Stand: 26.11.2018 15:03 Uhr

Varoufakis kandidiert in Deutschland für Europa

von Martin Motzkau, NDR Info

Yanis Varoufakis ist seit dem Schuldendrama in Griechenland auch in Deutschland kein Unbekannter - schließlich war er 2015 für ein halbes Jahr griechischer Finanzminister. Nun will er in Deutschland für die Europawahl 2019 kandidieren: Die Liste "Demokratie in Europa" nominierte ihn auf Platz eins für die Wahlen im Mai kommenden Jahres. Es gehe darum, dass transnationale Demokratie Wirklichkeit werde, sagte der Linkspolitiker am Sonntag in Berlin. NDR Info hat Varoufakis dort zu einem Gespräch getroffen.

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Yanis Varoufakis will mit Unterstützung aus Deutschland zurück auf die europäische Politik-Bühne.

Treffen im vierten Stock eines unscheinbaren Gebäudes im Berliner Stadtteil Neukölln. Hier versammeln sich die Anhänger von "Demokratie in Europa", um sich auf die Europawahl im kommenden Jahr vorzubereiten. Unter ihnen Griechenlands Ex-Finanzminister Varoufakis.

Drei Jahre nach seinem Rücktritt will der 57-Jährige zurück auf die große politische Bühne: Als Spitzenkandidat von "Demokratie in Europa" hofft er auf einen Sitz in Brüssel: "Es ist der Ort, an dem das Herz der europäischen Politik schlägt. Dort befinden sich das Europaparlament und die Kommission."

Der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis (hintere Reihe, 3.v.l.) steht bei einem Treffen der Partei "Demokratie in Europa" zwischen den Kandidaten für die anstehende Europawahl. © dpa picture alliance Foto: Paul Zinken

Yanis Varoufakis liegt Europa am Herzen

NDR Info - Aktuell -

Yanis Varoufakis war während des griechischen Schuldendramas als Finanzminister in seinem Heimatland tätig. Nun will er von Deutschland aus zurück auf die politische Bühne.

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Deutschland spielt für Varoufakis entscheidende Rolle

"Demokratie in Europa" ist Teil der europaweiten Bewegung "Democracy in Europe Movement 2025" (DiEM25), die Varoufakis im Februar 2016 gegründet hatte. Ihr Ziel: Europa bis Mitte des kommenden Jahrzehnts zu demokratisieren. Deutschland spielt dabei für Varoufakis eine entscheidende Rolle, sagte er im Gespräch mit NDR Info: "Es wird nichts Gutes in Europa passieren, wenn es nicht in seinem Kernland beginnt. In Deutschland."

"Diese Krise zerstört Europa in diesem Moment"

Die Chancen, dass Varoufakis tatsächlich einen Sitz in Brüssel bekommt, stehen nicht schlecht. Denn anders als bei der Bundestagswahl wird es bei der Europawahl keine Fünf-Prozent-Hürde geben, die es zu überwinden gilt.

Einfacher wäre es mit länderübergreifenden Listen. Diese hatte das EU-Parlament im vergangenen Frühjahr aber abgelehnt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Staatspräsident Emmanuel Macron können sich das frühestens bei der nächsten Wahl vorstellen. Für Varoufakis ist das zu spät: "Diese Krise wird nicht darauf warten, dass sich Frau Merkel und Herr Macron Gedanken gemacht haben. Diese Krise zerstört Europa in diesem Moment."

Internationale Bewegung der progressiven Kräfte

Seine Bewegung sieht Varoufakis auch als Gegenentwurf zu den Rechtspopulisten, die derzeit europaweit auf dem Vormarsch sind. Auch deshalb will sich der 57-Jährige am 30. November mit dem US-Demokraten Bernie Sanders treffen, um mit ihm gemeinsam eine internationale Bewegung der progressiven Kräfte ins Leben zu rufen.

Mit Blick auf Europa ruft Varoufakis zum Handeln auf: "Wenn wir keine drastischen Schritte gehen, um Europa zu stabilisieren und den Menschen keine Hoffnung zurückgeben, dass die Europäische Union eine Quelle gemeinsamen Wohlstands sein kann, dann wird es in fünf Jahren kein Europa mehr geben, von dem man reden kann."

Varoufakis arbeitet intensiv an seinem politischen Comeback. Und ausgerechnet mit deutscher Hilfe soll das gelingen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 26.11.2018 | 14:50 Uhr

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