Szene aus dem Film: "20.000 Arten von Bienen" © Gariza Films, Inicia Films

"20.000 Arten von Bienen": Auf der Suche nach der eigenen Identität

Stand: 29.06.2023 12:05 Uhr

Aitor, als Junge zur Welt gekommen, fühlt sich nicht so, wie es alle Welt von ihm erwartet. Das Drama "20.000 Arten von Bienen" erzählt die Geschichte eines Kindes, das auf der Suche nach Antworten ist.

von Bettina Peulecke

Filmgeschichte hat sie jetzt schon geschrieben: Bei der diesjährigen Berlinale wurde die achtjährige Nachwuchsschauspielerin Sofia Otero mit dem Silbernen Bären für die beste schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle ausgezeichnet und ist damit die jüngste Preisträgerin in der Geschichte des Festivals. Der Film "20.000 Arten von Bienen" kommt diese Woche in die Kinos.

Auf der Suche nach der eigenen Identität

"Setz ihnen mal Grenzen, Schatz. Du musst ihnen Grenzen setzen, der Junge ist ja völlig verwirrt."
"Der Junge ist erst acht Jahre, wieso ist er verwirrt? Mein Gott, erst ist acht und er ist sehr sensibel und er muss nicht gleich verwirrt sein, nur weil er sich selbst entdeckt."
"Ach hör' doch auf mit "sich selbst entdecken. Merkst du nicht, dass du selbst daran Schuld bist? Du machst ihn zu etwas besonderem, weil du ihn dauernd verwöhnst." Filmszene

Es kommt ja nicht selten vor, dass die Großmutter andere Vorstellungen von Kindererziehung hat als die eigene Tochter. Im Falle von Aitor, dem Jungen, den seine Mutter Ane angeblich ständig verwöhnt und seinen zwei älteren Geschwistern vorzieht, ist die Sache allerdings etwas komplizierter. Denn Aitor, als Junge zur Welt gekommen, fühlt sich nicht so, wie es offenbar alle Welt von ihm erwartet. Ob im Schwimmbad in der Umkleidekabine oder beim Einkaufen, wo es lieber ein Kleid statt eines Anzuges sein soll, wird klar: Aitor ist anders.

Er möchte auch nicht mehr mit seinem Geburtsnamen angesprochen werden und hat sich eigentlich für einen anderen Namen entschieden. Obwohl, nicht immer - was seine sehr verständnisvolle, aber meist überforderte Mutter manchmal schon an gewisse Grenzen bringt:

"Was ist dir denn lieber, Coco? Aber den Namen magst du doch auch nicht."
"Du sollst mich gar nicht nennen." Filmszene

 

Weitere Informationen
Kinoplakate an einem alten Kino mit den Filmen "Barbie" und "Oppenheimer" in Los Angeles © AP Photo/Chris Pizzello Foto: Chris Pizzello)

"Barbie", "Oppenheimer" & Co.: Das waren die Kinofilme 2023

"Oppenheimer" und "Barbie" sorgen 2023 für Kinoextase, Indiana Jones nimmt Abschied und der deutsche Film "Im Westen nichts Neues" sahnt vier Oscars ab. mehr

Lucia nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand

In den Ferien in einem kleinen Dorf, wo demnächst die Taufe einer Cousine stattfinden soll, sind die Erwachsenen eigentlich sämtlich mit ihren eigenen Problemen beschäftigt. Nur die Großtante, die sich um die seit Generationen im Familienbesitz befindliche Bienenzucht kümmert, hört dem Kind wirklich zu und ermutigt es, seine eigene Identität zu finden und zu leben.

Und beim Schwimmen mit einem Jungen aus dem Dorf wird ganz beiläufig klar, wie einfach die Sache mit der Akzeptanz sein kann:

"Mein richtiger Name ist eigentlich Lucia."
"Nicht Coco?"
"Sag das aber keinem."
"In meiner Klasse gibt es einen Jungen, der eine 'Mumu' hat.
"Und wie ist der Junge sonst?"
"Hmm, ganz nett." Filmszene

Nicht nett und komisch, sondern ernsthaft, manchmal berührend und zielgerichtet erzählt "20.000 Arten von Bienen" die Geschichte eines Kindes, das auf der Suche nach Antworten schließlich sein Schicksal selbst in die Hand nimmt und den Erwachsenen zeigt, was sie lernen sollten. Und das, wo doch ständig und jeden Tag neue Fragen zur eigenen Person, der Welt, kurz: allem und jedem hinzukommen.

Die Nachwuchsdarstellerin Sofia Otero macht das in der Tat sehr beeindruckend, auch wenn es kritische Stimmen zur Preisvergabe bei der Berlinale gab, die meinten, die Entscheidung sei politisch motiviert. Das ist möglich, schmälert aber die Leistung nicht.

20.000 Arten von Bienen

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2023
Produktionsland:
Spanien
Zusatzinfo:
Mit Sofía Otero, Patricia López Arnaiz, Ane Gabarain u. a.
Regie:
Estibaliz Urresola Solaguren
Länge:
125 Minuten
FSK:
ab 6 Jahren
Kinostart:
ab 29. Juni 2023

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 26.06.2023 | 07:55 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Spielfilm

Alles steht Kopf 2 © 2023 Disney/Pixar. All Rights Reserved.

Filme 2024: Diese Highlights kommen ins Kino

2024 locken Blockbuster wie "Alles steht Kopf 2" und "Gladiator 2" ins Kino. Auch von Nora Fingscheidt, Ridley Scott und vom "Joker" gibt's Neues. mehr

Der Arm einer Frau bedient einen Laptop, der auf einem Tisch in einem Garten steht, während die andere Hand einen Becher hält. © picture alliance / Westend61 | Svetlana Karner

Abonnieren Sie den NDR Kultur Newsletter

NDR Kultur informiert alle Kulturinteressierten mit einem E-Mail-Newsletter über herausragende Sendungen, Veranstaltungen und die Angebote der Kulturpartner. Melden Sie sich hier an! mehr

NDR Kultur App Bewerbung

Die NDR Kultur App - kostenlos im Store!

NDR Kultur können Sie jetzt immer bei sich haben - Livestream, exklusive Gewinnspiele und der direkte Draht ins Studio mit dem Messenger. mehr

Mehr Kultur

Anthony Hopkins als Anthony in einer Szene des Films "The Father" © Sean Gleason/Tobis Film/dpa

Mediathektipps: "The Father", "Clan" und "Turnen - 60 Sekunden Perfektion"

Um sehr verschiedene Abschiede geht es in den zwei Mini-Serien und dem einen Spielfilm mit Anthony Hopkins und Olivia Colman. mehr