Stand: 27.01.2020 21:25 Uhr

22. Bertini-Preis für Schüler mit Zivilcourage

Im Hamburger Ernst Deutsch Theater ist am Montag zum 22. Mal der Bertini-Preis für Zivilcourage verliehen worden. In diesem Jahr wurden vier Projekte junger Hamburgerinnen und Hamburger ausgezeichnet, die in besonderer Art und Weise Erinnerungsarbeit für die Opfer des Nationalsozialismus leisten und sich gegen Fremdenhass und für Zivilcourage engagieren. Der Preis ist mit insgesamt 10.000 Euro dotiert.

Benannt nach einem Roman Giordanos

Ralph Giordano © Angelika Warmuth/dpa Foto: Angelika Warmuth
Der Hamburger Schriftsteller Ralph Giordano beschäftigte sich zu Lebzeiten mit der Aufarbeitung des Nationalsozialismus.

Der Bertini-Preis wird traditionell am 27. Januar verliehen, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Der Name geht auf den Roman "Die Bertinis" des Hamburger Schriftstellers Ralph Giordano zurück. Der im Dezember 2014 verstorbene Giordano arbeitete mehr als 40 Jahre an dem Buch, in dem er das Schicksal seiner Familie in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur schildert, das geprägt war von Ausgrenzung, Verfolgung und ständiger Angst. Ralph Giordano war immer zuversichtlich, dass der Bertini-Preis seine Botschaft "Lasst euch nicht einschüchtern" weitertragen werde.

Die Ausschreibung zum Bertini-Preis richtet sich seit 1998 an alle jungen Hamburgerinnen und Hamburger ab 14 Jahren. Sie können sich einzeln, als Gruppe oder Schulklasse mit einem Projekt bewerben - oder von anderen für ihr mutiges "Eintreten gegen Unrecht, Ausgrenzung oder Gewalt von Menschen gegen Menschen in dieser Stadt" vorgeschlagen werden.

Zivilcourage auf der Theater-Bühne

Zu den ausgezeichneten Projekten gehört das Theaterstück "Wir wären alle nicht hier" der Profilklasse 9c der Ida Ehre Schule. Das Stück widmet sich den Menschenrechten. Eine besondere Rolle spielten dabei die Inklusionschülerinnen und -schüler der Klasse. Sie machen auf eindrucksvolle Weise deutlich, welche Bedeutung die vor 70 Jahren verabschiedeten Menschenrechte auch in der heutigen Zeit haben. Das Stück wurde in der Schule und am 4. Februar 2019 vor prominenten Publikum in der Apostelkirche aufgeführt. Mit ihrem gemeinsamen Auftritt am Ende des Stückes sorgten die Inklusionsschülerinnen und -schüler für die große Authentizität des Stückes.

Musical erinnert an ermordete Kinder

Ebenfalls ausgezeichnet wird das Theaterprojekt der Stadtteilschule Bergedorf. Die Schülerinnen und Schüler entwickelten ein Musical, zum Gedenken an das Kinderkrankenhaus Rothenburgsort. In dem gleichnamigen Stück geht es um das Tötungsprogramm T4 "Euthanasie" der Nationalsozialisten für Menschen mit körperlichen und psychischen Einschränkungen. Das Kinderkrankenhaus Rothenburgsort war ein Hamburger Bestandteil des Mordprogramms der Nazis. Das Musik-Theaterstück erinnert an die Kinder, die hier ums Leben kamen. Es wurde mehrfach aufgeführt. Auch ein temporärer Gedenkort für die Opfer wurde gebaut und eingerichtet.

"Trilogie der Unvollständigkeit"

Ein weiteres ausgezeichnetes Theaterprojekt wurde von 30 Schülerinnen und Schülern des Helmut-Schmidt-Gymnasiums inszeniert. "Halimahs Erwachen - Lieber tot als ehrenlos!" setzt sich gegen jegliche Formen von Frauenunterdrückung, deren Benachteiligung oder Gewalt gegen diese ein. Hierbei thematisierten die Schülerinnen und Schüler Tabuthemen wie Ehrenmord, Jungfräulichkeit, Zwangsheirat, das Kopftuch und als wesentlichen zweiten großen Themenkomplex Homosexualität, Homophobie und Geschlechterrollen in patriarchalischen Milieus. Durch verschiedene Veranstaltungsformen und ein sich in drei Etappen entwickelndes Theaterstück, verdeutlichten sie die Pluralität in der Auseinandersetzung mit Konzepten von Kultur, Religion, Familie und Gesellschaft.

Gegen das Vergessen: Frauen im KZ Außenlager Neugraben

19 Schülerinnen und Schüler eines Profil-Kurses des Gymnasium Süderelbe wurden für das Projekt "Erinnern an die im KZ-Außenlager Neugraben inhaftierten 500 jüdischen Frauen" ausgezeichnet. Die Jugendlichen engagieren sich in ihrem Erinnerungs-Projekt mit verschiedenen Aktivitäten an das Gedenken der 500 jüdischen Frauen. Nach einer von ihnen im Oktober 2019 durchgeführten Umfrage an der Schule hatte sich ergeben, dass die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler von der Existenz des KZ-Außenlagers, das sich in der Nähe ihrer Schule befand, nichts weiß, auch nicht über dessen Geschichte. Die Schülerinnen und Schüler verfassten einen Wikipedia-Eintrag, produzieren einen Dokumentationsfilm und setzen sich dafür ein, dass die Behandlung des KZ-Außenlagers Neugraben im schulinternen Curriculum für das Fach Geschichte verbindlich verankert wird.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 27.01.2020 | 19:30 Uhr

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