Stand: 27.04.2020 11:15 Uhr

Corona: Hamburgs Pflegeheimen fehlt Schutzmaterial

Die Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen gelten als besonders gefährdete Risikogruppe für Covid-19. Derzeit sind mehr als 300 Infektionsfälle aus Hamburgs Pflegeheimen bekannt. Seit Montag gelten verschäfte Maßnahmen mit Maskenpflicht für alle Pflegerinnen und Pfleger. Allerdings gibt es beim Schutzmaterial in Pflegeheimen Engpässe.

Drei Stunden täglich verbringen die Pflegekräfte im Hospital zum Heiligen Geist in voller Montur, um sich gegen das Coronavirus zu schützen. Zur Ausstattung gehören neben einem Schutzkittel und Handschuhen eine Brille und eine Atemschutzmaske der Schutzklasse FFP2. Aber gerade an Brillen und Schutzkitteln mangelt es besonders - nicht nur in diesem Pflegeheim.

Vorrat an Schutzkitteln reicht für sechs Tage

Das Hospital zum Heiligen Geist ist eines von 43 Pflegeheimen der Diakonie, einem der größten Pflege-Anbieter in Hamburg. Für die Bestellung neuer Schutzkleidung hat das Hospital zum Heiligen Geist bereits Mehrausgaben in Höhe von 300.000 Euro. Aktuell seien 3.580 Schutzkittel in dem Pflegeheim vorrätig. Vorstandschef Frank Schubert zufolge reicht das aber lediglich für die kommenden fünf bis sechs Tage. Nur den Mundschutz gebe es seit zwei Wochen wieder in ausreichender Menge.

Schubert: "Sehr auf uns allein gestellt"

Das Hospital zum Heiligen Geist hat - wie auch andere Pflegeheime in Hamburg - öffentliche Aufrufe gestartet und um Unterstützung bei der Schutzkleidung gebeten. Von der Hamburger Regierung habe man sich dabei mehr Hilfe erhofft, "zumal ich wirklich vor sechs Wochen schon diesen dringenden Bedarf deutlich gemacht habe. Und wir fühlten uns die letzten Wochen sehr auf uns allein gestellt - da ist herzlich wenig an Unterstützung gekommen", beklagt Schubert. Auch Katrin Kell, Leiterin des Fachbereichs Pflege in der Diakonie Hamburg, fordert von der Stadt: "Beschafft uns entsprechendes Material, sodass wir unsere Patienten, unsere Bewohner und natürlich auch unsere Pflegekräfte ausreichend schützen können."

Gesundheitsbehörde: Pflegeheime müssen auch selbst vorsorgen

Laut Gesundheitsbehörde wird genug bestellt. Zudem müssten die Pflegeheime selbst mehr vorsorgen. Wegen stockender Lieferketten solle zusätzlich in Deutschland produziert werden. Als Beispiel nennt Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) ein Unternehmen in Bergedorf, "was jetzt ganz stark eingestiegen ist in die Produktion von Schutzmasken, die wir auch gerade im Bereich der Pflegeheime zur Verfügung stellen". Das Hospital zum Heiligen Geist hofft, künftig mit allen nötigen Schutzmaterialien ausreichend ausgestattet zu werden.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 26.04.2020 | 19:30 Uhr

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