Stand: 10.08.2020 14:39 Uhr

Angeklagter bestreitet Mord an Brasilianer

Er soll einen 29-jährigen Brasilianer unter Drogen gesetzt und umgebracht haben: Im Prozess gegen einen 46-Jährigen hat der Angeklagte am Montag vor dem Hamburger Landgericht die Vorwürfe bestritten.

Angeklagter schildert andere Version

Über seinen Verteidiger ließ er eine Erklärung verlesen, in der er seine Version der Tatnacht im September 2019 schilderte. Der Mann berichtete, in seiner Wohnung hätten der 29-Jährige und er nach einer Party noch etwas trinken wollen. Dort habe sein Gast, den er kaum kannte, plötzlich Drogen genommen, sei rastlos und laut gewesen, habe seine Kleidung ausgezogen und erklärt, er sei nun bereit für Sex.

Lange neben Leiche gelebt

Das alles habe er nicht gewollt, betonte der Angeklagte. Es sei zu einem Handgemenge gekommen - bis sein Gast schließlich eingeschlafen sei. Am nächsten Morgen sei er tot gewesen. Vier Monate lang habe er anschließend mit der Leiche im Nebenraum gelebt. "Jeder Tag machte die Sache noch schlimmer," ließ der 46-Jährige seinen Anwalt verlesen. Natürlich hätte er gleich nach dem Tod des in Hamburg lebenden Brasilianers die Polizei anrufen müssen. Den Zeitpunkt aber habe er aus Angst verpasst. Danach, sagte er, sei er wie gelähmt gewesen.

Staatsanwaltschaft geht von Mord aus

Die Staatsanwaltschaft geht von einem anderen Verlauf der Nacht aus. Demnach soll der 46-Jährige seinen Gast unter Drogen gesetzt haben, um ihn zum Sex zu zwingen. Doch beim Übergriff im Schlafzimmer habe sich der Mann noch wehren können und geschrien. Aus Furcht vor Entdeckung habe der Angeklagte mit Gewalt reagiert. Der Brasilianer starb laut Anklage kurze Zeit später - entweder an der Drogen-Überdosis oder der körperlichen Gewalt.

Kollegen melden Brasilianer als vermisst

Das 29-jährige Opfer hatte drei Jahre lang in Hamburg gelebt. Der Brasilianer arbeitete als Informatiker in Bahrenfeld und galt als sehr zuverlässig. Ende September des vergangenen Jahres erschien er plötzlich nicht mehr im Büro, seine Kolleginnen und Kollegen meldeten ihn als vermisst. Im Januar dieses Jahres bekam die Polizei schließlich einen Tipp. Daraufhin durchsuchten Einsatzkräfte die Wohnung des Angeklagten in einem Hochhaus am Venusberg. Dort entdeckten sie schließlich die stark verweste Leiche des vermissten Mannes. Sie lag im Gästezimmer unter einer Matratze, war mit Sand bedeckt und mit Säcken umhüllt.

Angeklagtem wird noch zweiter Fall vorgeworfen

Der Angeklagte muss sich in dem Prozess noch wegen eines weiteren Falls verantworten. In der Nacht zum 14. Juli 2018 soll er bei einer Open-Air-Party einem anderen Mann ein Getränk mit K.o.-Tropfen gegeben haben, den Bewusstlosen vergewaltigt und davon Fotos und Videos gemacht haben. Als er das Opfer mit dem Material erpressen wollte, ging der Mann zur Polizei.

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Die Außenansicht zeigt ein Wohngebäude, in dem die Polizei bei einer Wohnungsdurchsuchung eine Leiche gefunden hat. © picture alliance/dpa Foto: Daniel Reinhardt

Prozess um Mord an Brasilianer: Angeklagter schweigt

Ein 46-Jähriger muss sich seit Freitag vor dem Hamburger Landgericht verantworten, weil er einen jungen Mann aus Brasilien ermordet haben soll. Zum Prozessauftakt schwieg der Angeklagte. (17.07.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.08.2020 | 14:00 Uhr

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