Stand: 17.09.2020 06:00 Uhr

"Das letzte Wort": Bitter-süße Serie mit Anke Engelke

von Michael Meyer

Anke Engelke ist seit 25 Jahren aus dem deutschen Unterhaltungsfernsehen nicht mehr wegzudenken. Neben vielen Comedy-Rollen moderierte sie eine Vielzahl an Fernsehsendungen, Preisverleihungen, etwa die Berlinale oder die deutsche Teilnahme am "Eurovision Song Contest", versuchte sich an einer Late-Night-Show und spielte eine ganze Reihe von kleineren Rollen auch in Kino- und Fernsehfilmen. Nun ist sie in einer neuen NETLFIX-Serie namens "Das letzte Wort" zu sehen. Die Serie wird zwar als Comedy- Serie beworben, ist doch aber eher ernst: In "Das letzte Wort" geht es um Tod, Trauer, und das Leben nach dem Verlust eines geliebten Menschen. Doch ist die Serie gelungen? Fernsehkritiker Michael Meyer hat sie bereits gesehen.

Anke Engelke in der "Netflix"-Serie "Das letzte Wort" © Frederik Batier Foto: Frederik Batier
Nach dem Verlust des Ehemanns heuert Karla (Anke Engelke) bei einem Beerdigungsinstitut an.

Seit 25 Jahren sind Karla, gespielt von Anke Engelke, und ihr Mann Stephan verheiratet. Während dieser Zeit haben sie Kinder bekommen, sich gestritten, aber auch wieder versöhnt. Doch am Tag der Silberhochzeit stirbt Stephan ganz unerwartet. Nach anfänglichem Schock und Entsetzen über den plötzlichen Tod beschließt Karla, dass die Trauerfeier etwas ganz Besonderes sein muss.

"Das darf nicht irgendeine Beerdigung sein. Es muss besonders sein, das darf nicht sein, dass die Menschen einfach nur weg wollen, da sitzen ... Wissen Sie, was ich meine?"
"Ja, ich glaube schon."
"Das muss ein Fest sein - verstehen Sie?"
"Ja, ich glaube schon."
"Mit Musik und mit Tanz und mit ganz vielen Blumen - mit 'ner Brass-Band zum Beispiel, geht das?" Szene aus "Das letzte Wort"

Anke Engelke alias Karla macht Ausbildung zur Trauerrednerin

Wie schon zu erwarten, verläuft die Trauerfeier dann doch nicht nach Karlas Vorstellungen, und sie beschließt, dass sie es besser kann: Karla macht eine Ausbildung zur Trauerrednerin und heuert beim Beerdigungsinstitut Borowski an.  Borowski, ein Bestatter immer kurz vor der Pleite, ganz wunderbar trocken und lakonisch gespielt von Thorsten Merten, ist von der unkonventionellen Art von Karla ganz angetan und will sie einstellen.

Anke Engelke in der "Netflix"-Serie "Das letzte Wort" © Frederik Batier Foto: Frederik Batier
"Das letzte Wort" ist keine Comedy-Serie - zu ernst ist die Handlung. Engelke als Mid-Agerin spielt brillant.

Auf einer zweiten Ebene der Serie lebt der verstorbene Ehemann Stephan weiter. Schon zwei Jahre vor seinem Tod entdeckte Stephan, dass seine wahre Berufung die Kunst ist: Malerei, Skulpturen - und ging fortan nicht mehr in seine Praxis. Auch seine finanzielle Lage verheimlichte der nach außen treu sorgende Ehemann. Als Karla das herausfindet, ist die Überraschung groß - und doch gewinnt nach anfänglichem Entsetzen das Verständnis die Oberhand. Der verstorbene Stephan erwacht zu neuem Leben und wird ihr fiktiver Gesprächspartner:

"Wie hast Du das überhaupt hingekriegt, uns das vorzuspielen? So lange, jeden Tag, jeden Morgen, jeden Abend. Du musstest doch Schiss haben, dass das irgendwie auffliegt, hat Dich das nicht fertig gemacht?"
"Nein. Ich musste mich ja selbst nicht mehr belügen. Ich bin abends nach Hause gekommen und war zufrieden." Szene aus "Das letzte Wort"

Sechs lohnende Folgen mit Thorsten Merten und Engelke starten am 17. September

Die Netflix- Serie "Das letzte Wort" ist ein bitter-süße Geschichte, voller Reflektionen über Tod und Verlust, über die Zeit und den Moment, über die Freuden und Versäumnisse im Leben. Und doch: eine Comedy- Serie ist "Das letzte Wort" nicht geworden. Zu ernst ist die Handlung, zu traurig die Umstände, zu bitter die Veränderungen. Da helfen auch Ideen wie eine sexsüchtige Großmutter oder ein schwieriger Sohn, der sich in seine Therapeutin verliebt, nichts. Manche Szenen sind zwar witzig - doch der Sound der Serie ist insgesamt ein trauriger. 

Anke Engelke als Mid-Agerin in einer Umbruchsphase spielt brillant - ebenso wie Thorsten Merten als Bestatter, der auch die Idee für die Serie hatte. Dennoch hätte man sich manches etwas schräger, etwas schriller gewünscht: Britische oder amerikanische Drehbuchautoren hätten aus dem Stoff wohl mehr gemacht. Ein deutsches "Six Feet Under" ist die Serie jedenfalls nicht geworden - und doch lohnen sich die sechs Folgen anzuschauen - allein schon wegen Anke Engelke.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 17.09.2020 | 16:20 Uhr

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