Wertvolle Augustus-Statuen kommen nach Hamburg

Stand: 30.09.2022 19:07 Uhr

Im Bucerius Kunst Forum wird die erste Augustus-Ausstellung in Deutschland seit 34 Jahren vorbereitet. Leihgaben aus den großen Antikensammlungen Europas kommen in die Hansestadt.

von Peter Helling

Hoher kaiserlicher Besuch steht unmittelbar bevor: "Der Augustus Verospi ist in den vatikanischen Sammlungen ein ganz besonderes Stück. Es war lange nicht klar, ob das Stück nach Hamburg würde reisen können. Wir mussten uns ein bisschen gedulden", erzählt Andreas Hoffmann, Geschäftsführer des Bucerius Kunst Forums und Kurator der Ausstellung.

Eine rund zweieinhalb Meter hohe Kiste steht aufrecht zwischen Kartons, Marmorbüsten und schnöden Klapp-Leitern. Ein Team von Spezialisten entfernt Schraube für Schraube. "Sie sehen: Es sind zwei Kisten, eine äußere Kiste, die drum rum ist, und viele Schaumstoffelemente, die die eigentliche Kiste innen schützen", erklärt der Kurator.

Kaiser Augustus: Zwischen Coverboy und Gott

Frisch gereinigt, soll Kaiser Augustus gleich erscheinen. Für Kurator Andreas Hoffmann ist es ein besonders spannender Moment. "Wir haben jetzt nur noch die Verstrebungen, die das Stück nach vorne halten. Wir werden peu à peu die Kiste demontieren, so dass man die Statue gleich von allen Seiten sehen kann", sagt Hoffmann.

Augustus © NDR Foto: Peter Helling
Damit die Statue den langen Weg von Rom nach Hamburg übersteht, wurde sie von allen Seiten eingepackt.

Ein jugendlicher Kopf aus strahlend weißem Marmor guckt zwischen Schaumstoffpolstern hervor: kalter Blick, nackter Oberkörper. 2.000 Jahre alt - der erste römische Kaiser in Überlebensgröße. Wie frisch aus der Dusche: Coverboy und Gott! "Wir haben hier einen Augustus vor uns, der in einem Hüftmantel, der sich nur um den Unterkörper schlingt, fast nackt gezeigt ist", erzählt Hoffmann. "Die Idee ist hier, die Heldenhaftigkeit, die übermenschlichen Qualitäten des Begründers dieser neuen Gesellschaftsordnung zu zeigen."

Augustus' Medienrevolution

Andreas Hoffmann ist mehr als zufrieden: "Wenn Sie genau hingucken, dann sehen Sie, dass der gesamte Haarbereich, diese wunderbare Frisur, in so einem Braunrot gehalten ist."

Einfach herrlich, diese kaiserliche Pracht, förmlich zum Niederknien. Aber Vorsicht: Die Ausstellung will klugerweise nicht einfach Marmor, Münzen und Luxus der Römerzeit zeigen, sondern: wie Augustus nach dem Tod der Republik einen Bilderboom auslöste: Sein "Image" stand in den entlegensten Ecken des römischen Riesenreichs.

Eine Medienrevolution nennt es der Kurator: "Bei Augustus ist der Fall völlig neu, weil es nun notwendig wird, das Bild des Kaisers für jeden greifbar zu machen. Und das geschieht in den unterschiedlichsten Medien." Zum Beispiel auf Münzen. Augustus wurde zur Marke: "Und damit war das Bild des Kaisers für jeden in der Hosentasche oder Toga-Tasche, wenn Sie wollen, greifbar."

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Seiten eines Kalenders © Fotolia_80740401_Igor Negovelov
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Direkte Verbindung zum heutigen Bilderboom

Kopf des Augustus mit Bürgerkrone,
um 40 n. Chr., München, Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek, Inv. GL 350A © Bucerius Kunst Forum/ Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek
Die Macht der Bilder spielte schon vor 2.000 Jahren für Autokraten eine wichtige Rolle.

Andreas Hoffmann und sein Team ziehen eine direkte Linie von diesem Bilderboom vor 2.000 Jahren zu unserer bildversessenen Zeit heute. Reiche römische Familien stellten sich einen feschen Kaiser in die Wandnische, um Loyalität und Nähe zum neuen Regenten zu zeigen: "Das ist für die Ausstellung sehr wichtig, dass man nicht in ein unreflektiertes Staunen hinein gerät ob der unglaublichen handwerklichen Qualität, sondern sich vor Augen führt: Das hat auch viel mit Autokraten heute zu tun", sagt Hoffmann.

"Die Aktualität liegt darin, dass es diesen immensen Bilderboom gibt, dann auf der anderen Seite Nähe zu den Autokratien - Putin, Erdoğan. Gelenkte Demokratie ist etwas, was plötzlich sehr nahe ist", meint der Kurator. Aus den Marmoraugen blickt einen ein Herrscher an, der zu Lebzeiten eine Blutspur hinter sich hergezogen hat. "Mussolini, Hitler und Stalin haben sich - Mussolini ganz explizit - sehr stark auf Augustus bezogen", erzählt Hoffmann.

Augustus-Ausstellung im Bucerius Kunst Forum ab 8. Oktober

Die Macht der Bilder: Sie ist eine der größten Gefahren für die Republik, für die Demokratie. Wo Bilder Worte und Argumente ersetzen, ersetzt das Staunen auch den Zweifel. Gerade heute. Die Ausstellung "Die neuen Bilder des Augustus" im Bucerius Kunst Forum in Hamburg wird am Sonnabend, den 8. Oktober, eröffnet und geht bis zum 15. Januar.

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Das Bucerius Kunst Forum von außen betrachtet. © Bucerius Kunst Forum Foto: Ulrich Perrey

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Im Bucerius Kunst Forum wird die erste Augustus-Ausstellung in Deutschland seit 34 Jahren vorbereitet - mit Leihgaben aus ganz Europa.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Bucerius Kunst Forum
Alter Wall 12
20457  Hamburg
Preis:
9 Euro, ermäßigt und montags 6 Euro
Öffnungszeiten:
freitags bis mittwochs 11:00 - 19:00 Uhr
donnerstags 11:00 - 21:00 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 30.09.2022 | 17:45 Uhr

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