Lance Henriksen und Viggo Mortensen streiten sich als Vater und Sohn im Film "Falling". © picture alliance/dpa/2020 PROKINO Filmverleih GmbH | 2020 PROKINO Filmverleih GmbH

"Falling": Viggo Mortensens Regiedebüt über Vater-Sohn-Konflikt

Stand: 12.08.2021 15:04 Uhr

Für sein beeindruckendes Regiedebüt "Falling" hat Viggo Mortensen ein Drehbuch mit autobiografischen Bezügen geschrieben und selbst die Hauptrolle übernommen.

Lance Henriksen und Viggo Mortensen streiten sich als Vater und Sohn im Film "Falling". © picture alliance/dpa/2020 PROKINO Filmverleih GmbH | 2020 PROKINO Filmverleih GmbH
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von Krischan Koch

Viggo Mortensen spielt in "Falling" einen Mann, der sich um seinen kranken Vater kümmern will, obwohl er sich ein Leben lang mit ihm gestritten hat. John holt seinen alten kranken Vater zu sich nach Los Angeles. Allein kommt Willis auf seiner großen einsamen Farm im Mittleren Westen nicht mehr zurecht, seit er unter Demenz leidet. Auf dem gemeinsamen Flug ruft er nach seiner verstorbenen Frau und beschimpft seinen Sohn.

"Falling": Homosexueller Sohn kümmert sich um rassistischen Vater

John will sich um seinen Vater kümmern, obwohl er sich ein Leben lang mit ihm gestritten hat. Willis (Lance Henriksen, bekannt aus Filmen wie "Aliens" und "Terminator") hat seinen Sohn in dessen Jugend schon als langhaarigen Schwächling beschimpft. Vor allem lehnt der reaktionäre Nörgler und Rassist die Homosexualität seines Sohnes ab, der seit vielen Jahren mit seinem chinesisch-stämmigen Partner und einer Adoptivtochter im liberalen Kalifornien lebt und natürlich demokratisch wählt.

Viggo Mortensen: Biografische Bezüge im Regiedebüt

John (Viggo Mortensen) lebt in einer glücklichen Partnerschaft mit Eric (Terry Chen)  - Szene aus Mortensens Regiedebüt "Falling" - © 2020 PROKINO Filmverleih GmbH
John (Viggo Mortensen) lebt in einer glücklichen Partnerschaft mit Eric (Terry Chen).

Die Rolle des homosexuellen Sohnes ist nicht autobiografisch. Aber sonst lässt Viggo Mortensen in seinem Drehbuch eigene Familienkonflikte, die Pflege und den Tod seiner Eltern durchschimmern. Und es geht dem ihm auch um eine allgemeine Stimmung fehlender Empathie, gerade jetzt in Zeiten von Corona, wie er anlässlich seiner Nominierung für den Europäischen Filmpreis erzählte: "Auf einer größeren Ebene kann man diese Familie als einen Spiegel dessen sehen, was in der Gesellschaft passiert. In ihr gibt es auch eine andere Pandemie: die der schlechten Kommunikation, des Konflikts und des fehlenden Mitgefühls."

Rückblenden zeigen eine zerrüttete Familie

Aus den kunstvoll einmontierten Rückblenden setzt sich das Bild einer zerrütteten Familie zusammen. Ein Leben lang haben John und auch seine ebenfalls angereiste Schwester die rüden Beleidigungen des Vaters erduldet, aber jetzt in Johns Zuhause in Kalifornien eskaliert der Konflikt, die aufgestauten Emotionen entladen sich.

In seinem beeindruckenden Regiedebüt gelingen Mortensen drastische, aber psychologisch präzise Familienszenen wie man sie eher aus dem skandinavischen Kino, als aus Hollywood kennt. Insbesondere der 81-jährige Altstar Lance Henriksen brilliert als sturer Kotzbrocken. Wenn zwischen all den Schimpftiraden für einen kurzen Moment Empathie aufblitzt, dann ist das reif für einen Oscar.

Falling

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2020
Produktionsland:
Kanada, Vereinigtes Königreich, Dänemark
Zusatzinfo:
Mit Viggo Mortensen, Lance Henriksen (Hauptdarsteller). Weitere Rollen: Hannah Gross, Laura Linney, Terry Chen
Regie:
Viggo Mortensen
Länge:
112 Minuten
Kinostart:
12. August 2021

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