Stand: 04.01.2020 20:52 Uhr  - Hamburg Journal

Die MS "Stubnitz" wird wieder seetüchtig

Das ehemalige DDR-Kühlschiff MS "Stubnitz" ist in Hamburg vor allem als Veranstaltungs- und Partyschiff bekannt. Es wurde 1965 gebaut und war zuletzt marode und sanierungsbedürftig. Nun hat die "Stubnitz" aber doch noch den Schiffs-TÜV bekommen, es kann also weitergehen. Aber flottgemacht werden muss sie trotzdem - finanziert vor allem durch Steuergelder. Das Hamburg Journal hat sich auf dem Schiff am Kirchenpauerkai umgesehen.

Die MS "Stubnitz" dümpelt träge in der Hamburger Wintersonne, aber an Bord wird renoviert und restauriert. Allein an Deck kamen dreieinhalb Tonnen Stahl zum Einsatz. "Viele Platten müssen in mühsamer Kleinarbeit ausgeschnitten und ersetzt worden. Das haben wir in Eigenarbeit gemacht", sagt Felix Stockmar, einer der Helfer. "Eine Werft hätte großflächig innen alle Verkleidungen abgerissen, inklusive ganz vieler Originalteile."

Stück für Stück auf Vordermann

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Am liebsten mit der Original-Schraube: Alles soll so ursprünglich sein wie nur möglich.

Im Bauch des Schiffs gibt es sogar eine Metallwerkstatt. Acht Festangestellte und 20 Ehrenamtliche bringen das historische Schiffsdenkmal in Eigenarbeit Stück für Stück auf Vordermann. Ein gutes Jahr werden sie wohl noch zu tun haben. "Wir versuchen, jede Platte und jede Schraube noch zu retten, dass die Originalität des Schiffes so gut wir möglich erhalten bleibt. Das ist immer ein kleines Puzzlespiel, aber auch eine große Herausforderung", sagt "Plexe", der in der Metallwerkstatt arbeitet.

Spenden und Patenschaften nötig

Im Oktober wurde die Technik der "Stubnitz" in der Werft überprüft. Für all diese Arbeiten stehen Gelder vom Bund und der Stadt zur Verfügung. Damit es ausgezahlt werden kann, muss der Trägerverein jedoch durch Spenden und Patenschaften eigenes Kapital aufbringen: Für einen Euro fließen sieben Euro Fördergeld.

Ausfahrt am Hafengeburtstag

"Es war ja so geplant, dass das Schiff möglichst lange fährt, ohne in einen Hafen einfahren zu müssen. Jetzt laufen nur die Systeme, die wir brauchen für die Grundversorgung", sagt "Floki" aus dem MS-"Stubnitz"-Team. Erst die jetzt neu erteilte Bescheinigung über die Tauglichkeit zur Seefahrt sichert die Existenz der "Stubnitz" und ihre Nutzung als Kulturschiff - selbst wenn sie nur vor Anker läge. Die nächste Ausfahrt ist zum Hafengeburtstag geplant - und schon ab Mitte Januar gibt es an Bord wieder Kulturveranstaltungen.

Kontrast zur Elbphilharmonie

"Wir haben die Elbphilharmonie mit einem Hochglanzprogramm und dicht daneben haben wir hier die 'Stubnitz', wo eher Subkultur und was unten wächst stattfindet", sagt Felix Stockmar. "Es braucht eben immer das eine und das andere auch." Und wenn dort Partys stattfinden, hat der stählerne Bauch der "Stubnitz" auch seinen ganz eigenen Sound.

Daten und Fakten zur MS "Stubnitz"

Baujahr: 1964
Schiffstyp: Kühlschiff
Heimathafen: Rostock
Bauwerft: Volkswerft Stralsund
Länge: 79,78 Meter
Breite: 13,2 Meter
Tiefgang: 4,9 Meter
Höchstgeschwindigkeit: 12 Knoten (ca. 22 Kilometer pro Stunde)
1984 bis 1992: Einsatz für den Volkseigenen Betrieb (VEB) Fischfang Rostock
Ab 1992: Mobile Plattform für kulturelle Veranstaltungen
Auszeichnungen: Kulturpreis der Hansestadt Rostock (2002), "Spielstätte des Jahres" der Bundesregierung (2012), APPLAUS Preis der Initiative Musik - Kategorie I - "für kulturell herausragendes Programm" (2017 / 2018)

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 04.01.2020 | 19:30 Uhr

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