Stand: 28.05.2018 15:10 Uhr

Einwegplastik-Verbot ist guter erster Schritt

Weltweit werden enorme Mengen an Kunststoffen genutzt und anschließend weggeworfen. Allein in der EU entstehen nach Angaben der EU-Kommission jedes Jahr rund 26 Millionen Tonnen Plastikmüll, von denen weniger als 30 Prozent zur Wiederverwertung gesammelt werden. Vom Rest landet ein Großteil auf Müllkippen oder in der Umwelt. Die Brüsseler Behörde will deshalb eine neue Plastik-Strategie - unter anderem mit Verboten für Wegwerf-Plastik.

Ein Kommentar von Kai Küstner, NDR Info Korrespondent in Brüssel

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Kai Küstner meint, dass die EU mit Ideen bei der Plastikmüll-Bekämpfung nicht zu schüchtern sein sollte.

Schwimmende Müllhalden sind unsere Weltmeere schon jetzt. Nun will die EU zumindest verhindern, dass Fische in den Ozeanen bald eine Minderheit darstellen - zahlenmäßig könnten die nämlich den umhertreibenden Plastikartikeln schon bald hoffnungslos unterlegen sein.

Es wird also höchste Zeit, dass wir Menschen etwas unternehmen; im Interesse der Meereslebewesen, der Umwelt und unserer eigenen Gesundheit. Denn schließlich essen wir ja zumindest über Umwege unseren eigenen Plastikmüll, wenn Fische, die auf unseren Tellern landen, zuvor umherschwimmenden Kunststoff verzehrt haben.

EU mit sinnvoller Plastik-Strategie

Dass Brüssel nun eine Reihe von Plastik-Wegwerfartikeln aus unserem Leben für immer verbannen will, an die wir uns so sehr gewöhnt haben, werden wir Verbraucher verkraften. Denn ausdrücklich will die EU nur das verbieten, was sich problemlos und preisgünstig ersetzen lässt: Dass wir unsere Grillwurst im Park also von Papp- statt von Plastiktellern essen, unseren Kaffee beim Bäcker mit Holzstäbchen umrühren und bald vielleicht wieder mithilfe echter Strohhalme Getränke schlürfen statt mit Plastikhalmen, ist keine Einschränkung von Lebensqualität, sondern das Mindeste, was wir tun können.

Unterschätzen sollte man die EU-Rettungsaktion nicht, hat sich die Kommission doch jene zehn Einmal-Artikel herausgesucht, die am häufigsten an unseren Stränden angespült werden - und dazu gehören nun einmal auch Plastikgabeln und Luftballon-Halterungen.

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Umweltpolitischer Irrsinn muss enden

Gleichzeitig wird Brüssel den Planeten nicht retten, wenn es sich allein an Strohhalme klammert. Nun muss man fairerweise dazu sagen, dass die EU-Kommission das nicht tut. Die Vorschläge gehen über die Verbotsliste weit hinaus. Nur will sie es den Einzelstaaten weitgehend selbst überlassen, ob die sich zum Beispiel für ein Kunststoffflaschen-Pfand entscheiden oder nicht.

Zwei Dinge sind klar: Wer den Müllberg zu Wasser und zu Land abtragen will, muss erstens mehr recyceln und zweitens dem Verpackungswahn Einhalt gebieten. Wer zum Beispiel in der EU-Hauptstadt Brüssel in Supermarkt-Regalen nach Selter-Flaschen sucht, findet kaum Glas, dafür aber jede Menge Plastik-Sechserpacks, die dann extra noch mal mit ordentlich viel Folie verpackt sind. Dieser umweltpolitische Irrsinn muss enden.

Mutige Ideen sind gefragt

Vor vier Jahren hat sich Brüssel der Eindämmung der Plastiktüten gewidmet. Bei uns in Deutschland hat das über den Preis einigermaßen funktioniert: Wer im Supermarkt auch noch für den Tragebeutel zur Kasse gebeten wird, überlegt sich eben zweimal, ob bei ihm die Lebensmittel noch in die Plastiktüte kommen. Warum sollte das nicht auch bei anderen Kunststoffprodukten klappen? Brüssel sollte hier mit Ideen nicht zu schüchtern sein. Eine Abgabe auf nicht wiederverwertbaren Plastikmüll, wie jetzt von Haushaltskommissar Günther Oettinger angedacht, kann da durchaus hilfreich sein.

Wobei auch bei diesem Thema - im Unterschied zu unseren Weltmeeren - eins glasklar ist: Plastikmüll lässt sich nur europaweit bekämpfen. Viele Unternehmen lechzen geradezu nach EU-weiten Regeln, damit sie endlich wissen, woran sie sind. Wieder so ein Beispiel, bei dem sich erweist: Gäbe es die Europäische Union nicht, dann müsste man sie erfinden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 28.05.2018 | 18:30 Uhr

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