Rostocker Ausstellung "Kunst & Hallen: Kunstsinn über Mauern hinweg" in Berlin © NDR.de Foto: Juliane Voigt

Kunsthalle Rostock zu Gast in Berlin

Stand: 23.11.2021 10:48 Uhr

Die Kunsthalle Rostock wird gerade saniert. Das eröffnet offensichtlich neue Aussichten. Am Wochenende wurde in Berlin die Ausstellung "Kunst & Hallen: Kunstsinn über Mauern hinweg" mit Kunst aus Rostock eröffnet.

Rostocker Ausstellung "Kunst & Hallen: Kunstsinn über Mauern hinweg" in Berlin © NDR.de Foto: Juliane Voigt
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von Juliane Voigt

Es ist eine große Industriehalle. Grauer Fußboden, weiße Galeriewände, beleuchtet von knapp 100 Metern Oberlicht. Ein dreiteiliges Schwarz-Weiß-Foto hängt wie ein Raumteiler von der Decke: Es zeigt die Rostocker Kunsthalle im Bau 1969. Auch in Filmen, zu sehen auf einem Monitor, geht es um den einzigen Kunstmuseumsneubau der damaligen DDR.

Museale Sammlung in der Industriekulisse der Reinbeckhallen

Rostocker Ausstellung "Kunst & Hallen: Kunstsinn über Mauern hinweg" in Berlin © NDR.de Foto: Juliane Voigt
Die Rostocker Ausstellung "Kunst & Hallen: Kunstsinn über Mauern hinweg" wird noch bis Februar in den Berliner Reinbeckhallen zu sehen sein.

Bis zur baubedingten Schließung der Rostocker Kunsthalle im vergangenen Jahr haben regelmäßig auch Berliner Künstlerinnen und Künstler dort ausgestellt. Jetzt kommt Rostock eben nach Berlin, sagt Kunsthallenchef Uwe Neumann: "Dass wir jetzt mit unserer Sammlung hier sind und die Idee, die wir ausstellen und konzipieren, finde ich großartig. Es ist wirklich sehr gut gelungen, in so einer Industriehalle eine so museale Sammlung zu präsentieren", und erzählt weiter: "In diesem Raum, der einmal Arbeitswelt war, diese Arbeiterporträts zu haben, war sicherlich auch die Idee, die Welt der ehemaligen DDR einzufangen und in die Gegenwart, in die Zukunft zu transformieren. Und das ist gut gelungen."

Kunst transformieren also im ehemaligen Transformatorenwerk. Das waren die Reinbeckhallen in Oberschöneweide nämlich mehr als 100 Jahre lang. Heute sind sie denkmalgeschützt. In einer der Industriehallen hat die Reinbeckstiftung 2017 diese Kunsthalle eröffnet und zeigt jetzt die Rostocker Schau. Direktorin Solange Lingnau sagt dazu: "Für uns ist das super interessant, weil es eine Möglichkeit ist, über Kulturpolitik nachzudenken, wenn wir sehen, was 1969 - als die Rostocker Kunsthalle eröffnet wurde - dieser Ort damals war. Und wie Kunst präsentiert wird. Das zeigt auch, wie sich im Wandel der Zeit nicht nur Politik entwickelt, sondern auch Kulturpolitik und wo die Kunst immer ihren Platz findet."

Sozialistischer Realismus im Fokus

Viele der Gemälde zeigen den sozialistischen Arbeiter im Mittelpunkt der Gesellschaft. Sozialistischer Realismus, wie die Kunstrichtung genannt wird. Es sind zum Teil ganz unbekannte Maler darunter. Kuratorin Tereza de Arruda hat die Bilder und viele Skulpturen für die Ausstellung aus dem Sammlungsbestand ausgesucht: "Wir wissen, dass im sozialistischen Realismus der Arbeiter eine wichtige Rolle gespielt hat, auch in dem System: zum Teil als Propaganda, als Muster, als Held. Wie kann man sie integrieren, damit sie befreit sind von diesem Gewicht der Entstehungszeit? Als einzelne Werke, einzelne Positionen, die für sich stehen. Ich glaube, das ist superwichtig, dass die Kunst sich von solchen Paradigmen befreit."

Zu sehen sind diese Arbeiten deshalb in einem interessanten Kontext mit zeitgenössischer Kunst. Fotografien von Andreas Mühe - die Serie Tschernobyl - in großen Leuchtkästen zeigen Menschen in weißen Schutzanzügen. Auch großflächige sehr farbige Bilder von Norbert Bisky sind dabei. Die Kuratorin hat die Kunsthalle thematisch unterteilt. Tereza de Arruda: "Im Anfangsbereich der Ausstellung haben wir die figurative Malerei, die Menschendarstellung, aber sehr realistisch. In der Entwicklung der Ausstellung sehen wir auch eine Wiedergabe, aber vielleicht in einer abstrahierten Art und Weise."

Ausgestellt ist auch das älteste Objekt der Rostocker Sammlung: "Falke" von 1908, eine kleine Plastik von Gerhard Marks. Und eine Reihe formschöner Kunsthallen-Polsterbänke als authentische Ruhezone für die kunstsinnige Betrachtung von rund 50 Jahren Rostocker Kunsthalle. Mitten in Berlin.

Kunsthalle Rostock zu Gast in Berlin

Die Kunsthalle wird gerade saniert. Am Wochenende wurde deshalb in Berlin eine Ausstellung mit Kunst aus Rostock eröffnet.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Stiftung Reinbeckhallen
Reinbeckstraße 11
12459 Berlin
Preis:
9 Euro (ermäßigt 4 Euro), donnerstags ab 18 Uhr freier Eintritt
Öffnungszeiten:
Donnerstag und Freitag: 16-20 Uhr
Samstag und Sonntag: 11-20 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 23.11.2021 | 14:40 Uhr