Stand: 21.11.2017 21:40 Uhr

"Eintrag ins Goldene Buch ist eine Auszeichnung"

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Fatih Akin und Hollywoodstar Diane Kruger tragen sich ins Goldene Buch der Hansestadt ein.

Seit mehr als 20 Jahren fördert die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein die Filme von Fatih Akin. Am Dienstag würdigte Hamburg Akins Leistung für die Hansestadt feierlich: Der Regisseur trug sich mit seiner Hauptdarstellerin Diane Kruger aus seinem Drama "Aus dem Nichts" ins Goldene Buch der Stadt ein. Am Abend feierte der geförderte Film Premiere im Cinemaxx Dammtor. Ein Gespräch mit Maria Köpf, Chefin der Filmförderung über das Goldene Buch, Fatih Akin, seine Filme - und Oscar-Chancen.

Deutschlandpremiere in Hamburg, Eintrag ins Goldene Buch: Was bedeutet dieser Termin für die Künstler - und für die Filmförderung, die "Aus dem Nichts" gefördert hat?

Maria Köpf: Wir freuen uns riesig über diesen Termin und dass diese Einladung durch das Rathaus ausgesprochen wurde. Ich erachte das für eine großartige Auszeichnung und Anerkennung, die dem Film und dem Filmstandort Hamburg insgesamt dadurch zuteil wird. Wir haben von der Kulturbehörde erfahren, dass das Goldene Buch für Filmkünstler erst das dritte Mal aufgemacht wird. Insofern sind wir sehr stolz, dass diese Ehre dem Film "Aus dem Nichts" und vor allem Fatih Akin und Diane Kruger zuteil wird.

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Fatih Akin erzähle authentisch vom Lebensgefühl der Stadt Hamburg, sagt Maria Köpf, Chefin der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein.

Um welche zwei anderen Kinokünstler handelte es sich zuvor?

Köpf: Meines Wissens durfte sich Dustin Hoffman schon einmal eintragen, und Gérard Depardieu. Das ist lange her.

Akins Kinodebüt "Kurz und Schmerzlos" ist 2018 zwei Jahrzehnte her. So lange fördern Sie schon die Filme des Hamburger Drehbuchautors und Regisseurs!

Köpf: Wir waren sogar noch früher mit im Boot, zunächst 1995 bei seinem Kurzfilm "Sensin - Du bist es dabei" und beim Kurzfilm "Getürkt" von 1996. Wir haben eine lange Fördergeschichte mit Fatih Akin, was uns absolut freut. Das zeigt es ja, was Filmförderung ermöglicht, Talenten etwas mit auf den Weg zu geben. Karrieren mit zu ermöglichen. Das ist unser Ziel - und wozu wir unter anderem da sind.

Fatih Akin - eine Filmkarriere in Bildern

Was bedeutet Fatih Akin als Filmemacher für die Stadt Hamburg?

Köpf: Film ist ein wichtiges Mittel, um auf künstlerischem Weg ikonografische Bilder einer Stadt zu vermitteln. Das hat Fatih in seinen Filmen in vielfältiger Weise geleistet. Zum Beispiel bei "Soul Kitchen". Als der herauskam, hat er eingeschlagen wie eine Bombe. Diese tollen Bilder von Hamburg, aber auch dieses spezielle Feeling, das der Film vermittelt hat, waren damals einzigartig und mitreißend. Er hat viele Zuschauer ins Kino gezogen. Fatih schafft es aber nicht nur, tolle Bilder von Hamburg zu vermitteln, sondern auch, ein ganz spezifisches Lebensgefühl dieser Stadt zu vermitteln. Das geprägt ist von einer ganz starken Energie, von einer Impulsivität, von einer Stadt, die mit vielen Bevölkerungsgruppen besiedelt ist. Er erzählt und erfindet immer wieder tolle Geschichten. Dass der Fatin Akin hier lebt und dass er diese Bilder schafft, ist eine große Bereicherung. Er ist hier aufgewachsen, hat seine Familie hier und hat deswegen einen ganz besonderen Bezug und Draht zu der Stadt und kann daher authentisch erzählen.

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"Aus dem Nichts" ist der deutsche Oscar-Kandidat. Wie schaffen Sie es bloß, im zweiten Jahr in Folge Eisen im Feuer im Rennen um den fremdsprachigen Oscar zu haben?

Köpf: Wir sind ja noch nicht in der Nominierungsphase, sondern in der Phase, in der die einzelnen Länder ihre Beiträge vorstellen. Erst am 23. Januar erfahren wir, welche davon nominiert werden. Neben Fatihs Film haben wir noch den Film "Die Wunde" als Eisen im Feuer. Eine Produktion aus Südafrika, die weltweit mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde. Wir sind natürlich unheimlich stolz (lacht), nachdem wir letztes Jahr mit zwei Nominierungen in Los Angeles waren. Mit "Toni Erdmann" und mit dem dänischen Film "Unter dem Sand" hatten wir zwei Kandidaten, an denen wir als Förderer beteiligt waren. Das ist natürlich eine großartige Auszeichnung unserer Arbeit - dass wir hier auf die richtigen Projekte setzen, die international Erfolg haben. Drücken Sie uns die Daumen, dass am 23. Januar bei der Bekanntgabe der Nominierungen besonders ein Name dabei ist - nämlich Fatih Akin!

Das Interview führte Patricia Batlle.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 21.11.2017 | 19:00 Uhr

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