Sendedatum: 15.02.2017 20:05 Uhr  | Archiv

Über Nordfriesland

Kein Streben nach Unabhängigkeit

Eine politische Bezugsgröße ist Nordfriesland zu keinem Zeitpunkt gewesen. Ein nordfriesisches Staatsgebilde hat es nie gegeben und die Nordfriesen strebten es auch nicht an. Nur zweimal blitzte der Gedanke eines nordfriesischen Staates kurz in der politischen Auseinandersetzung auf: 1848 vertreten durch den nordfriesischen Revolutionär und Schriftsteller Harro Harring (1798 - 1870), 1919/20 durch den Bauernpolitiker Cornelius Petersen (1882 - 1935). Beide fanden mit ihrer irrealen Vorstellung aber keine Gegenliebe bei der Bevölkerung. Die regionale Identifikation richtete sich durch die Jahrhunderte vor allem auf die eigene Harde (Verwaltungs- oder Gerichtsbezirk), Landschaft oder Insel, kaum einmal auf "Nordfriesland" insgesamt. Die politischen Geschicke wurden bereits frühzeitig von außerhalb gelenkt, vor allem von Kopenhagen und Gottorf/Schleswig, später dann von Berlin, Bonn und Kiel aus.

Friesisches Recht erstmals 1462 schriftlich aufgezeichnet

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Statue der Justitia

Blieb auch das politische Feld im engeren Sinne weitgehend unbestellt, so konnten sich die Nordfriesen im "vorpolitischen" Raum lange Zeit ein Eigenleben bewahren, vor allem im Bereich der Rechtsverfassung. Lediglich in den drei - nur im Westteil von Friesen bewohnten - Geestharden Karrharde, Norder- und Südergoesharde galt das dänische "Jydske Lov", das jütische Gesetzbuch. In den 13 Harden der Uthlande hingegen wurde friesisches Recht angewendet. Diese Harden der Uthlande waren: Sylt, Osterland-Föhr, Westerland-Föhr mit Amrum (seit 1411/35 reichsdänische Exklave), die Wiedingharde (zunächst Horsbüllharde), die Bökingharde, die fünf Harden Alt-Nordstrands, nämlich die Wirichs-, Pellworm-, Edoms-, Beltring- und Lundenbergharde, sowie die sogenannten Dreilande Utholm, Everschop und Eiderstedt.

Das jahrhundertelang mündlich überlieferte friesische Recht wurde erst 1426 erstmals schriftlich aufgezeichnet. Zu Konflikten mit dem Landesherrn führte vor allem die Frage der Abgabepflicht. Freiheit wurde vor allem verstanden als ein weitgehendes Befreitsein von Steuerzahlungen.

Technik des Deichbaus führt zu Wohlstand

Bestimmendes Element der friesischen Geschichte ist das Meer. Landgewinn und Landverlust waren entscheidender für die Entwicklung Nordfrieslands als kriegerische Schlachten. Aufgrund des ansteigenden Meeresspiegels begannen die Friesen etwa im 11. Jahrhundert mit dem Bau von Deichen. In ihrem Schutz konnte sich auf dem fruchtbaren Marschland eine blühende Landwirtschaft entwickeln. Einen Eindruck von dem Umfang dieses Bollwerks mag die heutige Gesamtlänge der in der Regel über acht Meter hohen Seedeiche in Nordfriesland vermitteln; sie beträgt auf dem Festland nicht weniger als 132, auf den Inseln zusätzlich 92 Kilometer. Hinzu kommen noch die vielfach längeren Deiche, die inzwischen als Mittel- oder Schlafdeiche ins zweite, dritte oder vierte Glied gerückt sind.

Kaum ein anderes von Menschenhand errichtetes Bauwerk in Europa kann sich nach Umfang und Arbeitsaufwand mit den Deichen der Nordseeküste messen. Die Technik des Deichbaus sowie andere Fertigkeiten, wie etwa die Gewinnung des "friesischen Salzes" aus dem Torf im Untergrund der Watten, brachten Perioden großen Wohlstands. Solche Blütezeiten aber wurden mehrfach durch verheerende Sturmfluten beendet. Die großen "Mandränken" von 1362, als unter anderem der sagenumwobene Handelsort Rungholt zu bestehen aufhörte, und 1634, als mit der Insel Strand ein Kerngebiet Nordfrieslands zerstört wurde, ragen als die folgenschwersten Katastrophen hervor.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Friesisch für Alle | 15.02.2017 | 20:05 Uhr

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