Stand: 15.04.2019 16:16 Uhr

Nazi-Opfer Emden: Erben wollen Gerechtigkeit

von Sophia Münder

Es war ein privilegiertes Leben, ein Leben in Luxus, aber auch ein großzügiges Stifterleben, das der jüdische Kaufmann Max Emden führte. Er besaß zahlreiche Immobilien und Kaufhäuser, trug eine stattliche Kunstsammlung zusammen und stiftete der Freien und Hansestadt Hamburg den ersten Golfclub und Poloclub - bis die Nationalsozialisten ihn nach und nach enteigneten und zu Notverkäufen aus seiner Kunstsammlung zwangen.

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Juan Carlos Emden kämpft seit Langem für das Erbe seines Großvaters Max Emden.

Zwei Canaletto-Bilder daraus befinden sich heute im Besitz der Bundesrepublik. "Ich bin nicht wütend. Was mich verstört, ist die Genauigkeit der deutschen Archive. Die wussten exakt, was zu welchem Namen gehört", sagt Juan Carlos Emden, Enkel von Max Emden. Erst kürzlich hat die Beratende Kommission der Bundesregierung die Rückgabe empfohlen - über 20 Jahre nach Unterzeichnung der Washingtoner Erklärung und nach langem Kampf der Erben. Eigentlich ein Skandal! Jetzt zeichnet ein Dokumentarfilm den Fall auf: "Auch Leben ist eine Kunst - Der Fall Max Emden".

Ein älterer Herr steht vor einer wandgroßen Fotografie mit Polospielern. © Real Fiction

Nazi-Opfer Emden: Erben wollen Gerechtigkeit

Kulturjournal -

Der jüdische Kaufmann Max Emden besaß zahlreiche Kaufhäuser und eine Kunstsammlung - bis die Nazis ihn zu Notverkäufen zwangen. Schon lange kämpfen seine Erben um Gerechtigkeit.

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Der lange Arm der Nazis reichte bis in die Schweiz

Max Emden war ein Hamburger Visionär mit jüdischen Wurzeln, gründete Kaufhäuser wie das KaDeWe in Berlin oder Oberpollinger in München. Schon 1927 ging er in die Schweiz, kaufte die Brissago-Inseln im Lago Maggiore: ein Refugium im Luxus, überaus mondän und lebensfroh. Doch Emden war auch ein großer Mäzen.

Der lange Arm der Nazis reichte bis in die Schweiz. Max Emden musste seine bedeutende Kunstsammlung und wertvollen Immobilien unter anderem in Hamburg zwangsverkaufen. Obwohl er konvertiert war, galt er bei den Nazis als Jude. Die beiden Filmemacher Eva Gerberding und André Schäfer zeigen das weitgehend unbekannte Schicksal von Max Emden in ihrer Dokumentation. "Das Verhalten gegenüber den Erben ist eigentlich moralisch unmöglich. Ich finde, es geht gar nicht so sehr um Gerechtigkeit, es geht wirklich um Moral", so Gerberding.

Zwangsenteignung in Hamburg

In Hamburg förderte Max Emden Wissenschaft, Kunst und Kultur. Hier gehörten ihm unter anderem Teile des heutigen Botanischen Gartens und der Polo-Platz. Er musste unter Wert verkaufen. Max Emden starb 1940 am Lago Maggiore - als Schweizer Staatsbürger.

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Vertritt die Familie Emden vor Gericht: Anwalt Markus Stötzel.

Nach dem Zweiten Weltkrieg forderte die Jewish Trust Corporation die Restitution der Grundstücke in Hamburg, noch ohne die Erben zu kennen. Der Fall wurde eingestellt und offiziell abgeschlossen. Genau darauf beruft sich die Stadt Hamburg bis heute. "Die Stadt Hamburg hat in den damaligen Verfahren behauptet, dass Max Emden tatsächlich kein Jude gewesen sei, dass es sich um ganz reguläre rechtmäßige Geschäfte zu angemessenen Bedingungen gehandelt habe", sagt Markus Stötzel, Anwalt der Familie Emden. "Was schlicht und einfach falsch und wahrheitswidrig war. Das heißt, man hat hier vor Gericht in den damaligen Verfahren getrickst und so der Familie das, was ihr eigentlich schon vor 60 Jahren zugestanden hätte, vorenthalten."

Und die Stadt Hamburg sucht auch nicht das Gespräch mit den Erben. "Die Behörden haben keinen Gesprächsbedarf: Für sie ist alles nach Vorschrift gelaufen", so Juan Carlos Emden. "Es ist vorbei. Keine gesetzliche Handhabe, Mr. Emden. Ciao. Bye-bye." "Dass der Senat überhaupt nicht bereit ist, mit der Familie Emden in Kontakt zu treten und das Gespräch zu suchen, ist mir als Hamburgerin richtig peinlich", sagt die Regisseurin.

Canaletto-Gemälde sollen an die Familie zurückgegeben werden

In Bezug auf die Bilder von Canaletto gibt es jetzt Bewegung - und Aussicht auf das Ende einer Skandal-Geschichte. Sie sind in Besitz der Bundesrepublik, eines hing bis in die frühen 2000er-Jahre in der Villa Hammerschmidt.

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Eines der beiden Bilder von Canaletto, die im Besitz der Bundesrepublik Deutschland sind.

Den Restitutionsanspruch der Familie Emden lehnte die Bundesregierung einst ab. Jetzt - 14 Jahre später - empfiehlt die Beratende Kommission, die in solchen Fällen zwischen den Parteien vermittelt, endlich die beiden Canalettos an die Erben zurückzugeben. Auf Anfrage vom Kulturjournal äußert sich die Bundesregierung freilich noch nicht. Man warte auf die Begründung der Kommission. "Wird es dadurch zu einer Rückgabe kommen? Die Familie Emden hofft es sehr", sagt Gerberding. "Wir hoffen es natürlich auch. Und ehrlich gesagt, wäre es auch an der Zeit, dass das passiert."

Juan Carlos Emden lässt die Empfehlung hoffen: "Das ist eine schöne und für heute wirklich angemessene Geste. Ich schätze das. Und für uns als Familie ist das endlich ein Schritt in Richtung Gerechtigkeit. Es schlagen doch noch Herzen in Berlin."

Anwalt sieht Grund genug, den Fall in Hamburg aufzurollen

Für den Anwalt wäre die Rückgabe der Bilder Grund genug, auch in Hamburg den Fall Emden wieder aufzurollen: "Ich glaube, dass da schon ein deutliches Signal davon ausgeht, auch an die Stadt Hamburg, sich mit dem Thema jetzt endlich zu beschäftigen und gemeinsam mit der Familie nach Lösungen zu suchen."

Auf Anfrage vom Kulturjournal verweist die Freie und Hansestadt Hamburg auch nach der Empfehlung der Beratenden Kommission wieder nur auf das abgeschlossene Restitutionsverfahren.

"Auch Leben ist eine Kunst - Der Fall Max Emden"

Dokumentarfilm von Eva Gerberding und André Schäfer

Ab 25. April im Kino

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Dieses Thema im Programm:

Kulturjournal | 15.04.2019 | 22:45 Uhr