Stand: 16.04.2019 17:11 Uhr

M'Barek hatte keinen Imagewechsel im Blick

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In "Der Fall Collini" spielt Elyas M'Barek den jungen Anwalt Caspar Leinen, der als Pflichtverteidiger Fabrizio Collini (Franco Nero) vor Gericht vertritt.

Ein Auflauf schmachtender weiblicher Fans ist bei den Auftritten von "Fack ju Göhte"-Star Elyas M’Barek immer am Start. Doch während er sich in der Vergangenheit schon gern auch mal in Anlehnung an seine lässig-lockere Paraderolle als schlagfertiger Pauker-Proll Zeki Müller gab, wandelt der schöne Elyas nun auf weitaus ernsteren Pfaden. In der Verfilmung von Ferdinand von Schirachs Roman "Der Fall Collini" verkörpert er jetzt einen jungen Anwalt - ambitioniert, aber aufrecht.

Angeblich hatten Sie, als Sie diese Rolle übernommen haben, keinen Imagewechsel im Blick? Stimmt das wirklich?

Elyas M'Barek: Ich entscheide echt immer aus dem Bauch heraus. Und wenn ich Drehbücher angeboten bekomme, dann entscheide ich immer danach, ob ich diesen Film selber gerne sehen würde, ob mich das Thema interessiert, gar nicht besonders aufgrund der Rolle, die mir angeboten wird, sondern wegen der Thematik und dem Gesamtpaket. Und das war hier gegeben. Es ist vielleicht eher ein glücklicher Zufall, dass das jetzt alle so sehen. Ich habe das gar nicht so wahrgenommen, bis mir jetzt irgendwie in jedem Interview unterstellt wird, den neuen Karriereschritt gewagt zu haben, den ich bis dato gar nicht gesehen hab. Aber schön, wenn ihr das alle so seht.

In Hamburg, Berlin und München sieht man zurzeit ziemlich viele ziemlich großflächige Werbeplakate für den Film mit Ihrem Konterfei. Wie fühlt man sich dabei?

M'Barek: Ja, das ist schon irgendwie absurd. Auf der anderen Seite versuche ich das nicht emotional zu dicht an mich ranzulassen. Nächste Woche hängt da irgendein anderes Ding. Es gibt Wichtigeres im Leben.

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Der Regisseur Marco Kreuzpaintner hat gesagt, der wichtigste Grund für ihn diesen Film zu machen war, dass er den darin behandelten Justizskandal, namentlich das "Einführungsgesetz zum Gesetz über Ordnungswidrigkeiten" von 1968 einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen wollte. Kannten Sie das Gesetz?

M'Barek: Nein, und das war ja wirklich ein absoluter Skandal. Deshalb finde ich es auch so unheimlich wichtig, dass man diesen Teil der Geschichte beleuchtet. Und die Tatsache, dass der Film so viele Themen vereinigt, die wichtig und interessant sind, wie die Frage nach Schuld und Moral zum Beispiel - das hat mich auch daran gereizt.

Ferdinand von Schirach ist Strafverteidiger und Bestsellerautor. Kannten Sie das Buch, bevor Ihnen die Rolle angeboten wurde?

M'Barek: Ich bin ein großer Fan, und empfinde es jetzt als große Ehre, gewissermaßen Teil seiner Romane sein zu dürfen. Wir reden immer viel über Essen, wenn wir uns sehen, besonders über japanisches. Ich bin ein großer Fan japanischer Kultur, er auch und dort ist er ja auch ein angesehener Schriftsteller. Da tauschen wir uns immer aus.

Ihr Kollege Franco Nero, eine lebende Legende des Italo-Western, sagt nicht viel im Film. Wie war das zwischen Ihnen außerhalb des Drehbuches?

M'Barek: Na ja, Franco spricht zwar nur wenige Sätze, die muss er aber auf Deutsch sagen. Und da war er sehr ehrgeizig. Das endete manchmal auch in italienischen Schimpftiraden, wenn er irgendetwas - seiner Meinung nach - falsch ausgesprochen hat, weil er wirklich ein großer Streber ist. Aber er war sehr gut, ich habe ihm bei der richtigen Aussprache teilweise auch geholfen. Ich kann eigentlich behaupten, dass wir Freunde geworden sind. Ich war nach den Dreharbeiten in Rom, da haben wir uns auch getroffen, sind zusammen in sein Lieblingsrestaurant gegangen und er hat mir einen Besuch im Vatikan ermöglicht, ohne dass ich in einer Schlange anstehen musste. Also ich freue mich immer wieder, ihn zu sehen und bin sehr dankbar für diese Erfahrung, mit so einer Legende arbeiten zu dürfen.

Das Interview führte Bettina Peulecke.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 18.04.2019 | 06:55 Uhr

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