Sendedatum: 15.02.2017 20:05 Uhr  | Archiv

Über Nordfriesland

Know-how für den Deichbau aus den Niederlanden

Die Unterhaltung der Deiche befand sich jahrhundertelang weitgehend in bäuerlicher Hand und wurde erst in neuester Zeit gänzlich zu einer staatlichen Aufgabe. Dies galt zunächst auch für den Deichbau. Vor allem im 17. und 18. Jahrhundert ergriffen zunehmend die Landesfürsten Initiativen für Eindeichungen in großem Stil. Sie beauftragten damit häufig kapitalkräftige Interessenten und Deichbaumeister aus den Niederlanden, wie überhaupt die Kultur- und Wirtschaftsgeschichte Nordfrieslands in vielfältiger Weise dank niederländischer Einflüsse mitgeprägt worden ist.

Gestärkt werden Eigenverantwortung und Selbstbewusstsein auch durch die sogar in absolutistischer Zeit bestehende Selbstverwaltung in den "Landschaften", wie sie vor allem in Eiderstedt, aber in weniger ausgeprägter Form auch in manchen anderen Teilen Nordfrieslands bis in die preußische Zeit hinein galt.

Kreis Nordfriesland 1970 gebildet

Der nordfriesische Raum gehörte seit der preußischen Landkreisordnung von 1867, die an die Stelle der bis dahin verwirrend vielfältigen Verwaltungsformen trat, zu den Kreisen Tondern, Husum und Eiderstedt. Bei der Volksabstimmung 1920 wurde der - nicht von Friesen besiedelte - Nordteil des Kreises Tondern an Dänemark abgetreten: bei Deutschland verblieb der Kreis "Südtondern". Erst 1970 wurden mit der Bildung des Kreises Nordfriesland alle nordfriesischen Gebiete - mit Ausnahme der Insel Helgoland - in einer Gebietskörperschaft zusammengefasst.

Von den 151.000 Einwohnern des Kreises (Stand:1989) wird sich herkunftsmäßig aber schätzungsweise nur ein gutes Drittel als Friesen bezeichnen. Denn zum einen greift das Kreisgebiet im Osten über den ursprünglichen friesischen Siedlungsbereich hinaus und zum anderen hat es in der Geschichte immer wieder stärkere Zuwanderungen gegeben, so in besonders großem Ausmaß durch Flüchtlinge und Vertriebene in der Folge des Zweiten Weltkrieges.

Große Wattflächen - wenig Menschen

Der Kreis Nordfriesland umfasst 2.048 Quadratkilometer. Mit 73 Einwohnern je Quadratkilometer (Schleswig-Holstein: 163) weist er von allen Landkreisen Schleswig-Holsteins bei Weitem die geringste Bevölkerungsdichte auf und gehört zu den am dünnsten besiedelten Gebieten Deutschlands. Die nordfriesischen Wattflächen, die größtenteils in früheren Jahrhunderten bewohnt waren, haben eine Größe von rund 1.600 Quadratkilometern.

Im Kreisgebiet bestehen 16 Ämter mit 125 Gemeinden sowie vier amtsfreie Gemeinden. Hinzu kommen acht Städte (Einwohnerzahlen nach dem Stand vom 30. 09. 1989): Husum als Kreisstadt (20.651 Einwohner), Westerland/Sylt (9.395), Niebüll (6.667), Tönning (4.802), Bredstedt (4.593), Wyk/Föhr (4.436), Friedrichstadt (3.044) und Garding (2.221); größere amtsfreie Gemeinden sind Leck (7.020 Einwohner) und Sankt Peter-Ording (3.636). Erst spät erhielten Ortschaften in Nordfriesland Stadtrechte, als erste Garding und Tönning im Jahre 1590, dann Husum 1603 und als Neugründung Friedrichstadt im Jahre 1621. Im 20. Jahrhundert erst folgten Bredstedt (1900), Westerland (1905), Wyk (1910) und Niebüll (1960).

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Friesisch für Alle | 15.02.2017 | 20:05 Uhr

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