Stand: 13.02.2018 17:58 Uhr

Bio boomt: Wer will Öko-Landwirt werden?

von Ines Burckhardt, NDR Info Wirtschaftsredaktion, Claudia Plaß, NDR Info

Wie steht es um den Nachwuchs bei den Bio-Landwirten? Die Recherchen für die Reihe "NDR Info Perspektiven" haben ergeben: An vielen Berufsschulen in Norddeutschland fristet das Thema Öko-Landbau noch ein Nischen-Dasein. Aber: Das Interesse, mehr ökologischen Landbau in den Unterricht einzubauen, wächst. Das zeigen beispielsweise Initiativen in Niedersachsen. In Lüchow lernen zum Beispiel schon viele Auszubildende auf Bio-Höfen.

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Seit einigen Monaten lernt Jan Stockmeier die Grundlagen biologischer Landwirtschaft.

Jan Stockmeier stapft in Gummistiefeln mit einem Eimer durch den Stall auf Hof Lemberg. Sobald die Tiere ihn hören, drängen sie zum Futtertrog. "Die bekommen jeden Tag noch mal einen Eimer Schrot, damit sie noch mehr Power bekommen", erklärt Stockmeier. Seit vier Monaten arbeitet der 19-Jährige auf dem ökologischen Hof im Landkreis Lüchow-Dannenberg.

Bei seiner Ausbildung zum Landwirt lernt er zum Beispiel auch, wie die Unkraut-Bekämpfung auf dem Acker ganz ohne Pestizide funktioniert. Einmal die Woche fährt er zur Berufsschule nach Lüchow. In seiner Klasse wird jeder fünfte Azubi auf einem ökologischen Hof ausgebildet. "Irgendeinen Witz gibt's immer darüber, dass man auf einem biologisch wirtschaftenden Betrieb ist. Aber an sich ist es normal, es ist nicht weiter das große Thema."

Ein junger Mann, ein Auszubildender, steht auf einem Bauernhof an einem Gittertor und streichelt eine Kuh. © NDR Fotograf: Ines Burkhart

Nachwuchs in der Bio-Landwirtschaft

NDR Info -

Der Bedarf an Bioprodukten steigt immer mehr an. Um diesen zu decken, braucht es Nachwuchs-Landwirte auf Öko-Höfen. NDR Info hat Jan Stockmeier in Niedersachsen getroffen.

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Es gibt noch Vorbehalte

Die Nachwuchs-Landwirt Jan Stockmeier und Sebastian Heins stehen nebeneinander auf einem Bauernhof. © NDR Fotograf: Ines Burckhardt

Mehr Öko-Anteil in der Landwirte-Ausbildung?

NDR Info - Aktuell -

Wie steht es um den Nachwuchs bei den Bio-Landwirten? An vielen Berufsschulen in Norddeutschland fristet das Thema Öko-Landbau noch ein Nischen-Dasein.

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Was in Lüchow-Dannenberg normal ist, gilt in anderen Regionen als exotisch. An der Berufsschule Meppen im Emsland sind zum Beispiel nur zwei von 130 Auszubildenden auf einem biologischen Hof in der Lehre. Dort wird weniger als ein Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaftet, in Lüchow-Dannenberg sind es hingegen fast 14 Prozent.

Das beeinflusse natürlich den Unterricht, sagt Sophia Decker, die an der Berufsschule Lüchow lehrt: "Ich weiß aus Fortbildungen, bei denen man mit anderen Berufsschullehrern zusammen kommt, dass man dort doch deutlich Vorbehalte hat, ökologischen Landbau zu implementieren. Das sieht bei uns einfach anders aus."

Initiative des Kompetenzzentrums

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Hof Lemberg in Lüchow-Dannenberg ist auf Milchvieh spezialisiert - 300 Kühe und Kälber müssen versorgt werden.

In etwa zehn Prozent der Unterrichtsstunden soll "alternative Landwirtschaft" gelehrt werden - das ist in allen Berufsschulen Niedersachsens so vorgesehen. Die Realität sehe aber oft anders aus, sagt auch Carolin Grieshop, Geschäftsführerin des Kompetenzzentrums Ökolandbau Niedersachsen. Viele Schulen hätten das Thema vernachlässigt.

Das Kompetenzzentrum hat deswegen vor etwa fünf Jahren in Niedersachsen eine Initiative gestartet, um Vertreter von Landwirtschaftskammer, Landvolk, Bioverbänden, Kultus- und Landwirtschaftsministerium an einen Tisch zu holen. Seitdem spiele das Thema Öko-Landbau in den Schulen eine immer wichtigere Rolle. "Mir geht es einfach nur darum, dass die Auszubildenden befähigt werden, in beiden Systemen zu wirtschaften. In den vergangenen Jahren war es so, dass der Öko-Landbau nicht konsequent unterrichtet wurde", sagt Grieshop.

Immer mehr Ausbildungsbetriebe

Noch sind nur etwa vier Prozent der Ausbildungsbetriebe in Niedersachsen Öko-Höfe. Aber der Öko-Landbau wächst, und damit auch die Zahl der Ausbildungsbetriebe - das beobachtet beispielsweise auch der Bioland-Verband in Schleswig Holstein. Dort zählt das Kultusministerium zwei bis zehn Prozent angehende Öko-Landwirte in jeder Ausbildungsklasse.

Jung-Landvolk ist zurückhaltend

Zurückhaltung beim Thema kommt vom Jung-Landvolk, den jungen Vertretern des niedersächsischen Bauernverbandes. Der stellvertretende Vorsitzende Henrik Brunkhorst ist überzeugt, dass in den Schulen ausreichend Öko-Landbau unterrichtet werde: "Die Entscheidung, ob ich meinen Betrieb später ökologisch oder konventiell bewirtschaften möchte, die trifft der Landwirt nicht in der Berufsschule. Und auch nicht während der Ausbildung. Die wird später getroffen."

Das sieht auch Carolin Grieshop vom Kompetenzzentrum Ökolandbau so. Aber gerade deswegen findet sie es wichtig, "dass Grundlagen auch gelegt werden bei jungen Menschen, die vielleicht mit 17, 18 sagen: Ich will gar nicht Öko-Landwirt werden, es aber mit 30 werden".

Wissen zur "Alternativen Landwirtschaft" wird geprüft

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Jan Stockmeier (r.) hat für seine Ausbildung einen ökologischen Hof gewählt, Sebastian Heins (l.) einen konventionellen.

Das Kompetenzzentrum organisiert mittlerweile bundesweit Dialogforen, um das Thema stärker in die Ausbildung zu integrieren. Auch der Azubi Sebastian Heins aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg kann sich vorstellen, später Bio-Landwirt zu werden. Der 19-Jährige möchte später mal den Hof seiner Eltern übernehmen, auf dem zurzeit noch konventionell gewirtschaftet wird. "Ich persönlich wäre ziemlich offen für beides. Es ist jetzt nicht so, dass ich sage: Nee, auf einem Öko-Betrieb will ich keine Ausbildung machen, sondern ich finde beides interessant. Und gerade für die Zukunft denke ich, dass viele Betriebe auch auf ökologisch wechseln."

In Niedersachsen ist "alternative Landwirtschaft" seit etwa einem halben Jahr auch prüfungsrelevant. Das heißt, die Azubis müssen - wie in Schleswig-Holstein bereits üblich - bei Tests auch Aufgaben aus dem ökologischen Bereich bearbeiten. Ein weiterer Schritt, um "Bio-Themen" stärker im Unterricht zu verankern.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | NDR Info Perspektiven | 14.02.2018 | 07:38 Uhr

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