Gemälde "Ronmay" von Max Pechstein (1917): Knallige Farben zeigen eine nackte, dunkelhäutige Frau mit einer roten Blume in der Hand. Hinter ihr ist üppiges Grün zu sehen und weitere Menschen, die offenbar wenig Kleidung tragen. © Screenshot

"Der Weiße Blick" - Hamburger MARKK lädt zum Gespräch

Stand: 04.10.2022 09:00 Uhr

Um 1910 reisten Emil Nolde und Max Pechstein zum Malen in die Südsee - und hatten die Bilder schon vorher im Kopf. Das Hamburger MARKK lädt unter dem Titel "Der weiße Blick - Expressionismus und Kolonialismus" zu Filmvorführung und Gespräch.

Wie spiegelt sich der Kolonialismus in der Kunst? Mit welchen Erwartungen, Vorurteilen und persönlichen Erfahrungen gestalteten deutsche Künstler ihr Bild von der Südsee? Die Dokumentation "Der Weiße Blick" (NDR/arte) von Wilfried Hauke erzählt die Geschichte des deutschen Expressionismus erstmals im Kontext von kolonialer Ausbeutung und rassistischer Menschenkunde.

Als die Maler Emil Nolde und Max Pechstein um 1910 ins damalige Deutsch-Neuguinea und zu den Palau-Inseln reisten, war ihr "Südsee-Paradies" bereits durch die europäischen Kolonialherren zerstört. Ernst-Ludwig Kirchner blieb zuhause, baute sich im Atelier die Südseeexotik als Ambiente nach. Alle drei wollten die Malerei in Deutschland revolutionieren und sich dazu an der Ursprünglichkeit der indigenen Kunst schulen.

"Der Weiße Blick": in die Südsee mitgebracht   

Nolde und Pechstein blendeten vor Ort den Untergang der fremden Welt aus. Sie malten in der Südsee so, wie sie es in ihren Köpfen als "weißen Blick" von daheim mitgebracht hatten und eigneten sich die künstlerischen Formensprache der Indigenen wie "Raubgut" an. 

Erfolg aus dem Kunstmarkt mit dem "Wilden" und "Primitiven"

Lotte und Max Pechstein 1914 auf dem Weg in die Südsee © NDR/ARTE/Max Pechstein Urheberrechtsgemeinschaft
Lotte und Max Pechstein 1914 auf dem Weg in die Südsee

Ihre Südsee-Sehnsucht hatten Nolde, Kirchner und Pechstein durch Besuche in den völkerkundlichen Museen in Berlin und Dresden genährt, wo sie ersten Kontakt mit der Kunst fremder Kulturen hatten. Und natürlich war ihnen der Franzose Paul Gauguin ein Vorbild darin, wie mit Bildern über das vermeintlich "Wilde" und "Primitive" Erfolg auf dem Kunstmarkt zu erzielen war. Der Film zeigt viele Fotos von Südseereisen und Expeditionen - auch aus dem Archiv des Hamburger Museums am Rothenbaum - Kulturen und Künste der Welt (MARKK). 

Filmvorführung im MARKK am 4. Oktober 

Heute Abend um 18 Uhr wird "Der Weiße Blick - Expressionismus und Kolonialismus" im Hamburger MARKK gezeigt. Dazu gibt es ein Gespräch mit Regisseur Wilfried Hauke und Museumsdirektorin Barbara Plankensteiner. Die Moderation übernimmt Christoph Bungartz von NDR Kultur. 

Weitere Informationen
Das MARKK in Hamburg frontal gesehen © Paul Schimweg/MARKK

Kulturpartner: Museum am Rothenbaum

Das MARKK fördert die Wertschätzung für Kulturen und Künste der Welt. Im Zentrum des Programms stehen seine globalen Kunst- und Kulturbestände. extern

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 04.10.2022 | 09:30 Uhr

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