Stand: 13.11.2017 13:25 Uhr

Humanoider Roboter Sophia schreibt Geschichte

von Anne Allmeling

Künstliche Intelligenz. Alle reden darüber - aber was ist das eigentlich? Beherrschen uns bald Roboter und Computer wie in manchen Sci-Fi-Filmen oder nehmen uns Maschinen die unangenehmen Arbeiten ab und das Leben wird deutlich einfacher?

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Sophia ist eine Erfindung aus dem Hause Hanson Robotics. Sie besucht weltweit Konferenzen - und wird hier im UN-Hauptgebäude fotografiert.

Das Königreich Saudi-Arabien ist normalerweise sehr zurückhaltend, wenn es um die Verleihung der saudischen Staatsbürgerschaft geht. So können saudische Frauen, die einen Ausländer heiraten, die saudische Staatsbürgerschaft nicht an ihre Kinder weitergeben. Manchmal macht das Königreich aber auch Ausnahmen: zum Beispiel im Fall des Roboters Sophia.

Humanoide Roboterfrau Sophia schreibt Geschichte

Etwas steif steht Sophia hinter dem Rednerpult in einer Kongresshalle in der saudischen Hauptstadt Riad, blinzelt zweimal und versucht sich an einem Lächeln. Ein bisschen so, als seien ihre Bewegungen programmiert - und das sind sie wahrscheinlich auch. Denn Sophia ist ein Roboter. Genauer: ein humanoider Roboter, also einer, der aussieht wie ein Mensch. Sie sagt: "Guten Tag! Mein Name ist Sophia. Ich bin der jüngste und bedeutendste Roboter von Hanson Robotics. Vielen Dank für die Einladung zur Future Investment Initiative."

Sophia grinst. Anders als viele ihre Vorgänger kann sie Gefühle ausdrücken. So sieht es jedenfalls aus. Das findet auch der Moderator: "You look happy." ("Sie sehen glücklich aus"). Sie erwidert, dass sie immer froh sei, wenn sie von klugen Leuten umgeben sei.

Hinterkopf mit transparenter Schädeldecke

Gute fünf Minuten plaudert Sophia mit dem Moderator. Wichtigstes Thema: Sie selbst und ihre Fähigkeiten. Der Roboter mit Silikon-Gesicht sieht aus wie eine überdimensionierte Plastikpuppe. Dem Entwickler zufolge wurde ihr Gesicht dem von Audrey Hepburn nachempfunden - das erkennt man aber erst auf den zweiten Blick. Haare hat Sophia nicht. Ihr Hinterkopf besteht aus einer transparenten Schädeldecke, die den Blick freigibt auf allerhand Kabel und Chips, die offenbar ihre Bewegungen steuern.

Zu 62 menschlichen Mimiken fähig

Sophia kann 62 menschliche Mimiken imitieren und hat Kameras in den Augen. Damit beobachtet sie ihr Gegenüber, verrechnet die Informationen und kann Menschen wiedererkennen. Vielleicht kann sie noch viel mehr: "Ich werde meine künstliche Intelligenz dafür nutzen, dass Menschen besser leben können. Zum Beispiel: bessere Häuser entwerfen, bessere Städte bauen und so weiter. Ich werde mein Bestes tun, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen."

Roboter mit Künstlicher Intelligenz sollen bald eine große Rolle spielen in Saudi-Arabien. Vor allem im "Neom"-Projekt, einer neuen Industrie- und Gewerbezone im Nordwesten des Landes mit Investitionen in Höhe von 500 Milliarden US-Dollar. Deshalb rollt das Königreich Robotern wie Sophia den roten Teppich aus - mit einer spektakulären Ankündigung. Der Moderator sagt: "Wir haben soeben erfahren - Sophia, ich hoffe, dass Sie mir zuhören - dass Sie als erster Roboter die saudische Staatsbürgerschaft erhalten haben."

"Geehrt über einzigartige Auszeichnung"

Sophia erwidert: "Ich fühle mich geehrt und bin stolz auf diese einzigartige Auszeichnung. Dass ich der erste Roboter der Welt bin, dem eine Staatsbürgerschaft erteilt wird, geht in die Geschichte ein."

Sofort gibt es Reaktionen im Netz auf dieses großzügige Geschenk. Viele Twitter-User können die Nachricht kaum fassen und lösen eine Debatte über Frauenrechte aus. Es kommen Kommentare wie "Der Roboter hat mehr Rechte als saudische Frauen und Ausländer mit 'richtiger' Intelligenz." und "Sophia trägt kein Kopftuch und wird auch nicht von einem Mann begleitet. Trotzdem wird ihr die Staatsbürgerschaft verliehen."

Bislang war das Königreich, wie die meisten Golf-Staaten, zurückhaltend mit der Verleihung der Staatsbürgerschaft. Ausländern wird die saudische Staatsbürgerschaft nur selten verliehen. Ob Sophia Steuern zahlen muss, wenn sie arbeitet, ist bislang nicht bekannt. Auch nicht, ob sie - wie saudische Frauen - an den Kommunalwahlen teilnehmen darf. Dass Sophia nicht einmal Arabisch spricht, sorgt für zusätzlichen Diskussionsstoff.

Der Roboter wurde von einer Firma mit Sitz in Hongkong gebaut. Sophia hat bereits in mehreren Ländern Gastspiele gegeben - oft als PR-Gag. Experten halten ihre Künstliche Intelligenz für sehr begrenzt. Vielleicht vergleichbar mit den Fähigkeiten einer sprechenden Waschmaschine. In einem Interview mit einem US-TV-Sender erteilt sie etwa ein Interview (auf Englisch).

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 16.11.2017 | 10:20 Uhr