Stand: 17.06.2020 17:33 Uhr  - NDR 90,3

G20-Prozess gegen mutmaßliche Elbchaussee-Randalierer

Bei der Fortsetzung eines Prozesses im Zusammenhang mit G20-Ausschreitungen stehen mehrere Personen in einem Gerichtssaal. © NDR Foto: Screenshot
Erstmals war bei dem Prozess die Öffentlichkeit wieder zugelassen.

Eineinhalb Jahre lang hat das Hamburger Landgericht hinter verschlossenen Türen über fünf Männer im Alter von 19 bis 26 Jahren verhandelt, die beim G20-Gipfel vor drei Jahren an den Ausschreitungen in der Elbchaussee beteiligt gewesen sein sollen. Am Mittwoch war erstmals wieder die Öffentlichkeit bei dem Prozess zugelassen.

24-jährigem Franzosen droht höchste Strafe

Am letzten Verhandlungstag vor den Plädoyers durften die Zuschauer wieder in den Saal. Ein 24-jähriger Angeklagter aus Frankreich äußerte sich zum Abschluss noch einmal zu dem Geschehnissen am 7. Juli 2017. Ihm droht die höchste Strafe: er soll nicht nur unter den rund 220 Demonstranten gewesen sein, die auf der Elbchaussee Autos in Brand gesetzt und Scheiben eingeschlagen haben. Er soll auch Steine und Bierflaschen in Richtung von Polizisten geworfen haben.

Den gewaltsamen Protest gegen den Gipfel rechtfertigte der Franzose in einer Erklärung mit den gesellschaftlichen Verhältnissen im Kapitalismus. Der 24-Jährige kritisierte, dass er und seine vier Mitangeklagten für alle Schäden der damaligen Demonstration geradestehen sollten. Dagegen habe es bislang keine einzige Anklage oder Verurteilung von Polizisten wegen gewalttätiger Übergriffe beim G20-Gipfel gegeben, beklagte er.

Plädoyers für Montag erwartet

Die lange Erklärung des Franzosen, die mit Übersetzung zwei Stunden in Anspruch nahm, brachte den Zeitplan des Gerichts durcheinander. Anders als vorgesehen, konnte die Staatsanwaltschaft nicht mehr ihr Plädoyer halten. Dies soll nun am Montag geschehen. Das Urteil soll am 10. Juli verkündet werden.

Neben dem Franzosen sitzen vier junge Männer aus Offenbach in Hessen auf der Anklagebank. Sie haben eingeräumt, dass sie damals bei der Demonstration auf der Elbchaussee mitgelaufen sind. Sie seien aber frühzeitig ausgeschert, weil es ihnen zu gewalttätig geworden sei. Auch der Staatsanwalt geht davon aus, dass die vier selbst keine Gegenstände geworfen oder Autos angezündet haben. Wegen ihrer Beteiligung an der Demonstration hat er sie aber wegen schweren Landfriedensbruchs angeklagt.

Elbchaussee-Randale: Eine Million Euro Schaden

Am Morgen des 7. Juli 2017 wurden von den Vermummten Autos und Gebäude angezündet, zahlreiche Scheiben eingeschlagen und Häuser mit Farbe beschmiert. Bei den fast 100 Einzeltaten war nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Schaden von mindestens einer Million Euro entstanden. Acht Menschen erlitten Schocks oder wurden verletzt. Ein Busfahrer wurde so schwer psychisch beeinträchtigt, dass er sich laut Anklage über mehrere Monate stationär behandeln lassen musste.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 17.06.2020 | 17:00 Uhr

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