Stand: 28.11.2016 20:03 Uhr

Hamburger Arztpraxen sind oft nicht barrierefrei

Vielen Hamburger Arztpraxen fällt es immer noch schwer, sich auf Patienten mit Behinderungen einzulassen. Zu dieser Zwischenbilanz kam am Montag das vor einem Jahr gestartete Projekt "Ungehindert zum Arzt" der Patientenintiative und des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Im Rahmen des Projektes testen Patienten, ob sich auch Menschen mit Behinderungen in den Arztpraxen zurechtfinden. Denn seit 2009 in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention in Kraft getreten ist, müssen auch niedergelassene Ärzte Inklusion ermöglichen.

Ärzte sind skeptisch

In den vergangenen Monaten besuchten Projekt-Mitarbeiter die 39 freiwillig mitwirkenden Arztpraxen in Hamburg und gingen anhand einer Checkliste durch, welche Kriterien zur Barrierefreiheit die jeweilige Praxis erfüllt. Es braucht beispielsweise eine barrierefreie Toilette, einen Aufzug oder eine Praxis im Erdgeschoss und der Untersuchungsstuhl muss höhenverstellbar sein. Aber auch andere Fragen spielen bei dem Barriefrei-Test eine Rolle: Gibt es etwa einen Orthopäden, der auf gehörlose Patienten eingestellt ist? In welche Arztpraxis können blinde Menschen gehen, die auf einen Blindenhund angewiesen sind? Am Ende des Projektes soll dann eine Liste stehen, auf der Menschen mit Behinderung passende Praxen finden können.

In Deutschland ist fast jeder zehnte Mensch in irgendeiner Form behindert, sitzt etwa im Rollstuhl oder kann nicht richtig sehen. Besonders Arztpraxen sollten auf die Bedürfnisse der Menschen mit Handycap eingehen können. "Die Skepis unter den Ärzten ist noch groß", sagt Isabella Vertes-Schütter. Die Intendantin des Ernst-Deutsch-Theaters ist selbst Ärztin und Schirmherrin des Projektes. "Die Skepsis drückt sich vor allem darin aus, dass die Anzahl der Ärztinnen und Ärzte, die sich beteiligt haben, nicht so groß ist, wie wir uns das gewünscht haben." Von den knapp 4.000 Praxen in Hamburg haben sich erst 39 auf Barrierefreiheit checken lassen.

Es gibt keine Fördermittel

Der geringe Zuspruch der Mediziner liegt aus Sicht der Initiatoren aber auch daran, dass Ärzte keine Fördermittel für den behindertengerechten Umbau ihrer Praxen bekommen. Auch gibt es durch das Fall-Pauschalen-System nicht mehr Geld für die Behandlung eines behinderten Patienten, obwohl sie oft zeitaufwändiger ist. Das Thema bleibt aber auf der Tagesordnung: Die AOK Rheinland/Hamburg fördert das Projekt für weitere zwei Jahre.

Weitere Informationen

Durch Behinderung ein Patient zweiter Klasse?

Eine Behinderung ist keine Krankheit. Aber die Wahrscheinlichkeit krank zu werden, steigt durch ein Handicap. Viele Betroffene haben es dann schwer, einen Arzt zu finden. (13.11.2013) mehr

mit Video

Rollstuhlfahrer: Wie der Staat Behinderte arm hält

19.12.2013 21:45 Uhr
Das Erste: Panorama

Wer als Behinderter auf Hilfe angewiesen ist, muss diese Assistenz im Alltag selbst bezahlen. Vom Gehalt bleibt vielen nur etwas mehr als Sozialhilfeniveau. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 28.11.2016 | 15:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

00:55

St. Pauli: "Hamburg del mar" ausgebrannt

20.10.2017 19:30 Uhr
NDR Fernsehen
02:32

Neue Mitte Altona nimmt Form an

19.10.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal
02:02

Kaum Spenden: Hamburger Tafel schlägt Alarm

19.10.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal