Stand: 22.07.2020 15:29 Uhr  - Hamburg Journal

Hansaplatz: Wieso Anwohner gegen die Kameras sind

Seit gut einem Jahr gehören die 16 Kameras rund um den Hansaplatz zum Straßenbild im Herzen von Hamburg St. Georg. Ganz zum Leidwesen von Ulrich Gehner. Er engagiert sich gegen die Videoüberwachung. "Man geht vor die Tür ist sich immer bewusst: Jemand beobachtet dich oder kann dich beobachten. Und das schafft ein sehr ungutes Gefühl", sagt Gehner. "Wir sind der Meinung, dass in einem freiheitlichen Rechtsstaat wie Deutschland überhaupt kein Mensch permantent per öffentlicher Videoüberwachung beobachtet werden sollte."

Videoüberwachung am Hansaplatz zeigt Wirkung

Hamburg Journal -

Seitdem auf dem Hansaplatz Überwachungskameras installiert wurden, sind Straftaten zurückgegangen - auch schon vor der Corona-Pandemie. Doch Anwohnende wehren sich gegen die Kameras.

4,33 bei 6 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Weniger Straftaten seit Videoüberwachung

Eine Bilanz der Innenbehörde für das erste Halbjahr mit Kameras lässt vermuten, dass die Überwachung tatsächlich Wirkung zeigt: So ist die Zahl der Straftaten um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Drogenhandel sogar um 62 Prozent.

Markus Schreiber wohnt am Hansaplatz. Er hat sich sehr für die Kameras eingesetzt. Auch nach seiner Zeit als Bezirksamtsleiter im Hamburger Bezirk Mitte. "Wenn man über den Hansaplatz geht, muss man das Gefühl haben, dass man hier so sicher ist wie andernorts auch und das hatte man nicht mehr", sagt Schreiber. Die Kritik, dass nun alle Menschen am Hansaplatz permanent überwacht werden, weist er zurück. "Ich habe mit das bei der Polizei selber angeguckt, die Wohnbereiche der Häuser sind alle verpixelt. Man kann nicht in irgendwelche privaten Räume reingucken."

Innenbehörde: Kriminalität hat sich nicht verlagert

Bild vergrößern
Anwohner Ulrich Gehner hält Überwachung mit dem freiheitlichen Rechtsstaat für unvereinbar.

Entgegen der Erwartungen sei die Kriminalität laut Innenbehörde auch in den anliegenden Gebieten leicht rückläufig. Eine Verlagerung gab es demnach nicht. "Kameras allein sind kein Allheilmittel, das wissen wir natürlich auch", sagt der Sprecher der Innenbehörde, Frank Reschreiter. "Aber es ist auch so, dass die Polizei dort verstärkt Präsenz zeigt, dass man mehr vor Ort ist, dass die zuständigen bürgernahen Beamten dort unterwegs sind." Es komme laut Reschreiter immer auf einen Maßnahmenmix an und der scheine auf dem Hansaplatz jetzt ganz gut zu funktionieren.

Kritiker: Bestimmte Gruppen werden vertrieben

Für Ulrich Gehner und seine "Initiative gegen die Stadtkameras" funktioniert das noch nicht so gut. Mehr Polizeipräsenz befürwortet auch er, wehrt sich aber weiter gegen eine Vertreibung bestimmter Personengruppen durch die Kameras. "Ich würde mir wünschen, dass mehr Angebote in punkto Freizeitgestaltung gemacht werden für Leute, die sich hier auf dem Platz aufhalten", sagt Gehner. "Dann, glaube ich, geht auch die Kriminalität zurück."

Die Kameras werden wohl erst einmal bleiben. Doch ob sie auch die Atmosphäre und das Miteinander im Herzen St. Georgs positiv beeinflussen, bleibt wohl Ansichtssache.

Weitere Informationen

Videoüberwachung: Weniger Kriminalität am Hansaplatz

Seit einem Jahr wird der Hansaplatz im Hamburger Stadtteil St. Georg von 16 Videokameras überwacht. Jetzt liegt eine erste Bilanz vor: Demnach gingen Straftaten um die Hälfte zurück. (09.07.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 22.07.2020 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

02:34
Hamburg Journal
02:41
Hamburg Journal
04:49
Hamburg Journal