Stand: 26.04.2018 11:13 Uhr

Ohnsorg-Schauspieler lernen den Sound Hamburgs

von Peter Helling

Der Unterricht beginnt mit Zählen auf Plattdeutsch. In einer sonnigen Ecke des Zuschauer-Foyers im Hamburger Ohnsorg-Theater sitzen sie an einem Tisch: neun Leute - Schauspieler, Tänzer und eine Regisseurin. Vor jedem liegt ein Plattdeutsch-Lehrbuch wie in der Schule. Peter Nissen verteilt einen Text aus dem aktuellen Stück "Hello Dolly".

Am Ohnsorg-Theater ist Platt obligatorisch

Die Szene: Eine geschwätzige Hut-Verkäuferin steht vor ihrem Laden. Melanie fängt an zu lesen und Laura übersetzt. "Es ist 10 Uhr und der Laden hat immer noch nicht auf." Dann geht es reihum.

Jeden Montag bietet Peter Nissen seinen Unterricht an. Der ist freiwillig, aber am Ohnsorg muss das Plattdeutsch einfach sitzen. "Plattdeutsch ist natürlich ein Identifikationsmerkmal in Hamburg", meint Peter Nissen. Seine Schüler nennen ihn liebevoll Plattdeutsch-Papst. Bei ihm ist Plattdeutsch die Familiensprache.

Seit mehr als 20 Jahren unterrichtet er freiberuflich. Louisa ist eine seiner Schülerinnen: "Ich habe hier angefangen in 'Dat Narrenhuus' und da wurde nicht nur der Gesang einstudiert, da ging es dann auch um die richtige Aussprache."

Platt wie eine neue Sprache lernen

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Jeden Montag bietet Peter Nissen Plattdeutsch-Unterricht an.

Einen Fehler sollte man nie machen: Plattdeutsch ist kein Dialekt, sondern eine ganz eigene Sprache - mal mit Ecken und Kanten und mal ganz weich. Bei Stefan klingt das schon ganz flüssig. Laura braucht noch ein bisschen, denn es ist gar nicht so einfach. "Stellt euch vor, dass ihr das 'A' nicht unten im Mundraum wie im Hochdeutschen, sondern viel weiter vorn produziert. Und nun schiebt das 'A' mal vor die Zähne", erklärt Nissen die Bildung des Vokals und macht es vor. Das klingt ein bisschen nach norddeutscher Ente.

Keiner der Schüler ist Muttersprachler

Aber dann kommt etwas für die Könner. Peter Nissen verteilt sogenannte Schnellsprecher. Das geht noch schneller, feuert Peter Nissen seine Schüler an. Für Dieter Nissen ist das der Sound von Hamburg und den gibt's in Reinform wohl nur am Ohnsorg-Theater. Muttersprachliches Plattdeutsch kann eigentlich keiner der Darsteller. Sie kommen aus Hessen, Schwaben und der Schweiz. Melanie aus Bern sieht sogar Ähnlichkeiten zum Schweizerdeutsch. Zum Beispiel das Haus, "dat Huus", ist auf Schweizerisch auch das "Huus".

Ayla kommt aus dem Oldenburger Raum und hat türkische Wurzeln. "Wir hatten auch eine Plattdeutsch-AG in der Schule, da waren die ganz uncoolen Kids drin. Ich hätte mir nicht unbedingt ausgemalt, dass ich mal so eine Freude daran finde." Die Sprache klinge irgendwie lockerer und freier als unser gestochenes Hochdeutsch. Stefan mag Plattdeutsch, weil es mehr an die Substanz ginge. Man könne die Gefühle leichter sagen. Luisa macht es vor: "Ich sage manchmal zu meinem Freund: 'Ik hebb di leev.'" Die wichtigsten Sätze des Lebens - sie klingen immer wie Musik.

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