Stand: 22.08.2018 20:47 Uhr

Dürrehilfen für Bauern: Erleichterung im Norden

Die Ernteschäden infolge der diesjährigen Dürre haben ein "nationales Ausmaß". Zu diesem Schluss kommt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, nachdem nun die amtliche Erntebilanz vorliegt. Die CDU-Politikerin kündigte am Mittwoch Finanzhilfen für besonders stark betroffene Bauern in Höhe von insgesamt 340 Millionen Euro an. 150 bis 170 Millionen davon stammen aus Bundesmitteln, der Rest aus Hilfsprogrammen der Länder. Norddeutsche Agrarminister reagierten erleichtert auf die Ankündigung.

Ein Mähdrescher fährt über ein trockendes Feld.

Wie schlecht war die Ernte wirklich?

Hallo Niedersachsen -

Die Dürre hat den Bauern schwer zu schaffen gemacht. Nach Angaben des Landesamts für Statistik ging der Ertrag bei Raps um 24 Prozent, bei Getreide um 22 Prozent zurück.

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Niedersachsen plant fünf Millionen Euro Soforthilfe

Niedersachsen gehört zu den bundesweit am stärksten von der Trockenheit betroffenen Ländern. Die Landesregierung wird eine außerplanmäßige und umgehende Hilfe des Landes in Höhe von fünf Millionen Euro gewähren. Das sagte die zuständige Ressortchefin Barbara Otte-Kinast (CDU) am Mittwoch im Landtag. Der Bund stocke um dieselbe Summe auf. "Damit kommen die ersten zehn Millionen Euro noch 2018 auf die Höfe", sagte Otte-Kinast. Sie schätze, dass der Schaden bei den in Existenznot geratenen Betrieben in Niedersachsen bei rund 80 Millionen Euro liege. Von den Hilfen profitieren nur existenzgefährdete Betriebe, die einen Ertragsrückgang von mindestens 30 Prozent im Vorjahresvergleich haben. Die Bedürftigkeit muss von den Behörden geprüft werden. Die Hilfen sollen als nicht rückzahlbare Zuschüsse gewährt werden.

Der niedersächsische Landvolk-Präsident Albert Schulte to Brinke sagte, in früheren Jahrhunderten hätte eine Trockenheit wie 2018 eine Hungerkatastrophe ausgelöst. Er sprach von "zum Teil katastrophalen Verlusten" bei der Maisernte. Aktuell bemerke der Verbraucher bei gut gefüllten Warenregalen in den Supermärkten weder in Menge, Qualität noch beim Preis die Folgen der Trockenheit. Die Landwirte unterstützten sich gegenseitig, fügte Schulte to Brinke hinzu: "Notsituationen beflügeln die Selbsthilfe." Wenn das nicht mehr ausreiche, müsse der Staat unterstützen.

Habeck: Verluste schlimmer zu bewerten als 1976

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Die Gesellschaft stehe gegenüber den Landwirten in der Pflicht, findet Schleswig-Holsteins Minister Habeck.

Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) nannte es richtig, dass der Staat den betroffenen Betrieben in der Not hilft. Die Erntebilanz bescheinigte dem Land die schlechteste Ernte seit 1976. Die Zahlen seien allerdings mit jenen von vor 42 Jahren nicht eins zu eins zu vergleichen, so Habeck. Schließlich seien in dieser Zeit die Produktivität, das Saatgut und die technische Entwicklung der Maschinen fortgeschritten. Der jetzige Verlust müsse im Verhältnis viel höher bewertet werden. "Wir alle sind Profiteure davon, dass die Landwirte uns so günstige Lebensmittel zur Verfügung stellen", sagte Habeck. Insofern sei es nur fair, dass die Gesellschaft den Betrieben hilft, die in diesen engen Margen arbeiten.

Kritik an Nachweispflicht für Existenznot

Im Gespräch mit NDR 1 Welle Nord kritisierte Habeck allerdings, dass im Konzept des Bundes vorgesehen sei, dass die Betriebe Existenzbedrohung nachweisen müssen. "Es ist schwer zu unterscheiden, ob die Betriebe nicht zahlungsfähig sind, weil sie sich einen Rinderstall oder ein fettes Auto gekauft haben oder einfach kein Geld haben. Das finde ich falsch." Er habe hingegen vorgeschlagen, bei der Verteilung der Gelder vor allem danach zu gehen, in welchen Regionen die Dürre besonders hart zugeschlagen habe. Mit dieser Idee habe er sich jedoch nicht durchsetzen können.

Nordosten: Zehn bis 20 Prozent der Betriebe brauchen Hilfe

Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) begrüßte die Finanzhilfen aus Berlin und sagte, im Nordosten hätten voraussichtlich 10 bis 20 Prozent der Landwirtschaftsbetriebe Anspruch auf Unterstützung aus dem Bund-Länder-Programm zur Dürrehilfe. Ihre Verluste lägen bei mehr als 30 Prozent des langjährigen Mittels. "Zur Unterstützung dieser Betriebe benötigen wir circa 50 bis 60 Millionen Euro. Wie viel wir letztendlich zur Verfügung haben, hängt von den Mitteln des Bundes ab", sagte er.

Bundesweit jeder 25. Hof existenzbedroht

14 Bundesländer haben nach Angaben von Bundesministerin Klöckner Interesse am gemeinsamen Hilfsprogramm von Bund und Ländern für Landwirte wegen Dürreschäden angemeldet. Bundesweit seien rund 10.000 Betriebe so sehr betroffen, dass sie in ihrer Existenz bedroht seien - etwa jeder 25. Hof. Es seien Schäden von 680 Millionen Euro gemeldet worden. Eine "Vollkasko-Entschädigung" könne es jedoch nicht geben, so Klöckner.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 22.08.2018 | 13:00 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/nachrichten/Nordreaktionen-auf-Erntebilanz,erntebilanz152.html

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