Stand: 11.07.2018 13:02 Uhr

"Foxtrot": Antikriegs-Film mit großer Wucht

Foxtrot
, Regie: Samuel Maoz
Vorgestellt von Hartmut Tegeler

Mit "Foxtrot" kommt ein ergreifendes Antikriegsdrama in die Kinos, in dem Regisseur Samuel Maoz Israels Traumata verarbeitet. Maoz' Antikriegsfilm erzählt in einer strengen ästhetischen Form von einem Vater und einem Sohn, aber auch von der Gewalt des Krieges, die auch dann noch ihre Wirkung zeigt, wenn die Waffen schon längst schweigen. Der Film löste in Maoz' Heimat eine Kontroverse aus. Die israelische Kulturministerin Miri Regev warf den Machern vor, "Lügen gegen die moralischste Armee der Welt mithilfe der Kunst" in die Welt zu setzen".

Als zwei Soldaten vor der Wohnungstür des Architekten Michael und seiner Frau Dafna stehen, wissen die genau, was das zu bedeuten hat. Dafna bricht sofort zusammen. Michael erstarrt. "Herr Feldmann, Jonathan Feldmann ist heute Nacht im Einsatz gefallen." Michael, der Vater, hält scheinbar noch stand.

Verzweiflung und Abschottung

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Die Nachricht des angeblichen Todes ihres Sohnes Jonathan erschüttert Dafna (Sarah Adler) und Michael (Lior Ashkenazi)

Als die Militärs dann in der Wohnung als Teil einer perfekten Kriegsfolgen-Betreuungsmaschine die Abwicklung besprechen, wird klar, dass der Vater sich bereits in eine abgeschottete Realität begeben hat. Dort trifft die Verzweiflung über den Tod seines Sohnes auf das Trauma, das der Vater seit seiner Zeit als Soldat in einem früheren Krieg Israels mit sich trägt.

Samuel Moaz´ "Foxtrot" ist ein Film über die Wunden, die der Krieg schlägt, die auch nicht verschwunden sind, wenn die Krieger nicht mehr im Krieg sind. Ein Film, der streng in drei Akte komponiert ist. Akt 1: Die Eltern erfahren vom Tod des Sohnes. Akt 2: Eine Rückblende mit einem Militärwachposten in der Wüste, vier junge Soldaten, ein surreales Nichts. Akt 3: Mutter und Vater denken darüber nach, was von ihrer Liebe geblieben ist in Israel, das in permanenter Unsicherheit und unter der Bedrohung von außen lebt.

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Jonathan Feldmann (Yonatan Shiray), der Sohn der beiden befindet sich auf einem abgelegenen Militärwachposten.

Die dramaturgische Struktur des Films erinnert an die einer griechischen Tragödie. Auch in der Gnadenlosigkeit, mit der das Schicksal am Anfang zugeschlagen zu haben scheint und am Ende zuschlägt. Eine große Wucht geht von "Foxtrot" aus, als universeller Erzählung und auch als Antikriegs-Film. "Wenn ich "Foxtrot" in einem Satz beschreiben würde," sagt Samuel Maoz, "dann würde ich sagen, "Foxtrot" ist der Tanz eines Mannes mit seinem Schicksal."

Ein Tanzschritt wird zur Methapher

Dabei ist der Tanzschritt des Foxtrotts die Metapher: Vor, rechts, rückwärts, links, und am Ende ist man da, wo man losging. "Foxtrot" konfrontiert uns dabei mit grandios absurden Bildern, wie z.B. als Jonathan mit dem Gewehr am Checkpoint in der Wüste sitzt. Er drückt auf eine Fernbedienung. Der Schlagbaum geht hoch und von links nach rechts schreitet ein Kamel gemächlich durch das Bild.

"Foxtrot" erzählt auf eindrucksvolle und grandiose Weise von den Kriegstraumata eines Vaters und eines Sohnes, die sich auch schicksalshafte Weise zur großen Tragödie verknüpfen. In jedem Fall begegnen wir dem Kamel vom Checkpoint am Ende noch einmal in "Foxtrot" auf der Straße. Alles schien gut, aber es schien nur so. Es wird sie überraschen am Ende und entsetzen.

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Foxtrot

Produktionsjahr:
2018
Produktionsland:
Frankreich, Israel, Schweiz, Deutschland
Zusatzinfo:
mit Lior Ashkenazi, Sarah Adler, Yonaton Shiray, Shira Haas, Karin Ugowski, Yehuda Almagor, Gefen Barkai
Regie:
Samuel Maoz
Länge:
113 min
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
12. Juli 2018

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 12.07.2018 | 07:20 Uhr

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