Stand: 26.07.2020 18:00 Uhr  - NDR Info

Hamburg: 38.000 Laptops und Tablets fürs neue Schuljahr

Soweit möglich, soll der Schulunterricht in Norddeutschland mit Beginn des neuen Schuljahres wieder regulär stattfinden. In mehren Beiträgen schaut NDR Info darauf, wie die Länder sich darauf vorbereiten. Um besser aufs Homeschooling in Zeiten von Corona vorbereitet zu sein, will die Hansestadt in Sachen Digitalisierung zum Vorreiter werden und hat noch vor den Sommerferien mit Geldern vom Bund eine Großbestellung in Auftrag gegeben: 38.000 Laptops und Tablets soll es für die Hamburger Schulen geben. Von den Schulleitungen kommt allerdings auch Kritik.

von Charlotte Horn

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Digital-Offensive in Hamburg: Die Stadt hat noch vor dem Sommerferien 38.000 Laptops und Tablets für die Schulen bestellt.

Als auch am Helmut-Schmidt-Gymnasium im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg die Schulschließung wegen der Corona-Pandemie drohte, reagierten Schulleiter Volker Clasing und sein Lehrer-Team schnell. Die rund 70 Laptops der Schule wurden kurzerhand an die Abiturienten ausgeliehen, die keinen eigenen in der Familie hatten. Eine eigene Umfrage unter allen Schülern brachte neue Erkenntnisse: Viele Schüler hätten sich selbst eine Unterrichtsstruktur geschaffen - im eigenen Zimmer, mit genügend Ruhe, so Schulleiter Volker Clasing. Aber es gab eben auch die anderen. "Die, die kein eigenes Zimmer haben, kein Endgerät zur Verfügung hatten, gar keine Ruhe hatten, die in die Kinderbetreuung der jüngeren Geschwister eingebunden waren und deren Eltern im Schichtbetrieb arbeiten", erklärt Clasing. Oft seien auch keine eigenen Drucker vorhanden, um Arbeitsblätter auszudrucken.

Kritiker: Professionelle IT-Unterstützung fehlt

Jetzt freut sich Schulleiter Clasing auf die zusätzlichen Geräte der Hamburger Schulbehörde, die in den Sommerferien geliefert werden sollen. Auch Christian Gefert von der Vereinigung der Hamburger Gymnasien begrüßt die Großbestellung von 38.000 Tablets und Laptops. Das sei aber nur ein erster Schritt. "Wir müssen die gesamte Lernumgebung mit digitalen Endgeräten verbessern", sagt er. "Es reicht nicht, nur die Geräte zu haben, sondern man braucht Software, Cloud-Lösungen und entsprechenden Support. Das ist das, was uns momentan sehr am Herzen liegt."

Die Vereinigung fordert professionelle IT-Unterstützung zur Wartung der Geräte. Noch sei das von der Eigeninitiative der Schule abhängig. Bislang fehle es zudem an einer langfristigen Strategie, welche Programme im digitalen Unterricht verwendet werden dürften. Gerade durch die Corona-Krise hätte sich das Problem verschärft.

Schulsenator Rabe will sich um Unterstützung kümmern

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Laut Hamburgs Schulsenator Ties Rabe will sich die Schulbehörde um den IT-Support kümmern.

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) verteidigt die Initiative. Mit den jetzt bestellten Laptops und den schon vorhandenen Geräten werde jeder vierte Schüler in Hamburg ausgestattet. Damit sei Hamburg bundesweit Vorreiter. "Immer, wenn man etwas Gutes tut, gibt es Kritik, weil das zweite Gute noch nicht da ist. Und wenn das zweite Gute kommt, gibt es Kritik, weil das dritte Gute noch nicht da ist", sagt Rabe. "Ohne Geräte braucht man sich über die Programme erst mal keine Gedanken zu machen. Die Geräte haben wir bestellt, das ist ja schon mal ein großer Schritt. Ich finde, den kann man auch mal gut finden."

Laut dem SPD-Politiker will die Schulbehörde sich um die fachliche Unterstützung kümmern und auch um die nötige Software. Das sei aber sehr komplex. "Bei diesen Mitteln reicht es nicht aus, wenn wir einfach nur Geld geben. Wir brauchen auch das Know-how. Hier haben wir das entsprechende Geld eingeworben. Aber damit ist das Gerät noch nicht gewartet, sondern es braucht Menschen, die das tun können. Die muss man finden und für diese Aufgabe gewinnen."

Sorge um möglichen Diebstahl der Geräte

Nach Aussage von Christian Gefert machen sich die Schulleitungen auch Sorge um einen möglichen Diebstahl der neuen Geräte. "Wir versuchen, an den Schulen entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Aber da sind wir wieder auf Eigeninitiative angewiesen. Das ist kein befriedigender Zustand", sagt er. Schulsenator Rabe sieht diesbezüglich klar die einzelnen Schulen in der Pflicht, für die nötige Sicherheit zu sorgen.

Programm-Tipps

NDR Info sendet im Hörfunk am Dienstag, den 28. Juli, ab 21.35 Uhr eine Redezeit mit dem Thema "Das neue Schuljahr beginnt - wie viel Normalität lässt Corona zu?". Am Sonntag, den 2. August, läuft um 6.05 Uhr und 17.05 Uhr ein Forum am Sonntag mit dem Titel "Schule in der Corona-Zeit"

Schulleiter Volker Clasing vom Helmut-Schmidt-Gymnasium hat sich mit seinem Kollegium schon auf die neuen Laptops eingestellt. Er hofft auch auf die Unterstützung der Schüler. In der 9. Klasse gebe es inzwischen den Wahlpflichtkurs IT.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 29.07.2020 | 06:55 Uhr

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