Ron Wood, Mick Jagger und Keith Richards auf der Berliner Waldbühne. Hinter ihnen sitzt Steve Jordan am Schlagzeug. © picture alliance/dpa | Soeren Stache

Rolling Stones beenden "Sixty"-Tour in Berlin mit Hit-Kanonade

Stand: 04.08.2022 09:30 Uhr

1965 hatten junge Rolling Stones-Fans nach der Show die Berliner Waldbühne auseinander genommen - am Mittwoch feierte am gleichen Ort ein betuchtes und betagteres Publikum Hits der Band aus sechs Jahrzehnten. 

Ron Wood, Mick Jagger und Keith Richards auf der Berliner Waldbühne. Hinter ihnen sitzt Steve Jordan am Schlagzeug. © picture alliance/dpa | Soeren Stache
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von Uli Kniep

Als die Rolling Stones ihre Karriere vor 60 Jahren starteten, konnte niemand ahnen, dass die Band noch heute die größten und schönsten Arenen füllen. Die Waldbühne in Berlin zählt zu diesen Orten, und Mick Jagger erinnerte sich und rund 20.000 Fans an die zu trauriger Berühmtheit gelangte erste Show am 15. September 1965 eben dort. Damals spielten die Stones für 20 Mark acht Songs in 30 Minuten. Aufgebrachte junge Leute randalierten daraufhin und lieferten sich eine wilde Rauferei mit der Polizei.

Die Waldbühne in Berlin während des Konzerts der Rolling Stones © NDR Foto: Uli Kniep
Die Berliner Waldbühne: 1965 kostet das Rolling Stones-Konzert hier noch 20 Mark - dauert aber auch nur 30 Minuten.
The Rolling Stones in Berlin: 19 Stücke aus sechs Jahrzehnten

Gestern kosteten die Tickets mehrere hundert Euro, und die Band spielte für ein betuchtes und betagteres Publikum 19 Stücke aus sechs Jahrzehnten. Von "Satisfaction" bis "Living in A Ghosttown" gab es diesmal mehr als zwei Stunden Rock und Rhythm and Blues vom Feinsten.  

Keith Richards trifft die Töne, Ron Wood soliert am meisten  

"Ihr singt total gut", lobte Mick Jagger seine textsicheren Fans, die "Out Of Time", "Paint It Black" und "Honky Tonk Women" lauthals schmetterten. Überraschend gut traf auch Keith Richards die Töne in "You Got The Silver", die meisten Gitarrensoli überließ er aber seinem Partner Ron Wood. 

"Gimme Shelter": Erinnerung an den Krieg 

Einen nachdenklichen Moment gab es, als zu "Gimme Shelter" rauchende Trümmer von zerbombten Häusern auf den Videowänden zu sehen waren und sofort der Krieg in der Ukraine präsent war. Doch Frontmann Mick Jagger ließ keine gedrückte Stimmung aufkommen, animierte das Publikum und machte sich über den endlich fertiggestellten Berliner Flughafen lustig: Der habe nur sieben Milliarden Euro gekostet und sei somit ein Schnäppchen. Für nur neun Euro sei er in die Stadt zum Essen gefahren.

Mick Jagger witzelt über Berliner Flughafen

Die Fans aber waren nicht allein wegen Jaggers Humor bestens gelaunt. Der Tenor: "Toll, was die noch drauf haben bei der Hitze und mit 79 Jahren!" Aber natürlich auch: "Schade, dass Charlie Watts nicht mehr da ist." An den vor knapp einem Jahr verstorbenen Schlagzeuger erinnerten die verbliebenen Stones mit einer Fotocollage. Steve Jordan trommelte gestern beim 118. Deutschland Auftritt der Band, wie Chronist Jagger bemerkte. 

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Die letzte Show in Deutschland überhaupt? 

Das Konzert in der Waldbühne schlossen die Rolling Stones mit einer Kanonade großer Hits wie "Jumping Jack Flash" und "Sympathy For The Devil". In Berlin endete die "Sixty"-Tour und vielleicht war es ja die letzte Show der Stones in Deutschland überhaupt. Andererseits: Können Band und Publikum überhaupt jemals "satisfaction" bekommen?

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 04.08.2022 | 06:40 Uhr

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