Stand: 22.04.2019 15:43 Uhr

Ostermärsche: Norddeutsche fordern Frieden

Tausende Norddeutsche haben über Ostern gegen Atomwaffen, Aufrüstung und Krieg als Konfliktlösung demonstriert. Die größte Friedensaktion im Norden gab es am Ostermontag in Hamburg. Daran beteiligten sich nach Polizeiangaben rund 2.000 Menschen. Am Karfreitag hatten sich in Bremen nach Veranstalterangaben etwa 1.000 Menschen zum Friedensprotest versammelt. Die Polizei sprach von rund 500. Auf Transparenten war zu lesen: "Krieg schafft keinen Frieden" und "Abrüsten! UNO-Atomwaffen-Verbotsvertrag unterschreiben". Auch in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gingen Menschen für den Frieden auf die Straße.

Mehr als 300 Teilnehmer in Hannover

In Hannover demonstrierten am Karfreitag nach Angaben der Polizei mehr als 300 Teilnehmer in der Innenstadt. Auch in Oldenburg, Osnabrück, Wolfsburg, Braunschweig, Göttingen und weiteren niedersächsischen Städten hatten Aktivisten zu Protestaktionen aufgerufen.

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In der Rostocker Innenstadt beteiligten sich rund 130 Menschen am Ostermarsch.

In Schleswig-Holstein versammelten sich die meisten Menschen in Kiel - dort sprach die Polizei von rund 300 Teilnehmern. In Flensburg sollen es knapp 200 gewesen sein, ebenso viele wie in Wedel. In Lübeck war von rund 150 die Rede.

In Schwerin zogen am Freitagvormittag laut Polizei rund 130 Teilnehmer durch die Innenstadt. In Rostock waren es am Nachmittag geschätzt mehr als 100 Ostermarschierer. Auch in Wismar und Neubrandenburg wurde für Abrüstung und eine atomwaffenfreie Welt demonstriert.

Langjähriger Friedensaktivist spricht bei Hamburger Ostermarsch

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Bei den Ostermärschen geht es seit fast 60 Jahren um den Frieden. NDR.de hat mit einem Pastor gesprochen, der von Anfang an dabei ist: Sönke Wandschneider aus Hamburg. mehr

Bei der Abschlusskundgebung des Hamburger Ostermarschs am Carl-von-Ossietzky-Platz sprach am Montag auch Sönke Wandschneider. Er lobte dabei auch das Engagement von Schülern der Bewegung "Fridays for Future", die erstmals am Ostermarsch teilnahmen. "Es gibt Nachwuchs. Wir müssen uns als alt gewordene Menschen keine Sorgen machen. Wir können das, was wir in all den Jahrzehnten in unserem Bemühen um eine friedlichere Welt gelernt haben, weitergeben."

Wandschneider ist Pastor im Ruhestand und von Anfang an bei den Ostermärschen dabei. Somit blickt er auf mehr als sechs Jahrzehnte des Protests zurück. Zu seiner Motivation sagte er im Interview mit NDR.de: "Ich bin in der Minderheit, ich bewirke wenig oder vielleicht gar nichts. Aber ich war zumindest auf der Seite derjenigen, die nicht für weitere Zerstörung, für weiteres Elend gesorgt haben."

Aus für INF-Vertrag und Milliardenausgaben für Rüstung im Fokus

Eines der zentralen Themen bei den Ostermärschen ist in diesem Jahr das von US-Präsident Donald Trump beabsichtigte Aus für den INF-Vertrag und die dadurch drohende Stationierung neuer Atomraketen in Europa.

Dem Netzwerk Friedenskooperative zufolge gibt Deutschland pro Jahr mehr als 40 Milliarden Euro für Rüstung und Militär aus, Tendenz steigend. Dabei werde das Geld etwa in Schulen, Kitas, Krankenhäusern, beim öffentlichen Nahverkehr, bei der Alterssicherung und dem ökologischen Umbau dringend benötigt. Das Netzwerk bündelt die Ostermarsch-Aktionen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 22.04.2019 | 14:15 Uhr