Kommentar: Neue Corona-Regeln für Hamburg überraschend hart

Stand: 24.10.2020 08:40 Uhr

In Hamburg ist die Corona-Lage inzwischen ähnlich angespannt wie in anderen deutschen Großstädten. Die Hoffnung, etwas glimpflicher durch die Krise kommen zu können hat getrogen. Ein Kommentar von Jörn Straehler-Pohl.

Mit diesem Auftritt des Bürgermeisters am Freitagnachmittag im Rathaus habe ich nicht gerechnet. Bisher war seine Botschaft: Die Lage ist ernst, wir haben sie aber im Griff. Er wollte sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Immer mit der Begründung: Wir müssen erst einmal abwarten, wie die bisher beschlossenen Regeln wirken. Inzwischen ist aber klar: Peter Tschentscher (SPD) und sein Senat bewerten die Lage doch ernster, als es bis zuletzt den Anschein hatte. Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) spricht sogar von einem Handlungszwang.

Zweiter harter Einschnitt in soziales Leben

Deutlich wird das bei den neuen Corona-Regeln - auch sie haben mich in ihrer Härte überrascht. Denn es geht nicht nur um private Feiern, die kleiner ausfallen müssen, sondern um alle Treffen. Egal ob zu Hause oder draußen in einem Lokal.

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Bis mindestens Ende November müssen wir in Hamburg damit leben, dass wir uns nur noch mit maximal zehn Freundinnen und Freunden aus zwei Haushalten treffen dürfen. Das bedeutet im Klartext: Auch drei Freundinnen oder Freunde aus drei verschiedenen Haushalten dürfen zum Beispiel nicht mehr gemeinsam kochen oder Skat spielen. Und sie dürfen sich auch nicht mehr für einen gemeinsamen Abend im Restaurant treffen. Ausgenommen davon sind nur Kindergeburtstage und Patchwork-Familien. Nach der Sperrstunde ist das jetzt der zweite harte Einschnitt in unser Leben - in unser soziales Leben.

Unsicherheit der Corona-Krise schwierig zu ertragen

Noch schwieriger zu ertragen ist aber die Unsicherheit, mit der wir leben müssen. Die Unsicherheit, ob und wie viel diese Einschnitte überhaupt bringen und wann sich die Lage wieder stabilisiert. Einen Lockdown wie im Frühjahr wird es zwar nicht mehr geben und ein Impfstoff ist in Sicht, sagt der Bürgermeister. Trotzdem werden das noch verdammt harte Monate für uns alle - nur mit der Hoffnung, dass es vielleicht nicht noch schlimmer wird.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 24.10.2020 | 08:40 Uhr

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