Sendedatum: 15.02.2017 20:05 Uhr  | Archiv

Über Nordfriesland

Politisch Verfolgte finden auf Helgoland Asyl

Auf der in der Deutschen Bucht gelegenen Felseninsel Helgoland, die ebenfalls zum nordfriesischen Sprach- und Kulturraum gehört, leben 1.800 Menschen auf 1,6 Quadratkilometern. Die Insel wurde zwischen dem siebten und neunten Jahrhundert von Friesen von der südlichen Nordseeküste besiedelt. Lange Zeit bot sie auch einen Schlupfwinkel für die insbesondere auf den Hansehandel ausgerichtete Piraterie. Die Existenzgrundlage der Insulaner bildete von jeher das Meer mit Fischfang, Bergung von Strandgut und Lotsenfahrt. Seit der Gründung des Seebades 1826 gewann der Fremdenverkehr immer mehr an Bedeutung.

Bis 1807 gehörte Helgoland nach vielfach wechselndem Schicksal zum dänischen Reich, wurde zur Zeit der Kontinentalsperre von britischen Truppen besetzt und bot in englischer Zeit manchem politisch Verfolgten aus Deutschland Asyl. Hoffmann von Fallersleben dichtete hier 1841 das "Lied der Deutschen". Mit dem deutsch-britischen Tauschvertrag von 1890 erwarb das Deutsche Reich die Insel. Verwaltungsmäßig war sie bis 1922 dem Kreis Süderdithmarschen angegliedert, bildete dann einen selbständigen Kreis und wurde 1932 dem Landkreis Pinneberg zugeordnet.

Land- und Fischereiwirtschaft verliert an Bedeutung

Durch die Jahrhunderte war Nordfriesland, insbesondere in seinen weiten Marschgebieten, vor allem Bauernland. Ackerbau und Viehzucht bildeten bis an die Schwelle der Gegenwart die bei Weitem wichtigste Wirtschaftsform. Dem Strukturwandel der vergangenen Jahre und Jahrzehnte kommt für Nordfriesland deshalb eine geradezu epochale Bedeutung zu. In der Gegenwart arbeiten nur noch 9,5 Prozent aller Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei; gemeinsam mit Dithmarschen liegt der Anteil aber immer noch an der Spitze der Landkreise Schleswig-Holsteins (Landesdurchschnitt: 4,9 Prozent; Angaben für 1987).

Beeindruckend sind auch nach wie vor diese Zahlen: Vier Fünftel der Gesamtfläche Nordfrieslands werden landwirtschaftlich genutzt; in insgesamt 4.279 Betrieben werden nicht weniger als 261.000 Rinder, 195.000 Schweine, 85.000 Schafe und 3.700 Pferde gehalten; im Jahr 1987 wurden 392.000 Tonnen Getreide geerntet.

Walfang und Robbenschlag bringen Wohlstand

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Bild vom Walfang in früheren Zeiten

Neben der Landwirtschaft war, insbesondere für die Inselfriesen, die Seefahrt zeitweise die wichtigste Erwerbsquelle. Vor allem im 17. Und 18. Jahrhundert fuhr fast die gesamte männliche Bevölkerung der Inseln Amrum, Föhr und Sylt sowie der Halligen zur See und brachte es vor allem dank der Grönlandfahrt mit Walfang und Robbenschlag teilweise zu beachtlichem Wohlstand. Die Seefahrt verlieh manchem Inselfriesen einen Zug der Weltläufigkeit, der die Aufnahme nationalen Gedankenguts später keineswegs förderte. Verstärkt wurde diese Haltung noch durch die nach dem Niedergang der Grönlandfahrt im 19. Jahrhundert einsetzende Auswanderung nach Übersee, die nach der Einverleibung durch Preußen 1867 einen Höhepunkt erreichte und vor allem in Zeiten wirtschaftlicher Not und politischer Wirren eine Alternative blieb. Auf Föhr und Amrum gibt es noch heute kaum eine Familie, die nicht Verwandte in Amerika hätte.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Friesisch für Alle | 15.02.2017 | 20:05 Uhr

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