Stand: 13.08.2019 07:00 Uhr

Hightech auf dem Acker - kostspielige Hilfe

von Susanne Tappe, NDR Info Wirtschaftsredaktion

Schenkt man Werbevideos von Landmaschinenherstellern Glauben, werden die Kühe von Robotern versorgt und Traktoren übernehmen selbstständig die Feldarbeit. Doch was ist heute in Deutschland tatsächlich Stand der Technik?

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Am Computer lässt sich nachvollziehen, wo sich die Mitarbeiter und die Maschinen gerade befinden.

Die Blunk GmbH ist der größte Agrar-Dienstleister in Norddeutschland. Vertriebsleiter Philipp Staritz sitzt in seinem Büro vor einem Laptop. Darauf zu sehen ist eine Landkarte von Norddeutschland, gesprenkelt mit vielen grünen Trecker-Symbolen: "Auf dieser Karte können wir erkennen, wo sich einzelne Mitarbeiter oder Maschinen gerade befinden und welche Felder abgefahren sind."

Maschinen oft sehr teuer

Auf dem Hof der Firma parken einschüchternd große Landmaschinen: bullige Traktoren neben Mähdreschern mit unzähligen scharfen Klingen. Damit bestellt Blunk im Auftrag von Landwirten deren Felder. Denn bei einem Kaufpreis von bis zu 500.000 Euro - etwa für einen Gülleausbringer - lohnt es sich für die meisten Landwirte nicht, solche Maschinen selbst anzuschaffen. Außerdem wäre es für den Einzelnen sehr schwierig, technisch auf dem neuesten Stand zu bleiben, sagt Staritz: "Die Fahrzeuge haben Lenksysteme, sie lenken automatisch. Inhaltsstoffe der Gülle werden heutzutage online während der Arbeit dokumentiert und gemessen und danach dann auch ausgebracht. Das ist schon ganz schön viel Technik, die in so einer Maschine verbaut ist."

Computer lenkt zentimetergenau

Die Wege, die die Maschine auf dem Feld zurücklegen soll, werden am PC vorgeplant und dann digital überspielt. Ins Lenkrad greifen muss der Fahrer nur am Ende des Feldes, um zu wenden. Geradeaus lenkt der Computer präziser, als es ein Mensch könnte: 36 Meter breite Maschinen fahren auf zwei Zentimeter genau. Das ist wichtig, um den Boden zu schonen, kein Saatgut, Dünger oder Pflanzenschutzmittel zu verschwenden und schließlich möglichst alle Feldfrüchte abzuernten. Der Fahrer hat derweil Zeit, nach Steinen oder Wildtieren Ausschau zu halten und die Technik zu kontrollieren: Sind alle Düsen frei, sollte es mehr oder weniger Gülle sein, hängt das Schneidegerät tief genug? Gebraucht wird er also nach wie vor - übrigens auch, weil selbstfahrende Landmaschinen auf den Straßen zu den Feldern bislang genauso verboten sind wie autonome Autos.

Feldarbeit wird automatisch dokumentiert

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Die automatische digitale Dokumentation ist eine Erleichterung für die Landwirte, sagt Betriebsleiter Philipp Staritz.

Besonders praktisch für den Landwirt ist die automatische digitale Dokumentation der Feldarbeit. Sie erleichtert ihm die Buchführung und kann als Nachweis gegenüber Behörden dienen, erklärt Staritz: "Es muss dokumentiert werden, ob zum Beispiel Dünger oder Pflanzenschutzmittel in den richtigen Zeitfenstern ausgebracht wurden. Und bei dieser automatischen Dokumentation kann nicht manipuliert werden."

Aber klappt das angesichts der schlechten Internetversorgung auf dem Land auch immer alles so wie es soll? Ja, aber nur dank Zwischenspeicher, sagt Staritz: "Wir arbeiten mit Datenloggern auf den Maschinen und mit Tablets. Mit dem Datenvolumen, das wir heute nutzen, kommen wir damit gut zurecht. Wenn wir aber weiter in die Zukunft schauen und die elektronischen Daten intelligenter und effizienter nutzen wollen, müssen wir auch mehr Daten hin und her schicken. Und da sehe ich ein bisschen schwarz." Denn auf "5G an jeder Milchkanne" wartet Norddeutschland noch.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Wirtschaft | 13.08.2019 | 06:41 Uhr

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