Stand: 30.12.2019 09:50 Uhr  - NDR 90,3

Grenzwert: Schiffe müssen Schweröl reduzieren

Ab dem 1. Januar 2020 dürfen Schiffe weltweit nur noch mit schwefelarmem Treibstoff fahren. Ein neuer Grenzwert tritt in Kraft: Schiffstreibstoff darf dann nur noch 0,5 Prozent Schwefel enthalten - bislang liegt der Wert bei 3,5 Prozent. Auf Nord- und Ostsee und in den deutschen Häfen gilt schon länger ein Grenzwert von 0,1 Prozent. Auch wenn sich das nach wenig anhört, es ist immer noch hundert Mal so viel, wie im Kraftstoff für Pkw und Lkw enthalten sein darf.

Schweröl ade: Neue Regeln für Schiffstreibstoff

Hamburg Journal -

Ab dem 1. Januar gilt eine neue Verordnung. Schiffe dürfen dann weltweit maximal noch ein halbes Prozent Schwefel in ihrem Schiffstreibstoff haben.

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Viele verzichten bisher auf Scrubber

Frachter, Tanker oder Kreuzfahrtschiffe, die auf offener See künftig weiter Schweröl verbrennen, das voll von Schwefel, Schwermetallen und Stickoxiden ist, benötigen eine Abgasreinigungsanlage an Bord. Obwohl der neue Grenzwert seit Jahren bekannt ist, haben sich bisher nur etwa zehn Prozent der deutschen Reeder für den Einbau eines sogenannten Scrubbers - also eines Abgaswäschers - entschieden. Vor allem wegen der Kosten im Millionenbereich pro Schiff, so Alfred Hartmann, Präsident des Verbands Deutscher Reeder.

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Große Schiffe benötigen 100 bis 200 Tonnen Treibstoff pro Tag - je nach Größe und Ladung. Die Bunkerkosten sind ein wesentlicher Teil der Betriebskosten. Der schwefelarme Treibstoff ist pro Tonne etwa 220 Euro teurer als das herkömmliche Schweröl. Die deutschen Reeder rechnen dadurch mit Zusatzkosten von mehreren Milliarden Euro. Allein Hapag-Lloyd geht jährlich von Mehrkosten von mehr als einer Milliarde Euro aus.

Kritik an Kreuzfahrtindustrie

Auf die Kreuzfahrtindustrie entfallen zwar nur 400 bis 500 der bis zu 17.000 betroffenen Schiffe, dennoch ist die Kritik groß. Die Kreuzfahrtindustrie setzt stärker auf die Abgasreinigung durch Reinigungsanlagen als andere Bereiche der Schifffahrt und kann so weiter Schweröl benutzen. Bei Tui sind sechs der sieben Schiffe mit einem solchen Filter ausgestattet. Auch MSC setzt auf die Technik. Elf Schiffe verfügen bereits über einen Scrubber, die verbleibenden sechs sollen ebenfalls bald mit dem System ausgestattet werden.

NABU begrüßt die neue Regel

Umweltschützer begrüßen die Neuregelung. Malte Siegert, Schifffahrtexperte beim Naturschutzbund Deutschland (NABU), sagt aber auch, durch die schwefelarmen Treibstoffe werde das Problem der übrigen Luftschadstoffe nicht gelöst. Rund ein Drittel der Stickoxide in Hamburg etwa kommt seinen Angaben nach aus der Schifffahrt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 30.12.2019 | 11:00 Uhr

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