Ellen Schuttrich und Andreas Böhle stehen vor einem Schild vom "Kreativhaus Eimsbüttel". © NDR Foto: Janine Artist

Hamburger Stadtteilprojekt hilft gegen die Einsamkeit

Stand: 25.11.2020 00:01 Uhr

In unserer Reihe "Nicht meckern, machen" stellt NDR Info Menschen oder Initiativen im Norden vor, die sich auf besondere Weise für andere einsetzen und sich engagieren. Die Vorschläge dazu kamen im Oktober von Ihnen, unseren Hörern. In Hamburg bringen die Macher vom "Kreativhaus Eimsbüttel" Menschen aus dem Stadtteil zusammen.

von Janine Artist

Andreas Böhle steht vor der geöffneten roten Eingangstür und macht eine einladende Geste: "Herzlich willkommen im Kreativhaus Eimsbüttel. Wir haben das jetzt schon ein Jahr und wir sind sehr stolz auf das, was wir hier haben", sagt Böhle. Dann geht er voraus - in das "Wohnzimmer" des Kreativhauses, das er und zehn ehrenamtliche Mitstreiterinnen und Mitstreiter in einem Nebengebäude einer ehemaligen Schule eingerichtet haben.

Im hinteren Teil des Raumes ist eine große Sitzecke mit Sofas:  "Das hier sieht eher gemütlich aus. Und das soll es auch sein. Hier sitzen wir zusammen. Hier wird der Klönschnack abgehalten. Und hier kann man eben auch sitzen, kann was lesen, Musik hören oder fernsehen."

Jung und Alt kommen vorbei - normalerweise

Der Klönschnack ist eines von vielen Angeboten: Zweimal pro Woche findet er statt. Dann lädt das Kreativhaus die Eimsbüttelerinnen und Eimsbütteler zum Beisammensein, zum Austausch ein. Normalerweise. Wie alle anderen Veranstaltungen pausiert der Klönschnack momentan wegen der Corona-Beschränkungen.

Sehr zum Bedauern von Ellen Schuttrich, die auch zur Gruppe der engagierten Macher gehört: "Als wir jetzt wieder zumachen mussten, war ich so was von traurig, denn wir hatten gerade so eine Aktivität hier." Das Publikum sei bunt gemischt, Jung und Alt seien vorbeigekommen. Man habe sich ausgetauscht, was in Eimsbüttel passiert ist oder in der Welt. "Das vermisse ich jetzt richtig", sagt Schuttrich.

Räume für Yoga, Meditation und Tanzen - wegen Corona ungenutzt

Durch einen langen Flur und dann eine Treppe hoch geht es in den "gelben Salon" - ein heller Raum mit Parkettfußboden. In den Ecken stehen gestapelte und zusammengeschobene Tische und Stühle. Normalerweise würde hier Yoga gemacht, meditiert und getanzt, sagt Andreas Böhle. "Aber das geht ja im Moment alles nicht." In dem Raum werden auch die wöchentlichen Kernteam-Sitzung abgehalten. "Das ist gewissermaßen unser Parlament, mit dem wir die Dinge abstimmen und Regeln gemeinsam vorantreiben", sagt Böhle.

Andreas Böhle schaut hinter dem Schild vom "Kreativhaus Eimsbüttel" hervor. © Hamburger Abendblatt Foto: Thorsten Ahlf

AUDIO: Nicht meckern, machen: Hamburger Stadtteilprojekt gegen Einsamkeit (5 Min)

Er geht in einen gegenüberliegenden Raum. Dieser wird zum gemeinsamen Stricken, Basteln, Malen und zu anderen kreativen Aktivitäten genutzt. Der 78-Jährige zeigt auf ein Regal: "Hier gibt es eine junge Frau, die macht Papierskulpturen, das heißt aus Pappmaché in Kombination mit Drähten. Und da werden solche wunderbaren Teile daraus gemacht. Das hier wird mal ein Pinguin."

"Kreativhaus" soll zum "Stadtteilwohnzimmer" werden

Andreas Böhle steht vor der Tauschbox am Stellinger Weg. Sie ist gefüllt mit Büchern. © Hamburger Abendblatt Foto: Thorsten Ahlf
Die Tauschbox im Stellinger Weg wird auch zu Corona-Zeiten weiterbetrieben, im "Kreativhaus" selbst ruht der Betrieb weitgehend.

Das Kreativhaus ist noch in seinen Anfängen. Langfristig soll es das "Stadtteilwohnzimmer" werden, das man von morgens bis abends besuchen kann, ohne sich vorher anzumelden. Jeder, der etwas kann, das er gerne mit anderen teilen oder ihnen beibringen möchte, kann das anbieten: sei es Musizieren, Fotografieren oder was auch immer.

Selbst aktiv sein, statt sich bespaßen zu lassen, ist die Devise. Und: Das Ganze soll für die Interessierten nichts oder nur wenig kosten. Das Haus soll für alle offen sein, Alleinstehenden und Bedürftigen mehr soziale Teilhabe ermöglichen und das Wir-Gefühl im Stadtteil stärken. Daher sei die gemütliche Atmosphäre so wichtig, sagt Böhle. Die Leute sollen sich wohlfühlen und Anregungen bekommen, wie sie mehr aus ihrem Leben und sich selber nützlich machen können. "Etwas tun, was ihnen Anerkennung bringt, was ihnen Spaß bringt und was sinnstiftend ist", nennt Böhle das.

Es gibt noch viele Ideen und anstehende Projekte für das "Kreativhaus Eimsbüttel", um Menschen aus dem Viertel zusammenzubringen. Das Leben hat noch einiges zu bieten, meint Andreas Böhle: "Also wenn ich kein Beispiel dafür bin, dass man nicht zu Hause vorm Fernseher und im Sessel hocken muss, also dann weiß ich nicht, wer sonst."

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Höreraktion: Nicht meckern, machen!

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 25.11.2020 | 07:48 Uhr

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