Stand: 17.10.2019 16:49 Uhr

Vernünftiges Tempolimit wäre kein Weltuntergang

"Reisen statt rasen" - das war schon vor Jahren ein Slogan des Verkehrsministeriums. Die meisten Autofahrer halten sich auch daran, sie fahren nicht schneller als 130 km/h. Einer Studie zufolge sind nur zehn Prozent der Autofahrer schneller als mit 150 km/h unterwegs. Es ist auch unstrittig, dass mit einer niedrigeren Geschwindigkeit die Zahl der Unfalltoten sinkt - und der Verkehr besser fließt. Und doch wurde der Antrag der Grünen für ein generelles Tempolimit in Deutschland im Bundestag abgelehnt.

Ein Kommentar von Dagmar Pepping, Korrespondentin im ARD-Hauptstadtstudio

Bild vergrößern
Die Lobbyarbeit der Automobilindustrie und des ADAC funktioniere, meint Dagmar Pepping im Kommentar.

Leben eigentlich in allen neun Ländern, die an die Bundesrepublik grenzen, verblendete Ideologen, die schnelle Autos hassen? Überall - in den Niederlanden, in Dänemark, Frankreich, Österreich oder Polen - gilt ein Tempolimit auf Autobahnen. Zumeist 130 Stundenkilometer, in Belgien und der Schweiz sind es sogar 120 km/h.

Nur in Deutschland gilt weiterhin: Finger weg! Bloß kein Ungemach für Raser und für die Autoindustrie, die viel zu lange viel zu stark motorisierte Modelle angepriesen hat.

Mehrere vernünftige Argumente für ein Tempolimit

Die Grünen sind mit ihrem Antrag erneut gescheitert - und das mit Ansage, trotz vernünftiger Argumente für eine solche Geschwindigkeitsgrenze.

Argument Nummer eins: mehr Sicherheit. Maximal 130 km/h auf Autobahnen führt zu weniger schweren Unfällen, Verletzten und Toten - und generell zu weniger Stress für die Fahrer auf unseren proppenvollen Straßen.

Argument Nummer zwei: besserer Klimaschutz. Geringeres Tempo reduziert den CO2-Ausstoß der Autos. Der Verkehr läuft flüssiger, wenn Fahrer nicht abwechselnd stark beschleunigen, dann bremsen müssen und danach wieder aufs Gaspedal drücken. Das heißt: weniger Staus und weniger klimaschädliche Auspuffgase.

Argument Nummer drei: weniger Verkehrslärm. Gerade Autobahn-Anwohner in Ballungsräumen wären dafür dankbar.

Kleiner Hinweis an die SPD ...

Aber: Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) würde vermutlich lieber kopfüber in eine Häckselmaschine springen, als Tempo 130 zuzulassen. Bei seiner Blockadehaltung weiß Scheuer neben der Union auch FDP und AfD auf seiner Seite. Die Lobbyarbeit der Automobilindustrie und des ADAC funktioniert.

Und was ist mit der SPD? Die ist eigentlich für Tempo 130, stimmte dem Antrag der Grünen aber deshalb nicht zu, weil sonst die ungeliebte GroKo vorzeitig platzen könnte. Kleiner Hinweis, nicht nur an die Sozialdemokraten: Laut Umfragen ist mehr als die Hälfte der Bürger mittlerweile für ein Tempolimit. Auf der Fahrt durch unsere Nachbarländer haben sie offenbar die Erfahrung gemacht, dass eine vernünftige Geschwindigkeitsbegrenzung nicht den Weltuntergang bedeutet. Im Gegenteil!

Weitere Informationen

Wenn das Tempolimit ausgebremst wird

Vielen Autofahrern geht es in Deutschland gar nicht schnell genug, andere wollen unbedingt ein Tempolimit. Eine Glosse über die "Freiheit auf der Autobahn" von Joachim Hagen. mehr

Link

Grüne scheitern mit Tempolimit

Auf deutschen Autobahnen wird es vorerst kein Tempolimit 130 geben: Die Grünen scheiterten im Bundestag mit ihrem Antrag auf eine Geschwindigkeitsbegrenzung. Mehr bei tagesschau.de. extern

Die NDR Info Kommentare

Redakteure und Korrespondenten äußern auf NDR Info regelmäßig ihre Meinung zu aktuellen Themen und Sachverhalten. Stimmen Sie zu? Sind Sie anderer Meinung? Schreiben Sie uns! mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 17.10.2019 | 17:08 Uhr

Mehr Nachrichten

02:29
Hamburg Journal
02:31
Hallo Niedersachsen