Stand: 27.09.2017 15:30 Uhr

Stephen Kings Grusel-Clown ist wieder da: "Es"

Es
, Regie: Andrés Muschietti
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Es ist schon unglaublich, wie sehr man sich vor einer Clownsfratze gruseln kann. Zumal, wenn sie aus der Tiefe eines Gullis heraus einen kleinen Jungen anlockt. Das Verschwinden des kleinen Georgie ist gewissermaßen die Ursünde in Andrés Muschiettis Stephen-King-Verfilmung "Es". Doch immer wieder lösen sich in der kleinen Stadt Derry Menschen wie in Luft auf. Monate später rätseln Georgies großer Bruder und dessen Freunde über die unheimlichen Vorgänge.

Angst und Schrecken in der Kleinstadt Derry

Ein mörderisches Monster treibt sein Unwesen

Weiße Vorgärtenzäune, breite Straßen, Einfamilienhäuser - die Freundesclique, die sich selbst "Club der Loser" nennt, verkörpert nicht das amerikanische Teenie-Ideal. Die Loser tragen Brillen, sind ein bisschen zu dick oder haben die "falsche" Hautfarbe. Instinktiv spüren die Kinder, dass nur Zusammenhalt helfen kann. Auch gegen das mörderische Wesen oder eben Unwesen, das hier zugange ist.

Recherchen der Freunde in der örtlichen Bibliothek ergeben, dass in Derry alle 27 Jahre Schreckliches vorfällt. Meist in Verbindung mit dem Horrorclown Pennywise, der den kleinen Georgie offenbar brutal in die Kanalisation hinabgezogen hat. Aber ist er wirklich das einzige mörderische Ding, Wesen oder Monster?

Entrümpelte Neuverfilmung

Der Regisseur Andrés Muschietti hat Stephen Kings Vorlage entrümpelt - und zwar ziemlich kraftvoll. Anders als die erste Verfilmung, ein 1990 entstandener Fernsehzweiteiler, übernimmt diese Adaption nicht die unzähligen Zeitsprünge des Buches und auch nicht das überbordende Figurenarsenal.

Der Film verlagert die Handlung in die 80er-Jahre und bleibt dort. So kann er sich ganz auf die Kinder einlassen, die von wirklich beeindruckenden Darstellern gespielt werden. Etwa Sophia Lillis in der Rolle der gegen ihren brutalen Vater rebellierenden Beverly. Oder Jaeden Lieberher als am Tod seines kleinen Bruder verzweifelnder Bill. Letztlich, das stellen die Teenies nach und nach fest, hängt das Böse mit ihren eigenen offenen und unterdrückten Ängsten zusammen.

Das Grauen entspringt unserem Unbewussten

Immer wieder hat Stephen King, Meister des Gebrauchshorrors, in seinen Büchern von Urängsten erzählt, immer wieder koppelt er den Horror an die Sehnsüchte und Phantasmen seiner Figuren. Eben dieses aus dem Unbewussten der Helden entspringende Grauen macht auch die Verfilmungen - wenn sie denn gelingen - zu visuellen Seelenlandschaften. "Carrie", "The Shining", "Christine", "Friedhof der Kuscheltiere" sind inzwischen Klassiker der Kino- oder zumindest der Popkultur geworden.

Hat diese Verfilmung auch das Zeug zum Horrorklassiker? Visuell jedenfalls ist sie hochkonzentriert: mit einer Kamera, die das Leben in der amerikanischen Kleinstadt ästhetisch verfremdet, mit an den Rändern ausfransenden Bildern, die das Unheimliche im Alltäglichen suchen. Indessen suchen die Teenies nach Spuren der Verschwundenen.

Einer der erfolgreichsten Horrorfilme Hollywoods

Die Fortsetzung von "Es" wird 2019 ins Kino kommen. Bis dahin kann man sich wundern, unterhalten und gruseln in einem Film, der schon Millionen amerikanische Teenies von ihren Computerbildschirmen weg und zum gemeinsamen Angstschreierlebnis ins Kino gelockt hat.

 

Es

Genre:
Horror
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Bill Skarsgård, Jaeden Lieberher, Finn Wolfhard
Regie:
Andrés Muschietti
Länge:
135 Min.
FSK:
FSK ab 16 Jahren
Kinostart:
28. Sept 2017

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 28.09.2017 | 07:20 Uhr

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