Der Joseph-Carlebach-Platz, ehemals Bornplatz, im Hamburger Grindelviertel. © NDR Foto: Tina Zemmrich

Bornplatz-Synagoge: Weiter Debatte über den neuen Standort

Stand: 26.03.2021 10:16 Uhr

Die Diskussion über den geplanten Wiederaufbau der historischen Bornplatzsynagoge im Hamburger Grindelviertel geht in eine neue Runde. Am Donnerstag hat sich die Bezirksversammlung Eimsbüttel mit dem Thema beschäftigt.

Dort stellten die Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde und zwei Kritikerinnen ihre Ansichten zu dem Projekt vor. Die ehemalige Hamburger Finanzsenatorin Ingrid Nümann-Seidewinkel fordert den Erhalt des jetzigen Gedenkortes auf dem Joseph-Carlebach-Platz. Dort zeigt ein Mosaik den Umriss der damaligen Synagoge. Nümann-Seidewinkel befürwortet daher eine neue Synagoge in unmittelbarer Nähe.

Keine Kopie erschaffen

Anders sieht das Eli Fel, der zweite Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Hamburg. Wie die Mehrheit seiner Gemeinde möchte auch er, dass die Synagoge am alten Standort wiederaufgebaut wird. Und er bleibt dabei: Der Wiederaufbau wird keine Kopie des von den Nazis zerstörten Gebäudes von 1906. Der Bruch soll klar erkennbar sein.

Eine Machbarkeitsstudie wird bis Dezember zeigen, wie es weitergeht. Alle Parteien der Bezirksversammlung unterstützen grundsätzlich die Jüdische Gemeinde.

Breite Diskussion als Gewinn

Die Direktorin des Moses Mendelssohn Zentrums in Potsdam, Miriam Rürup, brachte einen neuen Aspekt in die schon länger währende Debatte: Für sie beginnt jetzt die eigentliche Diskussion mit der Stadtgesellschaft. Allein das sei ein Gewinn, findet sie. Es gehe nicht einfach um ein neues Gebäude, sondern um ein Symbol für die Zukunft.

Äußerungen aus Israel

Zuletzt hatte es sogar aus Israel Kritik an einem Wiederaufbau am alten Standort gegeben. 45 Historikerinnen und Historiker, Künstlerinnen und Künstler und Bürgerinnen und Bürger aus Israel wandten sich im Februar in einer gemeinsamen Erklärung gegen den Wiederaufbau im Grindelviertel. Sie sprachen sich für den Erhalt des 1988 entstandenen Bodenmosaiks ein.

Einst größte norddeutsche Synagoge

Das jüdische Gotteshaus war 1906 fertiggestellt worden und galt mit Platz für mehr als 1.000 Besucherinnen und Besuchern als die größte Synagoge Norddeutschlands. Im Zuge der Pogrome des 9. November 1938 wurde sie von NS-Anhängern verwüstet und schwer beschädigt. 1939 ließ die Stadt sie abreißen. Heute erinnert nur der Grundriss des Gebäudes auf dem leeren Platz an die ehemalige Synagoge. Der einstige Bornplatz heißt heute Joseph-Carlebach-Platz nach dem Hamburger Rabbiner Joseph Carlebach (1883-1942).

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 26.03.2021 | 11:00 Uhr

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