Stand: 10.01.2020 17:56 Uhr

Nach Soleimanis Tod: Iraner in Hamburg angespannt

Im Nahen Osten scheint sich die Lage erst mal zu entspannen. Dennoch: Auch die Iraner in Norddeutschland beschäftigt der Tod des iranischen Generals Kassem Soleimani weiter.

von Lea Struckmeier

"Weg mit dem Diktator", rufen sie, schwenken die frühere persische Flagge. Vor der Hamburger Imam-Ali-Moschee an der Alster, auch bekannt als Blaue Moschee, haben sich Donnerstagabend mehrere Dutzend Demonstranten, unter ihnen vor allem Exil-Iraner, versammelt. Denn in der schiitischen, regimenahen Moschee soll eine Zeremonie stattfinden. Die Moschee nennt es eine Trauerzeremonie für das "Märtyrium von Mohammeds Tochter Fatemeh". Die Demonstranten dagegen vermuten, dass um den getöteten General Soleimani getrauert wird.

Die Organisatorin der Demonstration ist Hourvash Pourkian. Die Hamburgerin stammt aus dem Iran, musste 1975 mit ihrer Familie aus Teheran fliehen. Sie protestiert gegen die Imam-Ali-Moschee und dagegen, dass die Moscheebesucher um den getöteten Soleimani trauern: "Wir sehen nicht ein, dass die Moschee, die als verlängerter Arm der iranischen Führung bezeichnet wird, so eine Veranstaltung initiiert. Wir sind alle glücklich, dass ein Top-Terrorist weniger auf der Welt ist." Warum viele Moscheegänger um Soleimani trauern, kann sie nicht verstehen. Wie viele der Demonstranten ist sie wütend auf die, die den General als Helden sehen.

Verfassungsschutz beobachtet die Moschee

Die Imam-Ali-Moschee ist umstritten. Der Träger der Moschee, das Islamische Zentrum Hamburg (IZH), ist unter Beobachtung des Hamburger Verfassungsschutzes, weil in der Moschee auch extremistische Positionen des iranischen Staates verbreitet würden. Der Leiter des IZH sei traditionell ein linientreuer Anhänger der iranischen Staatsdoktrin, heißt es vom Verfassungsschutz.

Auch deshalb herrscht - während draußen der Tod des Generals gefeiert wird - bei den Moscheegängern eine ganz andere Stimmung. "Er war ein Kämpfer, der für seine Religion und sein Land gehandelt hat und ihn als Terrorist darzustellen ist für mich die größte Frechheit, die man machen kann", findet Mehran Harbehband. Für Moscheebesucherin Fatemeh war Soleimani "eine einzigartige Persönlichkeit". Unter den Moscheegängern herrscht Unverständnis für die Demonstranten, viele von ihnen sind über Soleimanis Tod bestürzt.

Gemeinschaft der Exil-Iraner zeigt sich zerrissen

Die Meinungen vor der Moschee könnten unterschiedlicher nicht sein und durch die Gemeinschaft der Exil-Iraner geht ein Riss. Beide Gruppen müssen am Donnerstagabend durch die Polizei getrennt werden. Tausende Kilometer vom Nahen Osten entfernt sorgt Soleimanis Tod auch hier für Spannungen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | NDR Info | 09.01.2020 | 16:00 Uhr

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