Stand: 22.05.2019 11:33 Uhr

"All My Loving": Drama mit Lars Eidinger

All my Loving
, Regie: Edward Berger
Vorgestellt von Bettina Peulecke

Wie schon bei seinem viel beachteten Berlinale-Wettbewerbsbeitrag "Jack" von 2014 schrieb der Regisseur und Autor Edward Berger das Drehbuch zu "All My Loving" auch wieder gemeinsam mit der Schauspielerin Nele Müller Stöfen. Sie spielt eine der drei Hauptrollen, neben Lars Eidinger und Hans Löw. In dem Episodenfilm geht es um "Eine Geschichte von drei Geschwistern", wie es zu Beginn heißt.

Wenn man Branchenberichten glauben darf, wird Edward Berger, der schon mit seiner Inszenierung von "Deutschland 83" international Beachtung fand, demnächst einen Film in Hollywood realisieren - unter den Schauspielern sollen Namen wie Benedict Cumberbatch, Michelle Williams und Jake Gyllenhaal sein.

Probleme der Protagonisten lassen Zuschauer kalt

Vorher hat er mit "All My Loving" quasi noch ein kleines Gegenstück auf die Leinwand gebracht. Mit nicht weniger großartigen Schauspielern, allen voran Lars Eidinger, in einem vollkommen unaufgeregten, geradezu zurückhaltenden Episodenfilm.

Genau das ist das Problem. Das starke Spiel der Darsteller ist bemerkens- und durchaus sehenswert, aber die nahezu beiläufige Erzählweise bietet ein schwaches Identifikationspotential. Das Leid, die Krisen und die schwierigen Entwicklungen im Leben der Protagonisten lassen einen als Zuschauer ziemlich kalt.

In drei Episoden geht es um drei Geschwister, um die 40, die alle auf ihre Weise mit dem Schicksal hadern. Zu Beginn treffen sie sich in einem Restaurant, weil es darum geht, dass sich jemand um den kranken Vater kümmern sollte, der sich weigert zum Arzt zu gehen.

Es wird viel geredet, aber nichts gesagt

Die Geschwister reden viel, aber es wird meistens wenig gesagt. Jeder hat seine eigene Geschichte. Der Lebemann Stefan, fein nuanciert verkörpert von Lars Eidinger, hat Hörprobleme und Gleichgewichtsstörungen und verschweigt allen, dass er schon seit Monaten nicht mehr als Pilot arbeitet.

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Julia (Nele Mueller-Stöfen) kümmert sich um einen zugelaufenen Straßenköter.

Seine Uniform trägt er trotzdem, um an Hotelbars Frauen aufzureißen. Mit seiner Tochter, die bei ihrer Mutter lebt und für die er nicht mal das Sorgerecht hat, ist er völlig überfordert, als er sie eines Nachts von der Straße in ein Wohnhaus verfolgt.

Stefans Schwester Julia und ihr Mann haben Probleme, den Verlust ihres Kindes zu verkraften. Seit der kleine Sohn gestorben ist, kümmert sich Julia krankhaft um ihren Hund - und selbst im Urlaub wird ein aufgelesener Straßenköter zum Zentrum ihrer Beziehung.

Tobias, der chronisch überforderte Familienvater, der immer wieder verzweifelt versucht, seine Diplomarbeit fertig zu schreiben, ist letztlich eben doch derjenige, der sich immer um alles und jeden kümmert, und zum Vater fährt, der störrisch wie eh und je sich weder helfen noch etwas sagen lässt.

Der Film hinterlässt kaum nachhaltige Eindrücke. All der Tragik wohnt ab und an ein bisschen Komik inne, aber das ist eben nicht genug.

All my Loving

Genre:
Spielfilm
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Lars Eidinger, Nele Mueller-Stöfen, Hans Löw
Regie:
Edward Berger
Länge:
112 Min.
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
23. Mai 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 23.05.2019 | 06:40 Uhr

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