Stand: 22.01.2019 00:01 Uhr

Forscherin Reuther sucht nach geraubter Kunst

von Kerry Rügemer

Detektivarbeit im Museum - das ist mindestens so spannend, wie die Arbeit von Sherlock Holmes. Gesucht wird nach der Herkunft von Objekten. Viele Dinge sind durch die Plünderung in Kolonien und im Zuge jüdischer Enteignung in Museen gelangt. Die Suche nach der Herkunft und dem manchmal eben nicht so legalem Weg der Objekte ins Museum heißt Provenienzforschung. Am Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg ist es Silke Reuther, die den Dingen auf den Grund geht. Eine Begegnung mit der Museumsdetektivin.

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Die Kunsthistorikerin Dr. Silke Reuther forscht am Museum für Kunst und Gewerbe nach der Herkunft von Objekten und Exponaten.

Silke Reuthers Augen blitzen. Den Dingen auf den Grund gehen, Fragen beantworten, die wahre Geschichte eines Objektes herausfinden - das ist seit vielen Jahren ihr Metier. "Was Spaß macht, ist das Kriminalistische, dass man sich eine Schale oder einen Becher oder einen Stuhl anguckt und sagt: 'Ich finde heraus, wer du bist!'", sagt sie.

Silke Reuther wühlt sich durch Papierberge: "Sie müssen unglaublich viel Recherchen anstellen. In unserem eigenen Archiv ist es immer einfach, aber in den Landes- und Bundesarchiven ist die Suche nach Personen eine sehr aufwendige Arbeit."

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Raubkunst? Das Marmorpaneel aus Ghazni

21.11.2018 09:55 Uhr

Das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg hat einen spektakulären Fall von Raubkunst vorgestellt: ein Wandpaneel aus Afghanistan. Es könnte direkt aus "Tausendundeine Nacht" stammen. mehr

Manche Suchen dauern etliche Jahre

Manchmal dauert die Suche nur ein paar Tage - manchmal aber auch einige Jahre. Nicht immer führt sie zu einem Ergebnis. Vor allem bei Porzellan aus Asien ist es schwierig, weil viele Objekte keine Unikate sind. "Wenn Sie nicht den berühmten 'Detscher' an der Vase haben, die diese Stücke identifizierbar machen, haben Sie natürlich eine große Auswahlmöglichkeit", sagt Reuther.

Marmorpaneel wurde geraubt

Kein "Detscher", aber ein feiner Riss war der Fingerabdruck für den Beweis, dass es sich bei einem historischen Marmorpaneel aus Afghanistan tatsächlich um geraubtes Kulturgut handelt. Es war genau dieses Paneel, das beim Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan verschwand: "Wenn Sie sich das genau angucken: Es hat in einem dieser Marmorornamente einen Riss und anhand dessen kann man es wunderbar identifizieren", erklärt Reuther. "Es gibt über 100 solcher Paneele, die alle sehr ähnlich sind. Aber ein solcher Riss macht es zum Unikat." Man habe so sehen können, woher es komme und wohin es gehöre: nämlich in das Museum für afghanische Kunst in Ghazni.

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NS-Raubkunst: Enkel erhält Silberbecher zurück

08.11.2018 11:00 Uhr

Ein Stück NS-Raubkunst kehrt zurück: Das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg hat einen Silberbecher an den Enkel eines NS-Opfers ausgehändigt. mehr

Vor allem Raubkunst aus der Nazizeit beschäftigt die Kunsthistorikerin häufig. Die vielen Silberobjekte sind oft nicht mehr einfach zuzuordnen. Aber auch hier war sie bei einem kleinen silbernen Kidduschbecher aus jüdischen Besitz erfolgreich: Der Becher aus Familienbesitz war 1939 vom NS-Regime beschlagnahmt worden - und konnte im November an die überglücklichen Nachfahren zurückgegeben werden. Das sind die Momente, die Silke Reuther nach all den staubigen Akten glücklich machen.

Jemand hält einen antiken verzierten Becher in den Händen

Museumsdetektive: Raubkunst in Hamburg gefunden

Kulturjournal -

1939 haben die Nazis Silberstücke der jüdischen Familie Hahn aus Göttingen beschlagnahmt. Sie galten lange als verschollen. Doch nun hat ein Forscher ein Stück der Sammlung gefunden, in Hamburg.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 22.01.2019 | 19:00 Uhr