Stand: 22.11.2018 10:30 Uhr

Letzte Auflage: Internet ersetzt Otto-Katalog

Es ist das Ende einer Ära: Nach Jahrzehnten wird heute in Nürnberg der letzte Otto-Katalog gedruckt. Der Hamburger Versandhändler verlagert die Präsentation seiner Waren weitgehend ins Internet. Der Aufwand für die Produktion und die Verteilung des Katalogs lohne sich nicht mehr, sagte ein Sprecher des Unternehmens.

Vier Otto-Kataloge nebeneinander

Ende einer Ära: Letzter Otto-Katalog gedruckt

Hamburg Journal -

Im Jahr 1950 erschien der erste Otto-Katalog, große Stars zierten oft das Cover. Doch jetzt wird die letzte Ausgabe gedruckt - denn die Kunden bestellen fast alle nur noch online.

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97 Prozent der Kunden bestellen im Internet

"Unsere Kunden haben den Katalog selbst abgeschafft, weil sie ihn immer weniger nutzen und schon längst auf unsere digitalen Angebote zugreifen", sagte Marc Opelt, Chef der Einzelgesellschaft Otto, des früheren Otto-Versands. Das ist heute eine Tochtergesellschaft des Konzerns Otto Group, der weltweit in verschiedenen Geschäftsfeldern rund um den Handel aktiv ist. 97 Prozent der Otto-Kunden bestellen den Angaben zufolge inzwischen im Internet. Nur noch drei Prozent nutzen Fax, Brief, Telefon oder Bestellkarten, um Waren von Otto zu ordern.

Alltagsleben über Jahrzehnte geprägt

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Der Otto-Katalog erscheint in diesem Jahr zum letzten Mal.

Die Otto-Kataloge gehörten ebenso wie die Druckwerke der Konkurrenten Neckermann und Quelle über Jahrzehnte zum Alltagsleben in Deutschland. Sie erschienen in Spitzenzeiten bis zu vier Mal jährlich, umfassten mehr als 1.000 Seiten und wurden in zweistelligen Millionenauflagen gedruckt. Neckermann und Quelle sind längst pleite - ihre letzten Kataloge erschienen 2009 und 2012.

Spiegel von Trends und Zeitgeist

Die Kataloge der Versandhändler waren in den Jahren des westdeutschen Wirtschaftswunders mehr als nur ein Vertriebsinstrument. Sie präsentierten den jeweiligen Zeitgeist. In den Otto-Katalogen der 1950er- und 1960er-Jahre präsentierten rauchende Männer mit Pfeifen oder Zigaretten und einem Drink in der Hand ihre Hemden, Hosen und Sakkos. Die Models hießen noch Mannequins und Kinderkleidung und Damenwäsche wurden nicht fotografiert, sondern gezeichnet. Der Otto-Katalog spiegelte nicht nur Trends wider, sondern setzte sie auch: So hatten schicke und moderne Frauen und Männer auszusehen.

Mit Top-Models auf Kundenfang

Danach wurde der Katalog moderner: Erst kamen ab den 1980er-Jahren prominente Models auf den Titel - Claudia Schiffer, Giselle Bündchen, Eva Padberg und andere. Mit Beginn der Digitalisierung kamen technische Innovationen wie eine dem Katalog beigelegte CD-ROM. Otto legte schon damals die Grundlage für ein Überleben in der digitalen Welt.

Vom Katalog ins Internet

Inzwischen präsentiert Otto im Internet rund drei Millionen Produkte. Niemand muss laut Otto um seinen Arbeitsplatz bangen, weil der Katalog wegfällt; Designer, Layouter, Fotografen und Texter werden für die Internet-Präsenz gebraucht. Zudem sind gedruckte Werbemittel nicht völlig tot. Es gibt weiter Spezialkataloge zu bestimmten Themen wie Garten oder Technik oder Modekataloge zum Beginn der Saison. Das sind allerdings im Vergleich zum Hauptkatalog eher kleine Broschüren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 22.11.2018 | 10:00 Uhr

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