Stand: 16.05.2018 18:41 Uhr

Resistente Keime: Badegewässer-Empfehlung

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Badestellen werden von Behörden geprüft - bislang aber nicht auf resistente Keime.

Die Badesaison beginnt. Doch viele Menschen sind verunsichert, ob sie beruhigt in Seen springen können. Denn Wissenschaftler haben in verschiedenen Gewässern multiresistente Keime nachgewiesen. Deshalb hat nun das Umweltbundesamt (UBA) eine Empfehlung für Badegewässer veröffentlicht.

UBA: Bei mangelhafter Wasserqualität nicht baden

Demnach rät das UBA grundsätzlich vom Baden ab, wenn Behörden die Wasserqualität zum Beispiel eines überwachten Badesees als mangelhaft eingestuft haben. Denn wenn die Konzentration bestimmter Bakterien zu hoch ist, steigt das Risiko, dass sie bei Badenden Infektionen auslösen. In aller Regel sei die Infektionsgefahr eher gering, jedoch könnten je nach Wasserqualität milde Durchfallerkrankungen oder Ohrentzündungen auftreten, so die Behörde.

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Niedersachsens Umweltminister Lies hat ein Messprogramm gestartet und eine Probe sogar selbst genommen.

Infektionen durch resistente Keime sind schwerer zu behandeln. Bakterien, gegen die Antibiotika nicht mehr wirken, führen nach der UBA-Empfehlung nicht häufiger zu Infektionen, als andere Erreger. Wenn es allerdings zu Infektionen kommt, sind diese schwieriger oder im Extremfall gar nicht zu behandeln, weil notwendige Antibiotika nicht mehr wirken.

Bisher wurden Badegewässer allerdings nicht systematisch auf multiresistente Keime untersucht. Derzeit prüft Niedersachsen als erstes Bundesland in größerem Maßstab Gewässer auf resistente Keime. An insgesamt 80 Stellen werden Proben genommen. Die Ergebnisse sollen Ende Juni vorliegen.

Risiko für Menschen mit Hauterkrankung oder Immunschwäche

Grundsätzlich rät das UBA Menschen mit Hauterkrankungen oder offenen Wunden sowie Personen, die längere Zeit Antibiotika einnehmen oder eine Immunschwäche haben, vor dem Baden ihren Arzt zu fragen und im Zweifel auf das Schwimmen in Badegewässern zu verzichten.

Größere Gefahr für Surfer

Die Umweltbehörde weist darauf hin, dass sich antibiotikaresistente Bakterien, die beim Schwimmen verschluckt werden, im Darm ansiedeln können. Studien zeigen, dass Surfer hier einem höheren Risiko ausgesetzt sind, unter anderem auch deshalb, weil sie sich häufiger in Gewässern aufhalten, die keine Badegewässern sind und eine schlechtere Wasserqualität aufweisen.

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Aber auch eine Besiedelung mit resistenten Keimen im Darm führt bei gesunden Menschen in der Regel nicht zu einer Erkrankung. Laut UBA haben Studien gezeigt, dass zwischen fünf und sieben Prozent der Bevölkerung bestimmte resistente Bakterien, sogenannte ESBL-E.coli, im Darm tragen. Bei geschwächtem Immunsystem könnten diese Keime aber Harnwegsinfektionen auslösen, die schwer zu behandeln seien, so das Amt.

Resistente Bakterien verbreiten sich zunehmend in der Umwelt

Antibiotikaresistente Bakterien kommen demnach heute häufiger in der Umwelt vor als früher. Die Behörde sorgt sich, dass sich durch ihre Verbreitung schlimmstenfalls neue multiresistente Krankheitserreger bilden, gegen die mehrere Antibiotika nicht mehr wirken. Außerdem sieht das UBA die Gefahr, dass Menschen resistente Keime in Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäuser tragen. Patienten mit Infektionen können dadurch möglicherweise nur noch schwer oder gar nicht mehr behandelt werden.

Badegewässer: Verschmutzung durch Abwässer und Gülle möglich

Die Empfehlung hat das Umweltbundesamt gemeinsam mit dem Bund-Länder Arbeitskreis Badegewässer erstellt. Zu Badegewässern zählen sie Teile von Seen, Flüssen oder der Nord- du Ostsee. Durch eingeleitete Abwässer oder etwa Gülle können solche Gewässer mit Krankheitserregern und antibiotikaresistenten Bakterien verschmutzt werden.

NDR Recherchen: Resistente Keime in Flüssen, Bächen und Badeseen

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Reporter des NDR haben in Niedersachsen Proben genommen - auch an Badestellen.

NDR Reporter hatten exemplarisch an insgesamt zwölf Stellen in Niedersachsen Wasser- und Sedimentproben aus Flüssen, Bächen und Badeseen genommen. Wissenschaftler der Universität Dresden und des Universitätsklinikums Gießen haben in allen diesen Proben multiresistente Keime nachgewiesen - darunter auch Keime, gegen die besonders wichtige Antibiotika - sogenannte Reserveantibiotika - nicht mehr wirken.

Forscher und Mediziner zeigten sich alarmiert. Tim Eckmanns vom Robert-Koch-Institut erklärte zu den Ergebnissen: "Die Erreger sind anscheinend in der Umwelt angekommen und das in einem Ausmaß, das mich überrascht." Klar war zwar bislang, dass antibiotikaresistente Erreger in der Umwelt zu finden sind und sich dort ausbreiten können. Wie stark Gewässer belastet sind, ist allerdings weitgehend unbekannt, da es bislang keine systematischen Kontrollen auf solche Erreger gab.

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Dieses Thema im Programm:

Panorama - die Reporter | 06.02.2018 | 21:15 Uhr

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