Stand: 13.03.2019 22:11 Uhr

Streik für Klimaschutz: Jetzt kommen die Eltern

"Wir Eltern haben viel zu lange gewartet - jetzt zeigen uns unsere Kinder, wie es geht." Mit diesen Worten rufen Eltern andere Erwachsene dazu auf, mit den Kindern und Jugendlichen von "Fridays for Future" auf die Straße zu gehen und sich an den Protesten zu beteiligen. An diesem Freitag sollen die Demos weltweit stattfinden und dürften auch im Norden wieder regen Zulauf finden.

Die Bewegung "Parents for Future" wurde von einer Gruppe Erwachsener in Nordrhein-Westfalen ins Leben gerufen. Auf der gleichnamigen Homepage kann sich jeder registrieren, der mitmachen will - auch Erwachsene ohne Kinder. Damit haben "Parents for Future" offenbar den Nerv der Zeit getroffen: Innerhalb von nur wenigen Wochen haben sich deutschlandweit bereits 60 Ortsgruppen und neun Regionalgruppen für die einzelnen Bundesländer gegründet. Organisator von "Parents for Future" in Hamburg ist Rene Grassau. Mit NDR.de sprach er über das Projekt, seine Ziele und Motivation:

Wie sind Sie darauf gekommen, sich bei "Parents for Future" zu engagieren?

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"Wir sind keine Parallelveranstaltung": Rene Grassau unterstützt die "Fridays for Future"-Demos.

Rene Grassau: Bei der letzten "Fridays for Future"-Demo - als Greta Thunberg hier bei uns in Hamburg war - hab ich mich gefragt, ob ich da wirklich auch hingehen kann. Denn eigentlich ist das ja der Protest der Kinder und Jugendlichen. Trotzdem wollen wir alle das Gleiche: kämpfen für den Klimaschutz. Deshalb "Parents for Future". "Fridays for Future" soll weiterhin das Projekt der Jugendlichen bleiben. Bei solchen Projekten passiert es schnell, dass andere - vor allem Unternehmen und Institutionen - sich so etwas zu eigen machen. Das wollen wir nicht. Wir wollen den Schülern nur zeigen, dass sie mit ihrem Anliegen nicht alleine sind.

Was ist zukünftig geplant bei "Parents for Future" und wie ist der Austausch mit "Fridays for Future"?

Grassau: Wir wollen alles unterstützen, was "Fridays for Future" macht. Erst kürzlich waren einige der Eltern bei einem Treffen von den Schülern mit dabei - um sich untereinander auszutauschen und gemeinsam zu planen. Es gab unter anderem die Idee, am Rande der Demo so etwas wie Schulunterricht anzubieten, damit die Schüler nachweisen können, dass sie eben nicht die Schule geschwänzt haben. Wir sind keine Parallelveranstaltung, sondern unterstützen die jungen Menschen.

Was sagen Sie dazu, wenn den Schülern vorgeworfen wird, dass sie freitags nur demonstrieren, um nicht zur Schule gehen zu müssen?

Grassau: Das halte ich für Blödsinn. Ich habe so viele beeindruckende junge Menschen kennengelernt, die zwar freitags nicht zur Schule gehen, sich aber den ganzen Samstag um die Ohren schlagen, um so eine Demo auf die Beine zu stellen. Sie legen sehr viel Engagement an den Tag. Ich finde es nicht schlimm, dass sie freitags nicht zur Schule gehen, weil ich es für wichtiger halte, dass sie sich für das engagieren, was wirklich wichtig ist. Es handelt sich um eine Krise und die Schüler reagieren darauf.

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Würden Sie Ihren Kindern eine Entschuldigung fürs Schwänzen schreiben, wenn sonst Konsequenzen drohen würden?

Grassau: Ja, würde ich definitiv. Die Kinder schwänzen ja nicht. Sie engagieren sich für eine wichtige Sache. Hierzu gibt es auch einen Aufkleber der Schüler. Da steht drauf: "Wir schwänzen nicht. Wir kämpfen für unsere Zukunft." Und so sehe ich das auch.

Werden Sie von anderen Eltern kritisiert für Ihr Engagement?

Grassau: Ja, das passiert. Das machen viele. Diesmal sogar noch militanter als während der Flüchtlingskrise, in der ich mich auch bei Hanseatic Help engagiert hatte. Interessant ist auch, dass alles miteinander zusammenhängt. Menschen fliehen nicht nur vor Krieg, sondern immer öfter auch vor Naturkatastrophen. Alles, was wir hier machen, hat auch Einfluss auf andere Ecken der Erde. Ob es nun der Meeresspiegel ist, der ansteigt oder schlechte Lebensbedingungen, die wir indirekt verursachen. Die Menschen müssen ja irgendwohin. Nur weil der Klimawandel jetzt bei uns noch nicht deutlich zu sehen ist, heißt das nicht, dass er nicht schon da ist.

Was ist Ihr Eindruck: Wie ist die Stimmung im Erwachsenenlager zum Thema "Fridays for Future"-Demo?

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Greta Thunberg demonstrierte am 01. März bei dem "Fridays for Future"-Streik in Hamburg mit.

Grassau: Eher negativ, weil es die eigene persönliche Bequemlichkeit betrifft. Mehr Umweltbewusstsein bedeutet natürlich auch mehr Einschnitte im eigenen Leben. Jemand der etwas gewohnt ist, möchte ungern etwas daran ändern. Da meckern viele Leute rum. Natürlich ist auch das Schuleschwänzen nicht allen Eltern recht. Kinder sollen zur Schule gehen und lernen - keine Frage. Sie sind immerhin die Zukunft unseres Landes. Aber je schlimmer es nervt, desto besser ist es.

Wie ist die Resonanz auf die Facebook- und Whatsapp-Gruppe?

Grassau: Noch verhalten. Es wäre toll, wenn noch mehr beitreten. Aber die Gruppe ist auch erst ein paar Tage alt. Ich bin zuversichtlich, dass wir viele werden.

Was sind die konkreten Forderungen?

Grassau: Es geht hauptsächlich im ersten Schritt darum, Klimaschutz zum Thema zu machen. So, dass es überall auf der Agenda steht. Gemeinsam mit den Wissenschaftlern, die sich unter "Scientists for Future" zusammengeschlossen haben, erarbeiten die Schüler von "Fridays for Future" derzeit eine Forderungsliste. Fest steht: Das, was bisher passiert ist, ist viel zu wenig.

Die Fragen stellte Katharina Häusl, NDR.de.

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