Stand: 19.06.2018 16:30 Uhr

31. Oktober wird neuer Feiertag im Norden

Viele Norddeutsche können sich über einen zusätzlichen Feiertag freuen: Der 31. Oktober, der evangelische Reformationstag, wird auch in Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein zukünftig frei sein - obwohl es Kritik beispielsweise von Katholiken und jüdischen Gemeinden gab. In Bremen will die Bürgerschaft voraussichtlich am 21. Juni endgültig über den Reformationstag als neuen Feiertag abstimmen. Auch Bremen strebt eine einheitliche Regelung für alle Nordländer an. In Mecklenburg-Vorpommern ist der Reformationstag bereits seit Langem ein Feiertag.

Am 31. Oktober 1517 hatte Martin Luther in Wittenberg 95 Thesen zu den Missständen der Kirche seiner Zeit veröffentlicht. Diese Tat gilt als Beginn der Reformation. Die norddeutschen Regierungschefs hatten sich bereits bei einem Treffen im Februar 2018 dafür ausgesprochen, den evangelischen Reformationstag als gemeinsamen Feiertag für die norddeutschen Bundesländer einzuführen.

Keine Mehrheit für Buß- und Bettag

Der Niedersächsische Landtag sprach sich am 19. Juni 2018 mehrheitlich für den Reformationstag aus. 100 der 137 Parlamentarier stimmten für den Reformationstag, 20 stimmten dagegen, 17 Abgeordnete enthielten sich. Die rot-schwarze Landesregierung kommt auf 105 Stimmen. Vor der Abstimmung hatten die Fraktionen von SPD und CDU angekündigt, für die Abstimmung die Fraktionsdisziplin aufzuheben.

Die vier Alternativ-Vorschläge fanden im Landtag von Hannover keine Mehrheit. Der Internationale Frauentag (8. März), der Europatag (9. Mai), der Buß- und Bettag (variabel im November) und der "Tag des Grundgesetzes" (23. Mai) zogen gegen den Reformationstag den Kürzeren.

"Wichtig für die Geschichte Niedersachsens"

"Die Geschichte Niedersachsens wäre ohne die Reformation aller Voraussicht nach anders verlaufen", sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Zwar sei die Reformation ein unmittelbar religiös-kirchlicher Anlass gewesen. Ihre Auswirkungen seien aber weit über den kirchlichen Bereich hinausgegangen und hätten die gesamte Gesellschaft erfasst.

Jüdische Gemeinden: Untragbar

Die jüdischen Gemeinden sowie die katholischen Bistümer hatten sich gegen den Reformationstag ausgesprochen. Der Präsident der Jüdischen Gemeinden, Michael Fürst, bezeichnete eine solche Entscheidung für nicht nur fehlerhaft, sondern auch für untragbar. Fürst wies auf antisemitische Ausfälle des Reformators Martin Luther hin. Prälat Felix Bernard vom Katholischen Büro Niedersachsen warb für den Buß- und Bettag, mit dem alle Religionen etwas anfangen könnten. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hatte zusätzlich auch den Dreikönigstag am 6. Januar ins Gespräch gebracht. Ein neuer Feiertag solle religiös, aber nicht zu sehr abhängig von Konfessionen sein.

Hamburg stimmt für Tag der Reformation

Die Entscheidung der Hamburgischen Bürgerschaft war am 28. Februar 2018 gefallen. Bereits in diesem Jahr wird der "Tag der Reformation", wie er künftig heißen wird, arbeitsfrei sein. An jedem 31. Oktober wird es zudem freien Eintritt in die öffentlichen Museen geben, damit sich die Hamburger mit Stadtgeschichte, Kunst und Kultur auseinandersetzen können. Die Einnahmeausfälle werden den Museen aus zentralen Mitteln der Stadt erstattet. Den Gruppenantrag für den 31. Oktober hatte die CDU-Fraktion gemeinsam mit Abgeordneten der SPD und der Grünen eingebracht und hatte 66 Unterstützer von 121 Abgeordneten. Der neue Feiertag soll nach ihrem Willen kein rein protestantischer Feiertag werden, sondern alle Religionsgemeinschaften ansprechen.

Kieler Landtag: Keine Gegenstimme für Reformationstag

Der Kieler Landtag beschloss am 22. Februar 2018, den Reformationstag als neuen gesetzlichen Feiertag einzuführen. Der Landtag billigte den Gesetzentwurf nach einer lebhaften und kritischen Debatte ohne Gegenstimmen bei vier Enthaltungen. In der Debatte machten Redner von SPD, Grünen, FDP und SSW deutlich, dass sie statt eines weiteren kirchlichen Feiertages einen säkularen Feiertag wie den Tag des Grundgesetzes, der Landesverfassung, des Kieler Matrosenaufstandes von 1918 oder den Weltfrauentag lieber gehabt hätten. Nur Abgeordnete von CDU und AfD sprachen sich klar für den Reformationstag aus. Allerdings betonten alle, dass ein zusätzlicher Feiertag im norddeutschen Verbund zu begrüßen sei.

"Zusätzlicher Feiertag verdient"

Niedersachsen, Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein gehörten bisher zu den Ländern mit nur neun Feiertagen - Bayern hat hingegen 13. Die Menschen in den norddeutschen Bundesländern arbeiteten genauso hart wie die Menschen in Bayern, deshalb hätten sie den zusätzlichen Feiertag auch verdient, sagte Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD).

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 19.06.2018 | 16:15 Uhr

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