Musical "Footloose" in Hamburg: Ansteckende Energie

Stand: 12.08.2021 15:28 Uhr

Hamburg hat ein neues Musical: Das Publikum hat die Premiere von "Footloose" im First Stage Theater am Mittwochabend mit Jubel und stehend dargebrachten Ovationen gefeiert. In dem kleinen Off-Theater in Altona machen Musical-Profis und Newcomer gemeinsame Sache.

von Daniel Kaiser

Von der Energie der jungen Leute auf der Bühne hat man fast einen Stromschlag bekommen. Vor allem die Tanzszenen sind zum Sattsehen wunderbar. Die Choreographie von Phil Kempster ist mitreißend und witzig. Ob beim Mädel-Quartett im Burgerladen oder beim Cowboy-Linedance im Nachbardorf: Der Funke springt immer wieder über – beim Titelsong "Footloose" aber auch bei den anderen Hits "Holding out for a hero" oder "Let’s hear it for the boy".

Tanzverbot mit wahrem Hintergrund

Riccardo Greco ist ein sympathischer Ren McCormack, der wie ein verkannter Schwiegersohn-Typ herüberkommt. Er hat es nicht leicht. Er zieht mit seiner nun alleinerziehenden Mutter aus dem großen Chicago zu einem Onkel ins Kaff Bomont, in dem das Tanzen verboten ist, weil dort vor Jahren Jugendliche nach einer Party verunglückt waren. Es ist eine Geschichte mit wahrem Kern, denn tatsächlich gab es so einen Ort mit einem solchen Verbot. Greco spielt den Helden, der den Tanz zurück nach Bomont bringt mit Charme.

Ohrwürmer mit deutschen Texten

Die Mädels auf der Bühne haben viel Stimme. Die Jungs haben eine Menge Witz. Energie haben alle. Florian Soyka als Prediger und Femke Soetenga als seine Frau bringen den Sound alter Musical-Hasen wunderbar auf die Bühne. Aber auch der Nachwuchs hat’s drauf. Starke Stimme und dann auch noch richtig witzig: Lena Sophie Pudenz als Rusty. Oder auf den Punkt getanzt und gesungen: Ilias Sidi Yacoub als Cowboy Joe. An die etwas hölzernen deutschen Songtexte gewöhnt man sich dabei schnell, an den Sound der manchmal zu schmonzettig-glatten Balladen etwas langsamer.

Regie, Band und Bühne top!

Es geht ja in dem Stück nicht nur ums Tanzen, sondern auch um Gefühle: Tiefschürfende Gespräche am Bahngleis und so. Die Dramaturgie im Stück stimmt. Insgesamt ist es eine tolle Regie (Felix Löwy), die die Geschichte stark, schnell und schlüssig erzählt, eine super Live-Band, die aus einer extra nebenan angemieteten Wohnung spielt, und vor allem eine wunderbare Bühne. Da drehen sich kurz mal ein paar Wände und - schwupps! - wird aus dem Hinterhof in Chicago die Kleinstadtkirche, in der der Reverend seine Sittenlehre predigt. Stehend dargebrachte Ovationen für ansteckende Spielfreude Am Schönsten ist aber eigentlich die Spielfreude der jungen Leute, die mit Begeisterung und Spaß ihren Traum leben. Am Ende steht das Publikum und klatscht begeistert im Rhythmus mit den Hits aus den 80ern mit. Dieser Abend macht wirklich Spaß.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 12.08.2021 | 19:00 Uhr

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