert werden könnten. Für die oft ungelernten Mitarbeiter gibt es in den Hamburger Otto-Firmen kaum Beschäftigung.

Bis April gibt es laut Gewerkschaft ver.di noch eine Beschäftigungssicherung, die der Betriebsrat verhandelt hatte. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben demnach seit 2006 auf bis zu zwölf Gehalt verzichtet, um den Standort zu erhalten. Ver.di kritisiert, dass nun der Eindruck entsteht, Otto habe nur auf Zeit gespielt, bis die beiden Paketzentren in Polen und Tschechien ausgebaut wurden, um das Retouren-Geschäft komplett zu übernehmen.

"Für den Standort bitter"

Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) bedauert die Schließung: "Natürlich ist es für den Wirtschaftssenator immer bitter, wenn man Arbeitsplätze an diesem Standort verliert." Eine Gegenantwort könne lauten: "Wir müssen weitere Unternehmen hier in Hamburg ansiedeln. Und daran müssen wir natürlich gemeinsam arbeiten", sagte der Senator.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 03.09.2020 | 18:00 Uhr

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