Der schwedische Regisseur Ruben Östlund mit seinen Schauspielern Jean-Christophe Folly (l-r), Vicki Berlin und Woody Harrelson beim Photo-Call zu "Triangle of Sadness" in Cannes, wo der Film im Wettbewerb läuft © IMAGO / TT

Hamburger Film "Triangle of Sadness" holt Goldene Palme

Stand: 29.05.2022 11:21 Uhr

Bei den Filmfestspielen von Cannes waren drei Hamburger Produktionen im Wettbewerb. Dort gab es laut Helge Albers, Chef der Moin Filmförderung, während es Festivals bereits viel positives Feedback.

von Patricia Batlle

Am Freitag liefen die letzten Filme im Wettbewerb der 75. Filmfestspiele von Cannes. Als letzter wurde Kelly Reichardts Film "Showing Up" gezeigt. Nun hat die Jury um den französischen Schauspieler Vincent Lindon entschieden, wer die Goldene und die weiteren Palmen des Festivals erhält.

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Ruben Östlund mit seiner Goldenen Palme für  "Triangle of Sadness" in Cannes - © Joel C Ryan/Invision/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: Joel C Ryan

Hamburger Hoffnung "Triangle of Sadness" holt Goldene Palme

Der Schwede Ruben Östlund hat die 75. Goldene Palme von Cannes für seine Sozialsatire erhalten - in der viel Hamburg steckt. mehr

Der Sieger ist der Schwede Ruben Östlund, der mit "Triangle of Sadness" die zweite Goldene Palme in Folge nach 2017 holt, wo er mit "The Square" siegte. Das ist in der 75-jährigen Geschichte des Festivals bislang nur dem Österreicher Michael Haneke gelungen.

"Pacifition" - Geschichte um geisterhaftes U-Boot von Albert Serra

Andrea Schütte und Dirk Decker von der Hamburger Produktion Tamtam Film in Cannes © NDR
Andrea Schütte und Dirk Decker von der Hamburger Produktion Tamtam Film haben "Pacifiction" von Albert Serra koproduziert. Er hat am Donnerstag Premiere gefeiert.

Am Donnerstag feierte der von der Hamburger Firma Tamtam koproduzierte und von der Moin Filmförderung geförderte Film "Pacifiction" von Albert Serra Weltpremiere. Darin fühlt ein französischer Hochkommissar auf Tahiti (Benoît Magimel) ständig den Puls der einheimischen Bevölkerung, aus der jederzeit Wut aufsteigen kann. Dies gilt umso mehr, als sich ein Gerücht hartnäckig hält: Angeblich wurde ein U-Boot gesichtet, dessen geisterhafte Präsenz eine Wiederaufnahme der französischen Atomtests ankündigt.

Die Koproduktion zwischen Frankreich, Spanien, Deutschland und Portugal beeindruckt mit starken Bildern und wird etwa vom britischen "Guardian" als "apokalyptischer Mysteryfilm" aus Tahiti gelobt.

"'Holy Spider' und 'Triangle of Sadness' sind extrem starke Filme"

Große Chancen auf die Goldene Palme wurden bis zum Sonnabend Medienberichten zufolge etwa dem norddeutsch geförderten Film "Holy Spider" von Ali Abbasi eingeräumt. "Ruben Östlunds 'Triangle of Sadness' und Ali Abbasis 'Holy Spider' sind beide extrem starke Filme", sagt Helge Albers, Geschäftsführer der Moin Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein. "Ich habe zwei wunderbare Kinovorführungen mit Standing Ovations erleben dürfen. Ich habe es nicht gemessen, aber sieben bis zehn Minuten waren es locker." Mit drei von der Moin Filmförderung geförderten Filmen im Wettbewerb zu sein, sei stark, so Albers.

In der Weltpremiere zu Östlunds Satire "Triangle of Sadness" gab es mit die meisten Lacher aller Filme im Wettbewerb. Ein Film mit "vielen wunderbare Ideen", so Albers. Bemerkenswert sei etwa der Zitate-Battle und die Idee, sich als Mann für Salzstangen zu prostituieren. "Das Verdrehen von Rollen, diese Überzeichnung ist extrem zeitgeistig, lustig, intelligent und groß gedacht. Das ist ein toller Film. Ich bin mir sicher, dass er gut funktionieren wird."

Eine Frau schaut verstört und hat Schweißperlen auf der STirn - Szene aus dem Cannes-Wettbewerbbeitrag "Holy Spider" von Ali Abbasi © Profile Pictures, One Two Films, Alamode Film)
AUDIO: Cannes-Favorit Holy Spider vom iranischen Regisseur Ali Abbasi (4 Min)
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Ruben Östlund freut sich mit seiner Goldenen Palme für "Triangle of Sadness" in Cannes. © Vianney Le Caer/Invision/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: Vianney Le Caer

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"Burning Days": Starker Film von Emin Alper

Außerhalb des Wettbewerbs lief in der Reihe "Un Certain regard" der Film "Burning Days" von Emin Alper. "Das ist auch einer unserer Darlings", erzählt Albers. "Den Film haben wir im deutsch-türkischen Co-Development-Fund unterstützt. Wir haben ihn zusammen mit der Filmförderung Berlin-Brandenburg und dem Festival Istanbul gefördert." Der Development-Fund beschäftige sich mit türkischen Filmen, die sonst nicht entstehen können. "Man muss sagen, dass die politische Lage in der Türkei nach wie vor sehr, sehr brisant ist und es dringend Initiativen braucht, die dazu beitragen, dass Filme entstehen können."

Der Film habe ihn in der Premiere "geflasht", erzählt Albers: "Er ist visuell und erzählerisch stark, mutig, also regimekritisch, aber nicht nicht ins Gesicht, sondern subtil dabei. Außerdem hat er tolle Schauspieler." Es sei ein großartiger Film, der die ganze filmische Klaviatur bediene: Krimi, Gerichtsdrama, etwas Film Noir und Action.

75. Filmfestspiele von Cannes: "Festival der Normalisierung"

Insgesamt sei diese 75. Ausgabe der Internationalen Filmfestspiele ein "Festival der Normalisierung." Albers: "Die Nordamerikaner sind gut vertreten, aber aus Asien sind nicht alle da. Insbesondere China fehlt komplett." Beim riesigen Filmmarkt von Cannes seien die Einkäufer noch verhalten: "Wir müssen noch ein bisschen besser verstehen, wie sich der Markt und die Besucherzahlen jetzt nach Corona entwickeln."

Helge Albers, Geschäftsführer der Moin Filmförderung auf dem roten Teppich in Cannes © Moin Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein / Julie Edwards, Kurt Krieger Foto: Julie Edwards, Kurt Krieger
Der Geschäftsführer der Moin Filmförderung Helge Albers hat die Weltpremieren der sechs geförderten Filme begleitet. Drei davon laufen im Wettbewerb.

Ein positiver Aspekt zeichnet sich beim Vertrieb der Hamburger Titel in Cannes ab: "Die Filme 'Triangle of Sadness' und 'Holy Spider' verkaufen sich wie warme Semmeln! Beide haben sich weltweit verkauft, an sehr gute Verleiher, sie werden extrem gut ausgewertet werden." Auch alle anderen von Moin geförderten Filme seien so gut, dass sie auf jeden Fall gut verkauft würden.

Am Freitag feierte noch ein Film aus Schleswig-Holstein Weltpremiere: Der Kurzfilm "Beben" von Regisseur und Drehbuchautor Rudolf Fitzgerald Leonard, der gemeinsam mit der Filmwerkstatt in Kiel entstanden ist. Für die Filmemacher, die daran beteiligt sind, sei es ein großes Vergnügen und eine große Ehre, in Cannes sein zu können.

Letztendlich laufe es auch in Cannes auf den einen Moment hinaus, so Albers: "Auf den vollen Kinosaal, die dunkle Leinwand, der Projektor geht an, und der Film läuft los. Darauf läuft alles zusammen, egal, was passiert. All die Verkäufe und die Partys hier sind Beiwerk."

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Eine Frau schaut verstört und hat Schweißperlen auf der STirn - Szene aus dem Cannes-Wettbewerbbeitrag "Holy Spider" von Ali Abbasi © Profile Pictures, One Two Films, Alamode Film)
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NDR Kultur | Journal | 27.05.2022 | 16:00 Uhr

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