Stand: 08.03.2020 21:09 Uhr

Tausende Frauen protestieren für Gleichstellung

In Hamburg demonstrieren Frauen vor dem Landungsbrücken zum Weltfrauentag. © NDR Foto: Karsten Sekund
In Hamburg startete die Demonstration zum Weltfrauentag vor den Landungsbrücken.

"Ohne uns steht die Welt still" - unter diesem Motto sind mehrere Tausend Hamburgerinnen am Sonntag durch die Hansestadt gezogen. Anlässlich des Weltfrauentages protestierten sie gegen Gewalt und Unterdrückung, forderten eine bessere Bezahlung und gleiche Rechte von Frauen und Männern. Zu der Demonstration hatten verschiedene Frauenverbände in Hamburg aufgerufen. Sie begann an den Landungsbrücken, führte ins Schanzenviertel und blieb nach Polizeiangaben friedlich. Zudem gab es einen Senatsempfang im Rathaus.

Fegebank fordert besseren Schutz für Frauen

Dabei forderte Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) mit Blick auf "die reaktionären, frauenfeindlichen Stimmen in Politik und Gesellschaft" einen besseren Schutz von Frauen vor Gewalt und Hate Speech. "Das Aufbrechen gängiger Geschlechterstereotype und traditioneller Rollenbilder spielt hierbei eine zentrale Rolle", sagte die Gleichstellungssenatorin. Von einer echten gesellschaftlichen Gleichberechtigung von Frauen sei man noch weit entfernt.

Kinderbuchautorin Kirsten Boie Festrednerin

Im Mittelpunkt des Senatsempfangs stand der Umgang mit Geschlechterrollen und -stereotypen in der Kinder- und Jugendliteratur. Festrednerin war Hamburgs Ehrenbürgerin, die Kinderbuchautorin Kirsten Boie. Mit ihren Romanen wie der "Seeräubermoses" ermuntere diese junge Leserinnen, "ihre Ziele und Wünsche unabhängig von geschlechtlichen Rollenerwartungen zu verfolgen – und trägt somit zu einem offenen und wertschätzenden Umgang mit sich selbst und anderen bei", sagte Fegebank.

Feuerwehr sucht mehr Frauen

Seit Jahren im Einsatz: Die Frauen der Freiwilligen Feuerwehr Wilhelmsburg. © NDR Foto: Karsten Sekund
Aktive Feuerwehrfrauen warben am Sonntag für ihren Beruf.

Ebenfalls anlässlich des Frauentages suchte die Berufsfeuerwehr Hamburg heute speziell Feuerwehrfrauen - und testete in ihrer Hauptfeuerwache am Berliner Tor 14 Bewerberinnen. Denn die Hamburger Feuerwehr brauche mehr Frauen, sagte Dennis Diekmann von der Hamburger Feuerwehr. "Frauen sind schon lange Teil unseres Teams. Wie unsere männlichen Kollegen stehen sie ihren Mann oder ihre Frau im Einsatz", erzählte er. Auch bereits aktive Feuerfrauen waren am Sonntag bei den Tests vor Ort, um für ihren Beruf zu werben.

20 Prozent weniger Verdienst

Im Schnitt verdienen in Vollzeit arbeitende Frauen in Hamburg 20 Prozent weniger als Männer. Hauptursache dafür sind die unterschiedlichen Erwerbsbiografien. Laut Handelskammer sind nur ein Viertel der Führungspositionen in Hamburger Unternehmen von Frauen besetzt , dafür arbeiten mehr Frauen in Jobs mit niedrigen Lohnniveau, beispielweise im Gesundheitsbereich und in der Altenpflege. Zudem arbeiten Frauen öfter in Teilzeit oder bleiben ganz zu Hause, wenn sie Kinder betreuen. Gewerkschaften in Hamburg fordern gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit. Der Hamburger Landesfrauenrat will, dass der künftige Senat sich dafür einsetzt, dass Leistungen von Frauen aufgewertet werden. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Hamburg fordert eine Frauenquote in allen Bereichen.

Merkel: Männer sollten sich einbringen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte zum Weltfrauentag, auch Männer müssten sich einbringen, damit die Entwicklung voranschreite. Der Anteil der berufstätigen Frauen liege zwar immer noch unter dem der Männer, sei 2018 aber deutlich auf 76 Prozent gestiegen.

Seit 1911 setzen sich Frauen am 8. März weltweit für die Gleichstellung der Geschlechter ein und machen auf noch nicht verwirklichte Frauenrechte aufmerksam.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 08.03.2020 | 08:00 Uhr

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